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18.05.2015

12:55 Uhr

Taxifahrer, Friseure und Co.

Bundesbank sieht in Mindestlohn keinen Preistreiber

Der zum Jahresbeginn eingeführte Mindestlohn ist laut Bundesbank bislang kein Inflationstreiber – auch wenn gerade im Osten die Preise angestiegen sind. Die Wirtschat dürfte bis in den Sommer kräftig wachsen.

Unter anderem im Taxi-Gewerbe wurde der Mindestlohn eingeführt. dpa

Unter anderem im Taxi-Gewerbe wurde der Mindestlohn eingeführt.

BerlinDer seit Jahresbeginn geltende Mindestlohn ist der Bundesbank zufolge bislang kein Inflationstreiber. Dienstleister wie Taxiunternehmer und Friseure hätten zwar ihre Preise vor allem im Osten merklich erhöht. „Die Auswirkungen auf den Verbraucherpreisindex insgesamt dürften dennoch eng begrenzt bleiben“, hieß es im Bundesbank-Monatsbericht, der am Montag veröffentlicht wurde. Im Warenkorb, mit dem Statistiker die Teuerungsrate berechnen, sei nur knapp ein Drittel der Dienstleistungen vom Mindestlohn nennenswert betroffen. Diese hätten die Teuerungsrate in den ersten Monaten um gut 0,1 Prozentpunkte erhöht. Sie lag im April bei 0,5 Prozent.

Für ein endgültiges Fazit ist es der Bundesbank zufolge aber zu früh. „Der Preisanpassungsprozess ist wohl noch nicht abgeschlossen.“ Das gelte insbesondere in den Branchen, in denen Übergangsfristen genutzt würden. So gilt bei Friseuren in ganz Deutschland erst ab August der Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde. Auch könne es zu verzögerten Lohnsteigerungen kommen, so dass der Gesamteffekt etwas höher ausfallen werde, erklärte die Bundesbank.

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

Die Exporteure jubeln, weil der im Verhältnis zum US-Dollar extrem schwache Euro Ausfuhren außerhalb des Euroraums günstiger macht.

Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.

Für die meisten Firmen und Verbraucher geht es nach Einschätzung der Bundesbank konjunkturell auch künftig bergauf. „Die deutsche Wirtschaft wird in den kommenden Monaten wohl weiter expandieren“, teilte die Notenbank am Montag in ihrem Monatsbericht für Mai mit. Die Konsumenten etwa nutzten dank der guten Job-Lage, niedriger Zinsen und steigender Einkommen neue finanzielle Spielräume für mehr Ausgaben. Zudem signalisiere das Auftragsplus zu Jahresbeginn ein verstärktes Anziehen der Baubranche.

Allerdings hielten sich viele Unternehmen mit mehr Ausgaben für Maschinen und Anlagen noch zurück. „Die Ausrüstungsinvestitionen dürften eher verhalten zunehmen.“ Denn die Firmen zögerten trotz guter Auslastung vor allem wegen durchwachsener Impulse der globalen Wirtschaft, „umfangreich in Erweiterungen zu investieren“. In der Industrie dürfte sich die Lage nur schleppend verbessern. Diese Betriebe sollten aber künftig wieder stärker von der Weltwirtschaft und dem niedrigen Euro profitieren.

Im ersten Quartal war die deutsche Wirtschaft mit 0,3 Prozent unerwartet schwach gewachsen.. Für das Gesamtjahr 2015 sagen die meisten Experten ein Plus von knapp zwei Prozent voraus, nach 1,6 Prozent im vorigen Jahr.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Peter Noack

18.05.2015, 14:08 Uhr

Wenn der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde nicht einmal fühlbar die Preise steigen lässt, sollte man ihn unbedingt wieder abschaffen. Wenn schon nicht neue Massenarbeitslosigkeit und Kollaps der Sozialsysteme befürchtet werden dürfen, muss doch wenigsten die Teuerung spürbar steigen. Werden beide Ziele nicht erreicht, muss der Mindestlohn als Fehlanreiz eben wieder weg. Wäre eine Lohnuntergrenze für Friseure bei knapp über 3 Euro pro Stunde nicht besser? Senkt den Lohn der Taxifahrer wieder unter 6 Euro ´pro Stunde. Beide Löhne könnten wieder Preisstabilität für Jahrzehnte, 1 Prozent Preissteigerung pro Jahr, garantieren. Der Marktwirtschaft sei´s gedankt. FDP hilf uns endlich!

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