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04.11.2014

09:52 Uhr

Trotz Sanktionen

Deutsche Exporte in den Iran brummen wieder

Der Handel mit dem Iran legt kräftig zu. Die Ausfuhren stiegen bis August um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Geschäfte mit dem Iran sind aber auf absehbare Zeit stark von der Politik abhängig.

Deutsche Ausfuhren in den Iran stiegen von Januar bis August um 32,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 1,6 Milliarden Euro. dpa

Deutsche Ausfuhren in den Iran stiegen von Januar bis August um 32,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 1,6 Milliarden Euro.

BerlinWährend die deutschen Exporte nach Russland immer stärker einbrechen, legt der Handel mit dem Iran wieder zu – obwohl Teheran ebenfalls mit Sanktionen belegt ist. Die Ausfuhren hierhin stiegen von Januar bis August um 32,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 1,6 Milliarden Euro, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, die Reuters vorliegen.

Noch 2013 waren die Exporte in die Islamische Republik um fast 26 Prozent abgestürzt, 2012 und 2011 um jeweils mehr als 18 Prozent. Grund dafür waren die Sanktionen im Atomstreit: Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms Kernwaffen zu entwickeln.

Die Kernpunkte der Genfer Iran-Vereinbarung

Uran-Vorrat

Der Iran verpflichtet sich, den gesamten Vorrat des auf bis zu 20 Prozent angereicherten Urans - genannt wurden 196 Kilogramm - unter eine Schwelle von fünf Prozent abzuschwächen oder so zu verändern, dass er nicht mehr angereichert werden kann.

Schwerwasserreaktor

Der Schwerwasserreaktor Arak, in dem als Nebenprodukt Plutonium anfallen könnte, darf nicht in Betrieb genommen werden.

Zentrifugen

Der Iran darf keine weiteren, neuen Zentrifugen produzieren.

Urananreicherung

Der Iran soll die Urananreicherung in den Anlagen Natans und Fordo limitieren.

Öl-Einnahmen

Im Gegenzug erhält das Land eingefrorene Öl-Einnahmen in Höhe von ungefähr drei Milliarden Euro, die schrittweise freigegeben werden.

Banksanktionen

Teile der Banksanktionen für Einfuhr, insbesondere von Medikamenten und Nahrungsmitteln, werden aufgehoben.

Versicherungen

Sanktionen bezüglich Versicherungen für die Wirtschaft, auch von Öltankern, werden aufgehoben.

Handel und Import

Der Iran kann wieder Ersatzteile für Flugzeuge kaufen, mit Gold handeln sowie Kraftfahrzeuge und Ersatzteile importieren.

Petrochemische Industrie

Sanktion in der petrochemischen Industrie werden aufgehoben.

„Die Sanktionen sind zu Jahresbeginn gelockert worden“, sagte Außenwirtschaftsexperte Jens Nagel vom Exportverband BGA am Dienstag. „Diese relativ kleinen Schritte haben einen großen Hebel in Bewegung gesetzt.“ Teheran hatte die Anreicherung von Uran gedrosselt und damit das vorläufige Atomabkommen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland in Kraft gesetzt. Europäische Schiffe dürfen seither zumindest teilweise wieder iranisches Öl transportieren, erklärte Nagel. Auch Geldtransfers seien etwas erleichtert worden.

Das könnten die Vorstufen zu einer völligen Aufhebung der Sanktionen sein. Ende November verhandelt der Iran mit der sogenannten Sechser-Gruppe – Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, China und Russland – über ein umfangreiches Abkommen zur Lösung ihres seit Jahren anhaltenden Atomstreits. Kommt es zustande, dürfte der Handel weiter erleichtert werden.

„Deutschland ist traditionell der wichtigste Handelspartner des Iran in Europa. Von einer Entspannung könnte die deutsche Wirtschaft besonders profitieren“, so Nagel. Gefragt seien vor allem Maschinen, aber auch Fahrzeuge und Chemikalien „Made in Germany“. Umgekehrt liefert der Iran vor allem Energie, Rohstoffe und Agrarprodukte.

„Das Land besitzt eine konsumfreudige Mittelschicht, viele sehr gut ausgebildete Fachleute und jede Menge Bodenschätze“, ergänzte der BGA-Experte. „Der Iran ist seit Jahrzehnten vom Welthandel isoliert. Er hat deshalb einen hohen Nachholbedarf an Investitionen, etwa in die Infrastruktur, in Industrieanlagen und die Ölindustrie.“

Der Handel mit dem Iran bleibe aber auf absehbare Zeit von der politischen Entwicklung abhängig. Schwierig sei vor allem, den Zahlungen abzuwickeln. „Banken drohen bei Verstößen gegen die Sanktionen harte US-Strafen“, sagte Nagel.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr der Ringe

04.11.2014, 10:19 Uhr

>> Während die deutschen Exporte nach Russland immer stärker einbrechen >>

Die Sanktionen gegen Russland haben in Deutschland bereits 50.000 Arbeitsplätze gekostet und einen Rückgang des Handelsvolumens um 60 Mrd € verursacht.

Murksel sei Dank !

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