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14.04.2011

15:28 Uhr

Trotz Inflation

Brüderle erwartet mehr Kaufkraft

Bundeswirtschaftsminister Brüderle blickt wagt eine optimistische Prognose. Weil die Wirtschaft stärker wachse als bisher erwartet, hätten die Menschen trotz steigender Inflation deutlich mehr in der Tasche.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) rechnet mit einer positiven Entwicklung des privaten Konsums. Quelle: dapd

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) rechnet mit einer positiven Entwicklung des privaten Konsums.

BerlinDie Bundesregierung erwartet trotz Risiken einen kräftigen Aufschwung in Deutschland, der immer mehr Menschen in Lohn und Brot bringt. In diesem Jahr dürfte die Konjunktur um 2,6 Prozent anziehen und im nächsten Jahr noch einmal um 1,8 Prozent zulegen, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Wachstumsprognose. „Der Aufschwung kommt an“, sagte Bundeswirtschaftminister Rainer Brüderle. Trotz höherer Inflation hätten die Menschen dank kräftig steigender Einkommen deutlich mehr in der Tasche. Die Zahl der Arbeitslosen werde 2011 im Jahresdurchschnitt auf 2,9 Millionen sinken und 2012 weiter auf 2,7 Millionen. In beiden Jahren werde es einen neuen Beschäftigungsrekord geben. 2012 dürften dann 41,1 Millionen Menschen einem Job nachgehen. „So viele Erwerbstätige gab es in Deutschland noch nie“, betonte Brüderle.

Die Regierungsprognose ist eine wichtige Basis für die Steuerschätzung im Mai. Wegen der boomenden Wirtschaft erhöhte Brüderle die Prognose wie zuvor schon viele Forschungsinstitute und internationale Organisationen. Bisher hatte die Regierung für 2011 mit plus 2,3 Prozent gerechnet und ist nun einen Tick weniger optimistisch als die führenden Wirtschaftsinstitute. Sie rechnen in ihrem Frühjahrsgutachten mit einem Wachstum von 2,8 in diesem und 2,0 Prozent im nächsten Jahr. Auch in der Reuters-Quartalsumfrage veranschlagen 22 Ökonomen für 2011 das Plus auf 2,8 Prozent für dieses Jahr. „Wir bleiben beim bewährten Vorsichtsprinzip“, sagte Brüderle dazu.

Als Risiken bezeichnete er die hohen Rohstoffpreise und die noch nicht ausgestandene Schuldenkrise im Euroraum. Die Japan-Katastrophe werde sich kaum auf die deutsche Wirtschaft auswirken. Auch bei einer Ausweitung der Krise seien die Folgen für die heimische Wirtschaft verkraftbar, sagte der FDP-Politiker. In Deutschland gewinne die Inlandsnachfrage immer mehr an Kraft und mache die Wirtschaft so widerstandsfähiger.

Die Binnenwirtschaft werde gleichermaßen von Investitionen und Ausgaben der Verbraucher getragen. „Die fast schon traditionelle deutsche Konsumschwäche ist überwunden“, sagte Brüderle.

Dank der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt dürften die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte in diesem und im nächsten Jahr um je 3,3 Prozent steigen - „so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr.“ Die Verbraucherpreise würden 2011 mit 2,4 Prozent hauptsächlich aufgrund höherer Rohstoffpreise merklich zunehmen. Man müsse Ängste der Menschen ernst nehmen, sagte Brüderle, fügte aber hinzu: „Ich sehe kurzfristig keine akute Inflationsbedrohung.“ Im nächsten Jahr dürfte die Teuerung wieder unter die Marke von zwei Prozent sinken. Im Februar und März lag die Inflationsrate bei 2,1 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren. „Selbst angesichts der höheren Teuerung verbleibt per Saldo in diesem und im nächsten Jahr ein deutliches Kaufkraft-Plus.“ 

Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte bezeichnete Brüderle als klare Priorität der Koalition. „Gerade die Ausgabenseite gehört jetzt auf den Prüfstand, besonders jetzt im Aufschwung.“ Konsolidierung und Entlastungen hingen dabei sehr eng zusammen. Indirekte Steuererhöhungen durch die sogenannte kalte Progression müssten bekämpft werden, sagte Brüderle.

