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21.08.2014

04:29 Uhr

Trotz positiver Jobdaten

Fed will sich mit Zinserhöhung Zeit lassen

Die US-Notenbank traut der kräftigen Erholung des US-Arbeitsmarktes scheinbar noch nicht so ganz. Die Zinserhöhung wird deshalb weiter verschoben - man will vorerst die Festigung des Aufschwungs abwarten.

Fed-Chefin Janet Yellen: Die oberste Notenbankerin hat mit der Zinserhöhung keine Eile. ap

Fed-Chefin Janet Yellen: Die oberste Notenbankerin hat mit der Zinserhöhung keine Eile.

WashingtonTrotz der überraschend kräftigen Erholung am US-Arbeitsmarkt sieht die US-Notenbank Fed vorerst keinen Grund für eine Zinserhöhung. Die meisten Führungsmitglieder wollen noch abwarten, bis sich der Aufschwung gefestigt hat, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Protokollen der jüngsten Zinssitzung von Ende Juli hervorgeht. An den Märkten wird erst Mitte nächsten Jahres mit einer Anhebung des historisch niedrigen Zinsniveaus von derzeit null bis 0,25 Prozent gerechnet.

Die Zentralbanker räumten ein, dass die Erholung des Arbeitsmarktes stärker als von ihnen erwartet ausgefallen ist. Durch die Verbesserung sei die Lage nun "spürbar näher an dem Zustand", den die Fed als normal ansehe. Sie ist für mittelfristig stabile Preise und die Förderung von Vollbeschäftigung zuständig.

Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 6,2 Prozent ist dieses Ziel aus Sicht der Fed jedoch noch nicht in greifbarer Nähe. Sie sieht die Ressourcen auf dem Jobmarkt derzeit bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Wie aus den Protokoll hervorgeht, erwarten jedoch viele Notenbanker, dass sich diese Einschätzung "schon bald" ändern dürfte.

Vor der Veröffentlichung der Mitschrift hatten sich die Investoren kaum aus der Deckung gewagt. Die US-Börsen gingen uneinheitlich aus dem Handel. Während die Standardwerte leichte Gewinne verbuchten, kam die Nasdaq nicht vom Fleck.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Die Zinsen beließen die Zentralbanker um Fed-Chefin Janet Yellen gleichwohl auf dem rekordniedrigen Niveau. Allerdings wurde das Wertpapierankaufprogramm zum Ankurbeln der Wirtschaft um zehn auf 25 Milliarden Dollar gekürzt. Im Oktober soll das Programm auslaufen. Erst dann wird die nach der Finanzkrise auf mehr als 4,5 Billionen Dollar aufgeblähte Bilanz der Fed nicht mehr ausgeweitet. Wie aus den Protokollen der jüngsten Fed-Sitzung hervorgeht, wollen die Notenbanker nach dem ersten Zinsschritt dazu übergehen, Einnahmen aus fälligen Anleihen nicht mehr in neue Papiere zu investieren oder zumindest das Volumen zu reduzieren. Dann wird die Bilanz allmählich wieder auf Normalmaß schrumpfen - ein Prozess, der laut Yellen bis zu acht Jahre dauern wird.

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Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Kempf

21.08.2014, 07:52 Uhr

In einem anderen Artikel von heute texten Sie: ..Fed weckt Ängste der Anleger im Dax..Dort schreiben Sie von einer (mögl.) Anhebung bereits im März..ja was denn nun - für jeden etwas? Vielleicht sollten Sie Ihre Zeitung aufteilen..Haben Ihre Redakteure keine Sachkenntnis oder ist das Meinungsvielfalt? Grüße..

Herr Uwe Warschkow

21.08.2014, 08:27 Uhr

Das liegt daran,dass die FED,ja ich würde sagen keine Notenbank der G8 weiß was sie will.Im Grunde wollen alle so weitermachen wie bisher.Die Bank of England,die Bank of Japan,die FED,die EZB,die Bank of China.Alle haben sich an das billige Geld gewöhnt,welches nun schon fast anderthalb Jahrzehnte-mit kleinen Unterbrechungen(05-07)-unser Leben bestimmt.Keiner will den ersten Schritt tun(Zinserhöhungen).Im Gegenteil,erst am Montag forderte Frankreich ein neues QE für Europa.China wollte im letzten Herbst ernst machen und sich der Immobilienblase annehmen,in dem man dem Markt machen lässt,aber kaum wurden die Wirtschaftsdaten schlechter, wurden nun schon insgesamt 7 Schnell- Tender für die Banken aufgelegt.Die Bank of England wollte noch im letzten Herbst im Sommer 14 die Zinsen erhöhen,nun ist der Termin ran und der Mut verpufft.Die FED wollte ab 6,5% AL-Quote tätig werden,es wurde erreicht-nun mussten Ausreden her,warum das nicht geschieht.Warum ist das so?Schauen Sie sich dazu die gigantische Entwicklung der Immobilien-und Aktienmärkte seit 09 an.Dow,Nasdaq,DAX u.a. und die Immobilienpreise der Metropolen liegen weit über den Werten des letzten Hochs aus 07.Aber da hatten wir weltweit einen Leitzins von über 4%-heuter real unter 0.Niemand will die Asset-Blase anstechen.Niemand will für den dann folgenden Absturz verantwortlich sein(die Zinserhöhungen 05-07) gelten für viele Kensianer, als Auslöser der Surprimekrise-Stichwort variabler Zins).Jeder hofft,ein anderer findet den Mut und macht den ersten Schritt tun.Und so werden die Märkte weiter mit billigem Geld geflutet.Es ist ja heute schon so,das schlechte Wirtschaftsdaten von den Börsen gefeiert werden.Das sehen Sie,wenn die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten(jeden Do. 14.30 MEZ) in den USA schlechter ausfallen,als erwartet-dann steigen Dow und Nasdaq,weil man hofft,die FED lasse sich mit dem Ausstieg- von der Politik des billigen Geldes- noch Zeit.

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