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14.05.2013

13:32 Uhr

Tiefster Stand seit 2010

Inflation weiter auf dem Rückzug

Der Geldflut der EZB zum Trotz sinken die Verbraucherpreise weiter. Vor allem Kraftstoff und Pauschalreisen sorgen für eine geringere Inflation. Die Preise für Nahrungsmittel zogen dafür spürbar an.

Die Verbraucherpreise legen mehr als vier Prozent bei Nahrungsmitteln zu. dpa

Die Verbraucherpreise legen mehr als vier Prozent bei Nahrungsmitteln zu.

WiesbadenDie Verbraucherpreise in Deutschland steigen so langsam wie lange nicht mehr: Vor allem sinkende Preise für Pauschalreisen, Sprit und Heizöl haben die Inflation im April auf den niedrigsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren gedrückt. Die Jahresteuerung sank nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 1,4 Prozent im März auf 1,2 Prozent. Binnen Monatsfrist verringerten sich die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit am Dienstag vorläufige Zahlen von Ende April.

Allen Unkenrufen zum Trotz wirkt sich das ultra-billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) damit bisher nicht verschärfend auf den Preisdruck aus. Im Gegenteil: Seit Jahresbeginn 2013 ist die Inflation in Deutschland trotz der Geldschwemme der EZB auf dem Rückzug. Eine niedrigere Teuerungsrate als im April gab es zuletzt im August 2010 mit 1,0 Prozent, im September 2010 lag die Rate letztmals bei 1,2 Prozent.

Auch im Euroraum war die Jahresteuerung nach vorläufigen Zahlen im April auf 1,2 Prozent gesunken. Nach den Regeln der EZB ist Preisstabilität bei Raten von knapp unter 2 Prozent gewährleistet. Die Notenbank nutzte den Spielraum bereits und senkte den Leitzins Anfang Mai auf das Rekordtief von 0,5 Prozent. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer kritisiert diese Krisenstrategie seit längerem: „Die für Deutschland zu expansive Geldpolitik lässt befürchten, dass die Inflationsraten in den kommenden Jahren dauerhaft über 2 Prozent steigen.“

Inflationsrisiken

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Ausschlaggebend für die stetig sinkende Teuerung ist vor allem die Preisentwicklung bei Mineralölprodukten. Kraftstoffe waren im April 6,0 Prozent billiger als ein Jahr zuvor, leichtes Heizöl verbilligte sich um 7,4 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Preisentwicklung bei Kraftstoffen und leichtem Heizöl hätte die Inflationsrate im April bei 1,7 Prozent gelegen, betonten die Statistiker.

Dämpfend auf die Gesamtteuerung wirkte sich zudem die Abschaffung der Praxisgebühr zum Jahreswechsel aus: Die Preise für die Gesundheitspflege gaben binnen Jahresfrist um 3,8 Prozent nach, ärztliche Dienstleistungen verbilligten sich nahezu um ein Fünftel (19 Prozent). Und: Durch die frühen Ostertage waren Pauschalreisen im April 2013 um 3,3 Prozent günstiger als im April 2012. Binnen Monatsfrist verbilligten sich Pauschalreisen sogar um 20,5 Prozent.

Hingegen zogen die Preise für Nahrungsmittel im Jahresvergleich spürbar um 4,1 Prozent an. Teurer wurden vor allem Obst (+ 7,6 Prozent) und Gemüse (+ 7,1 Prozent), aber auch Fleisch und Fleischwaren (+ 5,4 Prozent).

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

14.05.2013, 13:40 Uhr

"Inflation weiter auf dem Rückzug"

Leute, Leute... was kommt als nächstes? Deutschland hat das günstigste Steuerniveau weltweit? Benzin so billig wie nie?

Ich warte ja jetzt wieder auf Euren ebenso dauernd wiederkehrenden Artikel mit dem Betreff "Beschäftigungsrekord in Deutschland" oder noch besser "Noch nie hatten die Deutschen so viel Geld".

Kommt ja hier fast wie nach Lehr...ähhh ich meine Propagandaplan. Das tut ja weh.

Account gelöscht!

14.05.2013, 14:11 Uhr

Wäre ja nochmal schöner, wenn die ganzen bunten Sachen, die in Bangladesch in explodierenden Fabriken produziert werden, auch noch teuer wären.
(Achtung Sarkasmus!)

Ichbinsdoch

14.05.2013, 14:23 Uhr

Offizielle Inflationsstatistik ist auch nichts anderes als die Arbeitslosenstatistik, oder "die Renten sind sicher" "Niemand hat vor eine Mauer zu bauen" und und und

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