Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.11.2015

11:20 Uhr

Trotz Pariser Anschläge

Konsumfreude lässt Konjunktur-Barometer steigen

Optimismus nach sieben Monaten: Trotz der Anschläge von Paris steigt das Konjunktur-Barometer des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung leicht an. Dafür machen die Experten drei Gründe verantwortlich.

... und zwar genug, um den Optimismus der Analysten anzukurbeln. dpa

Die Deutschen konsumieren

... und zwar genug, um den Optimismus der Analysten anzukurbeln.

Berlin-

Börsenprofis schauen wieder etwas optimistischer auf die deutsche Wirtschaft. Der Index für die Konjunkturerwartungen in den nächsten sechs Monaten stieg im November auf 10,4 Punkte von 1,9 Zählern im Vormonat, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte.

Zuvor war das Barometer sieben Mal in Folge gesunken. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Anstieg auf 6,0 Punkte erwartet. „Der Ausblick für die deutsche Volkswirtschaft hellt sich gegen Ende des Jahres etwas auf", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. „Konjunkturpessimismus aufgrund der Terroranschläge in Paris ist nicht erkennbar.“

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Das ZEW befragte 225 Anleger Analysten. Rund 40 Antworten gingen seit Samstag und damit nach den Anschlägen in Paris ein. Die konjunkturelle Lage in Deutschland bewerteten die Fachleute nicht ganz so optimistisch wie zuletzt.

Dieses Barometer fiel überraschend um 0,8 auf 54,4 Punkte. Hier hatten die Ökonomen 55 Zähler erwartet. Die deutsche Konjunktur profitiere derzeit von der „Konsumfreude der Deutschen", dem niedrigen Euro-Kurs und der anziehenden Erholung der US-Wirtschaft, betonte Fuest.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×