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14.06.2011

10:00 Uhr

Trichet-Nachfolge

Wie Mario Draghi sich als EZB-Chef bewirbt

VonMarietta Kurm-Engels

Der designierte EZB-Präsident Mario Draghi stellt sich heute den EU-Abgeordneten vor. Was sie zu hören bekommen, klingt fast wie aus dem Munde von Jean-Claude Trichet. Seine Ideen hat Draghi bereits schriftlich skizziert.

Designierter EZB-Chef Mario Draghi. Heute stellt er sich den EU-Abgeordneten. Quelle: Reuters

Designierter EZB-Chef Mario Draghi. Heute stellt er sich den EU-Abgeordneten.

Frankfurt Verdeckt man den Namen des Befragten, könnte man meinen, es handele sich um Antworten des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet. Aber weit gefehlt. Befragt wird der Gouverneur der Banca d'Italia und designierte EZB-Präsident Mario Draghi, der im November Trichets Nachfolge antreten soll. Der "Neue" beantwortet vorab schriftlich auf 33 Seiten 39 Fragen der Mitglieder des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europäischen Parlaments. Je nachdem, wie seine Anhörung heute ausfällt, wird der Ausschuss den Daumen entweder heben oder senken. Der Vordruck des Parlaments sieht vorsichtshalber schon einmal beide Möglichkeiten vor.

Welche Hauptziele Draghi während seines achtjährigen Mandats als EZB-Präsident verfolgen will, wollen die Parlamentarier bei der schriftlichen Befragung wissen. Die Antwort klingt wie ein Glaubensbekenntnis. "Ich glaube fest daran, dass drei fundamentale Prinzipien die Handlungen des künftigen EZB-Präsidenten bestimmen werden, wobei das Ziel der Preisstabilität vertraglich festgelegt ist", sagt Draghi. Entscheidend sei das höchstmögliche Maß an Glaubwürdigkeit bei der Verfolgung dieses Ziels. Zweitens müsse die EZB in voller Unabhängigkeit im Interesse des Euro-Raums, der EU und ihrer Bürger handeln. Drittens müsse die EZB in der Einschätzung ihres finanziellen und wirtschaftlichen Umfelds mittelfristig ausgerichtet sein - gepaart mit einem gewissen Maß an Pragmatismus.

Man merkt an Draghis Wortwahl, dass er dem EZB-Rat schon lange angehört - er führt die Banca d'Italia seit Ende 2005. Draghi verfällt bei seinen Antworten immer wieder in das den Ratsmitgliedern vertraute "wir". Nein, er sehe keinen Grund, an der Art und Weise wie "wir" Geldpolitik gemacht haben, irgendetwas zu ändern, erklärt Draghi. Die Inflationserwartungen seien während der Finanzkrise überwiegend stabil geblieben, auch wenn einige Kommentatoren Deflationsszenarien an die Wand gemalt hätten, als die Inflationsrate für einige Monate negativ gewesen sei.

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