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06.10.2012

00:15 Uhr

Tiefster Stand seit 2009

Sinkende Arbeitslosenrate gibt Obama Rückenwind

Die Zahl der Arbeitslosen in den USA ist im September mit 7,8 Prozent auf den tiefsten Stand seit fast vier Jahren gefallen. Wahlkämpfer Barack Obama dürfte das freuen. Auch Ökonomen zeigen sich positiv überrascht.

US-Präsident Barack Obama während eines Auftritts an der University of Wisconsin-Madison. dapd

US-Präsident Barack Obama während eines Auftritts an der University of Wisconsin-Madison.

WashingtonUS-Präsident Barack Obama erhält einen Monat vor der Wahl überraschend Rückenwind. Die Arbeitslosenquote sank im September mit 7,8 Prozent auf den niedrigsten Stand seit fast vier Jahren. Im August hatte die Quote noch 8,1 Prozent betragen. Die September-Quote sei der tiefste Wert seit Januar 2009, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Ökonomen hatten dagegen mit einem Anstieg auf 8,2 Prozent gerechnet.

„Das ist ein ziemlich guter Arbeitsmarktbericht“, sagte Mark Zandi, Chefökonom von Moody’s Economy.com. „Seit die Zahl der Stellen vor zweieinhalb Jahren wieder begann zu wachsen, sind damit rund die 4,7 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden. Das bedeutet, rund die Hälfte der Jobs, die in der Rezession verloren gingen, sind wieder zurückgewonnen.“

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Einer Unternehmensumfrage zufolge legte die Zahl der Beschäftigten in der US-Wirtschaft wie erwartet um 114.000 zu. Zudem entstanden im Juli und August 86.000 mehr Jobs als zunächst angenommen. Nach einer separaten Haushaltsumfrage, die jedoch monatlich stark schwankt, stieg die Zahl der Erwerbstätigen im September um 873.000. "Um ehrlich zu sein: Das sind verdammt gute Zahlen", sagte Analyst Lane Newman von ING Capital Markets. Auch an den Märkten kam der Bericht gut an. Aktienkurse in Europa weiteten ihre Gewinne aus, der Euro verteuerte sich leicht. Die Wall Street legte ebenfalls weiter zu. Der Dow-Jones-Index verzeichnete zwischenzeitlich sogar ein Fünf-Jahres-Hoch.

Die Zahl zeigten, dass die USA sich wieder nach vorne bewegten, erklärte Obama auf eine Wahlkampfkundgebung in Virginia. Für den Präsidenten wurde mit den 7,8 Prozent auch eine wichtige psychologische Barriere überwunden. Denn noch nie wurde ein Präsident wiedergewählt, wenn die Arbeitslosenrate übe acht Prozent lag.

Obamas Herausforderer Mitt Romney bewertet das freilich anders. "So sieht keine echte Erholung aus", erklärte der Republikaner. Unter Obama würden die nächsten vier Jahre so sein wie die vergangenen vier. "Wenn ich gewählt werde, werden wir eine echte Erholung haben mit wachstumsfreundlicher Politik, die zwölf Millionen neue Jobs schaffen wird und steigende Einkommen für alle."

Damit versuchte der Republikaner offenbar auch, seine gute Vorstellung in der ersten TV-Debatte noch zu unterstreichen. Beobachtern zufolge hatte Romney beim ersten der drei Streitgespräche durch die aggressive Infragestellung der Wirtschaftskompetenz des Präsidenten gepunktet.

Obama versuchte danach schon am Donnerstag mit neuer Energie bei Wahlkampfauftritten in Denver und Madison wieder in die Offensive zu kommen. Der Amtsinhaber griff dabei seinen republikanischen Kontrahenten direkt an und stellte dessen Aufrichtigkeit bei der TV-Debatte vom Vortag infrage.

Obamas Wirtschaftsberater Alan Krueger sagte zu den Daten, die Wirtschaft sei auf dem richtigen Weg aus ihrer tiefsten Krise seit der Großen Depression in den 1930ern. Es müsse aber noch einiges getan werden.

Einer Umfrage des Karriereportals Beyond.com zufolge sind die Beschäftigten mehrheitlich für Obama. Die Arbeitslosen bevorzugen aber Romney. Dieser hatte in der ersten Fernsehdebatte mit einem offensiven Auftritt gegen Obama gepunktet und damit seinen Rückstand in den Umfragen etwas verkürzt.

"Die Arbeitslosenquote ist niedriger als zu Beginn der Amtszeit von Obama", sagte Analyst Omer Esiner von Commonwealth Foreign Exchange. "Verschwörungstheoretiker werden angesichts dieser Zahlen durchdrehen." Der ehemalige Chef vom Industrieriesen General Electric, Jack Welch, twitterte kurz nach der Datenveröffentlichung: "Unglaubliche Arbeitsmarktzahlen ... diese Jungs aus Chicago machen, was sie wollen." Obamas Wahlkampfmanager sitzen in Chicago.

Arbeitsministerin Hilda Solis bezeichnete den Gedanken, die Daten könnten manipuliert sein, als "lächerlich". "Ich fühle mich beleidigt, wenn ich das höre", sagte sie dem Sender CNBC. Romney betonte, die Arbeitslosenquote läge eher bei elf Prozent, wenn alle gezählt würden, die bereits aus der Statistik herausgefallen seien.

Kommentare (18)

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Markus

05.10.2012, 15:30 Uhr

"Ein ziemlich guter Arbeitsmarktbericht" Der Bericht ist das Papier nicht wert auf dem er steht! Vor allem der Rückgang der Arbeitslosenquote scheint wohl eher damit begründet, das sich immer mehr Menschen vom Arbeitsmarkt zurückziehen und somit aus der Statistik fallen.
Wie sonst lässt sich erklären das angeblich nur 114.00 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden und gleichzeitig die Quote um 0,3 % zurückgeht?

Da waren sicher auch einige "Statistische Effekte" vor der Präsidentenwahl dabei.

Dildoking

05.10.2012, 15:33 Uhr

So etwas nennt man wahre "Politik". Der Bericht kommt ja von bestimmten Protagonisten wie gerufen. Natürlich absolut glaubwürdig!! *LOL*

Brasil

05.10.2012, 15:33 Uhr

Schmierentheater, gestuetzt durch den mainstream Journalismus!
Ein zur Laecherlichkeit verkommenes Volk wo man hinschaut!

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