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07.03.2014

17:07 Uhr

Trotz Kältewelle

US-Arbeitsmarkt kommt wieder in Schwung

Die Kältewelle in den USA hatte dem Aufschwung am Arbeitsmarkt einen empfindlichen Dämpfer versetzt. Nun scheint die Winterstarre überwunden. Experten schätzen, dass die Fed ihre Geldspritzen weiter drosseln kann.

Die „Charging Bull“-Statue in New York: Der US-Arbeitsmarkt hat die Kältestarre überwunden. Reuters

Die „Charging Bull“-Statue in New York: Der US-Arbeitsmarkt hat die Kältestarre überwunden.

Der US-Arbeitsmarkt löst sich langsam aus der Winterstarre. Im Februar schufen die amerikanischen Firmen 175.000 neue Stellen – deutlich mehr als von Experten erwartet. Analysten werten die am Freitag vorgelegten Daten als Signal, dass die Notenbank Federal Reserve ihre Konjunkturspritzen wie geplant weiter drosseln kann. Als Wermutstropfen erweist sich allerdings die getrennt erhobene Erwerbslosenquote, die leicht auf 6,7 Prozent stieg. Für diese Statistik werden private Haushalte befragt, für die Beschäftigtenzahl hingegen Firmen und Behörden. Eine Kältewelle mit Eis und Schnee hatte zuletzt für eher maue Wirtschaftsdaten gesorgt, etwa beim Konsum und in der Industrie.

"Der Arbeitsmarktbericht zeigt, dass die US-Konjunktur im ersten Halbjahr auf Wachstumskurs bleibt" meint HSBC-Experte Rainer Sartoris. Die Fed könne daher weiter Richtung Normalisierung ihrer Geldpolitik marschieren. Die Märkte reagierten erleichtert auf den unerwartet kräftigen Stellenzuwachs in der größten Volkswirtschaft der Welt: Die US-Börsen eröffneten im Plus. "Das war unglaublich, der Markt liebt es - wir haben definitiv mit etwas Schwächerem gerechnet", sagte Sean McCarthy von Wells Fargo Private Bank. Der Dollar legte zum Euro zu.

In der privaten Wirtschaft wurden zwischen New York und San Francisco im Februar insgesamt 162.000 neue Stellen geschaffen, davon 13.000 in der traditionell wetterabhängigen Baubranche. Trotz der Rotstiftpolitik des unter hohen Schulden ächzenden Staates entstanden auch im öffentlichen Sektor 13.000 Jobs. Dass sich die Arbeitslosenquote leicht erhöht hat, dürfte die Notenbank als Folge des Wetters abhaken: Mehr als 600.000 Amerikaner konnten wegen der widrigen Witterungsumstände nicht zur Arbeit gehen. Eine derart hohe Zahl hat es in einem Februar seit vier Jahren nicht mehr gegeben.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Die neue US-Notenbankchefin Janet Yellen hatte bereits erklärt, dass sie die Reihe schwacher Wirtschaftsdaten eher auf das kalte Winterwetter zurückführt als auf strukturelle Probleme. Laut dem Fed-Führungsmitglied Dennis Lockhart könnten allerdings noch bis zu zwei Monate ins Land gehen, bis darüber Klarheit herrscht. Dennoch sollte die Notenbank ihre bereits begonnene Reduzierung ihrer Anleihen-Käufe fortsetzen, solange es keinen dramatischen Konjunktureinbruch gebe, fügte der Chef der Fed von Atlanta im Gespräch mit Reuters hinzu. Die US-Notenbank kauft derzeit monatlich nur noch für 65 Milliarden Dollar Wertpapiere, um die Wirtschaft anzukurbeln. Sie will die Hilfen noch dieses Jahr auslaufen lassen, wenn sich der Aufschwung ausreichend gefestigt hat.

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