Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2005

10:11 Uhr

Trotz Euro-Hoch

Wirtschaft erzielt 2004 Exportrekord

Trotz des starken Euro hat das kräftige Wachstum der Weltwirtschaft Deutschland im abgelaufenen Jahr erneut einen Exportrekord beschert. Deutsche Firmen verkauften Waren im Wert von 731 Mrd. € ins Ausland und damit zehn Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2003, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag auf Basis der Daten von Januar bis November schätzte.

Foto: dpa

Foto: dpa

HB BERLIN. „Es dürfte auch im Jahr 2004 zum Titel des Exportweltmeisters reichen“, sagte Dirk Mohr vom Bundesamt. Volkswirte führten das Rekordergebnis neben dem Boom der Weltwirtschaft auch auf eine höhere Wettbewerbsfähigkeit deutscher Firmen zurück. „Niedrigere Löhne und Inflationsraten haben Deutschland ermöglicht, etwas von der Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, die es in den 90ern verloren hat“, sagte Jürgen Michels von der Citigroup.

Die Importe legten 2004 mit einem Wert von 575,4 Mrd. € um 7,7 % zu - für diese Zunahme war auch der starke Preisanstieg bei Öl und anderen Rohstoffen verantwortlich. Der Ausfuhrüberschuss erreichte mit 155,6 Mrd. € ebenfalls einen Rekordstand, der fast 20 % über dem Niveau des bisherigen Rekords von 2003 lag. „Der Handelsüberschuss dürfte sich 2005 etwas verkleinern, da die heimische Nachfrage nach Investitionsgütern stärker wird und auch der private Konsum in der zweiten Jahreshälfte anziehen dürfte“, sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg.

Die gesamten Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen trugen im vergangenen Jahr mit einem Anstieg von real gut acht Prozent entscheidend zum Wirtschaftswachstum von 1,7 % bei. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass die deutschen Exporteure angesichts einer etwas gemächlicheren Gangart der Weltwirtschaft im laufenden Jahr nicht mehr mit einem so stürmischen Absatzwachstum rechnen können. Als Bremse für die Exporte gilt zudem der starke Euro, der sich nach seiner Rekordjagd von Ende 2004 inzwischen bei Kursen über 1,30 Dollar festgesetzt hat.

Mit der Aufwertung des Euro vergrößerte sich auch der Abstand Deutschlands zum Export-Vize-Weltmeister USA. Allein von Januar bis November habe Deutschland nominal - gemessen am Jahresdurchschnittskurs des Euro von gut 1,24 Dollar - Waren im Wert von rund 830 Mrd. Dollar exportiert, die USA dagegen nur 744 Mrd. Dollar, sagte Mohr. Allerdings führen die USA deutlich mehr Dienstleistungen als Deutschland aus.

Im vergangenen Jahr überlagerte der weltweite Wirtschaftsaufschwung - vor allem in den USA und in China - die dämpfenden Effekte des Euro. „Die treibende Kraft hinter dem guten deutschen Export-Ergebnis ist die starke Nachfrage und die gewachsene Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Euro-Zone“, sagte Michels. In die Euro-Zone exportierte die deutsche Wirtschaft gut zehn Prozent mehr als 2003. Trotz der Euro-Aufwertung legten die Exporte in Länder außerhalb der Europäischen Union (EU) mit einem Zuwachs von 10,4 % am stärksten zu.

Die Ausfuhren in die EU legten insgesamt knapp zehn Prozent auf 468,1 Mrd. € zu. Vor allem die neuen Mitglieder aus Mittel- und Osteuropa hätten einen großen Nachholbedarf an Investitionsgütern, sagte Niklasch. „Das ist eine deutsche Kernkompetenz, daher dürfte die Hersteller von Ausrüstungs- und Investitionsgütern davon profitiert haben.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×