Mit Blick auf die anstehende volle Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai zeigte sich der Minister gelassen. „Deutschland freut sich auf den Brain-Gain.“ Die heimische Wirtschaft brauche Zuwanderung in Qualität. Künftig können Arbeitnehmer aus den meisten osteuropäischen EU-Ländern problemlos einen Job in Deutschland antreten.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

14.04.2011, 18:11 Uhr

Sehr geehrter Herr Brüderle!
Machen Sie doch mal die Augen auf. Sie sind ja blind.

Wer bekommt denn wirklich mehr?
Wenn der Vorstand 5% mehr bekommt, sind das etwa 4.500 EUR brutto, d.h. ca. 2.250 EUR netto monatlich. Der Preistreiber (Sprit) interessiert den Vorstand sowieso nicht; fährt ja einen subventionierten Dienstwagen.

Der Arbeitnehmer mit ca. 1.500 EUR netto, erhält bei einer realistischen Lohnsteigerung von 2,5% etwa 35 EUR im Monat mehr. Dafür kann er einen halben Tank voll Sprit kaufen.

Und bitte, nicht wieder in die Schublade Neiddebatte abtun. Darüber sind wir längst hinaus.

Wer soll denn mehr in der Tasche haben

Account gelöscht!

14.04.2011, 19:12 Uhr

Ein aufschlussreicher Beitrag wie die derzeitigen Jubelmeldungen zustande kommen, kommt von der ARD.

http://www.youtube.com/watch?v=VPQZtd3J3pw

Wer den Beitrag von heute sieht, merkt auf.
Mehr ist dazu nicht zu schreiben, der beitrag spricht für sich.

AUFSCHWUNG- HAU AB!!

Account gelöscht!

15.04.2011, 21:10 Uhr

Ich frage mich immer, ob der "deutsche Aufschwung" wirklich bei den Bürgern ankommt.

Warum:

a) Aus mehr Netto vom Brutto wurde Dank der FDP in der Gesundheitspolitik weniger Netto vom Brutto.

b) die propagierten Lohnabschlüsse von 3% und mehr gibt es außer bei "Besserverdienern" in den Tarifabschlüssen nicht. Aufsichtsräte und Vorstände genehmigen sich natürlich nur großzügigere Entlohnungen - schließlich haben diese Herrschaften auch immer "mehr verdient".

c) das Netto vom Netto (also die Kaufkraft des kleinen Mannes) wird auch dank staatlicher Lebensverteuerung immer weniger. Die zweite Miete (Mietnebenkosten) werden durch Steigerungen von Strom-, Wasser-, Abwasser, Müll- und Grundstücksabgaben immer höher. Die Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers bringt außer Politikern (jedem Tag in einem anderen Luxushotel) und Beratern (auch zu viele für den Staat unterwegs) dem kleinen Mann nicht wirklich etwas.

d) die Güter des täglichen Bedarfs verteuern sich überproportional im Vergleich zur offiziellen Inflationsstatistik. Konkret: während Notebooks, IPhones und Luxusautos immer preiswerter werden, verteuern sich Benzin, Lebensmittel und Alkohol etc. fast im zweistelligen Prozentsatz. Also: der kleine Mann kann weniger Sparen und wird im Alter auf die Hartz IV-Sätze angewiesen sein (eigene Ersparnisse sind nicht mehr vorhanden). Daher "krankt" auch der Konsum in Deutschland.

e) Der Boom der Billig-Löhne in Deutschland. Neben Zeitarbeitsverträge, erfüllen auch Aushilfs-, Teilzeitjobs, sowie befristete Arbeitsverträge die Senkung der "realen Löhne" für den kleinen Arbeiter und Angestellten. Die Anzahl an prekär beschäftigen Mitarbeitern in Deutschland nimmt erheblich zu. Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer und dies ist politisch bei der FDP auch gewollt - sonst würde sie ja eine andere Politik machen.

Dies sind die Fakten: wir haben keine solidarische und gesellschaftlich verantwortliche soziale Marktwirtschaft mehr!

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