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31.05.2012

17:35 Uhr

Trübe Aussichten

Die Weltwirtschaft balanciert am Abgrund

VonJan Mallien

Die Euro-Krise spitzt sich dramatisch zu und nun straucheln auch die USA und China. Damit stirbt die Hoffnung der deutschen Exporteure auf eine kräftige Erholung der Weltwirtschaft. Die Zeichen stehen auf Mini-Wachstum.

Hohe Risiken schwächen das US-Wachstum. Getty Images

Hohe Risiken schwächen das US-Wachstum.

DüsseldorfInnerhalb weniger Wochen hat sich die Euro-Krise dramatisch zugespitzt. Spanische Banken stehen vor der Pleite, die Rezession in den Südländern der Eurozone ist schlimmer als befürchtet und ein Euro-Austritt Griechenlands wird immer wahrscheinlicher. Ausgerechnet in dieser kritischen Phase trüben sich auch die Aussichten für andere wichtige Volkswirtschaften ein, die bislang die Schwäche Europas kompensiert haben. Vor allem die Bric-Länder, Brasilien, Russland, Indien und China, sind kräftig gewachsen. Doch nun straucheln auch sie.

Der Einkaufsmanagerindex für Chinas Industrie notierte im Mai nur noch knapp über der Schwelle, die Wachstum signalisiert. In den vergangenen Quartalen ist das Wachstum Chinas kontinuierlich gefallen. Zwar liegt es immer noch bei etwa acht Prozent, doch manche Experten fürchten bereits eine harte Landung in China. Sollte das Wachstum unter die 6-Prozent-Marke fallen, könnte dies eine Dynamik nach unten auslösen, argumentieren sie. Drastisch fallende Immobilienpreise und möglicherweise sogar eine Rezession wären die Folge.

Die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft

Deutschland in der Wirtschaftskrise

Aus dem Schneider ist Europas größte Volkswirtschaft noch nicht, auch wenn sie mit einem kräftigen Wachstum im ersten Quartal eine Rezession verhindern konnte. Im Gegenteil: Die Risiken ballen sich wie selten zuvor - vor allem von außen droht jede Menge Ungemach.

Schuldenkrise

„Das größte Abwärtsrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland geht nach wie vor von der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum aus, die im Kern noch nicht gelöst ist“, warnen führende Institute in ihrem Gutachten für die Bundesregierung. Schon jetzt lastet die Krise auf der exportabhängigen Wirtschaft: Die Ausfuhren in die Euro-Zone schrumpften im März um 3,6 Prozent, weil Krisenländer wie Spanien und Griechenland wegen der Rezession ihre Importe einschränken. Da 40 Prozent der Ausfuhren in die Währungsunion gehen, spürt Deutschland die Schwäche der Nachbarn deutlich.

Jede Zuspitzung der Schuldenkrise sorgt für Wirbel an den Finanzmärkten. Kann sich ein großes Euro-Land wie Spanien nicht mehr am Kapitalmarkt finanzieren und flüchtet unter die Rettungsschirme EFSF und ESM, würde das einen erneuten Vertrauensverlust auslösen. Unternehmen würden weniger investieren, Verbraucher größere Anschaffungen scheuen. Der Bund ist mit der Beteiligung an den Rettungspaketen enorme Risiken eingegangen. „Im Zuge der Rettungspakete summieren sich die Zusagen auf rund 80 Milliarden Euro“, so die Institute.

Kann etwa Griechenland das Geld nicht zurückzahlen, belastet das den deutschen Staatshaushalt. Eine Herabstufung durch die Ratingagenturen droht dann, was höhere Zinsen zur Folge hätte. Der Spardruck würde steigen, Hauhaltslöcher müssten mit höheren Steuern und Ausgabenkürzungen gestopft werden. Beides würde die Konjunktur belasten.

Inflation

Seit mehr als einem Jahr hält sich die Teuerungsrate in Deutschland über der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht. Manche Experten befürchten, dass die Preise künftig deutlich schneller steigen könnten - um vier bis fünf Prozent. Das würde die Kaufkraft der Verbraucher erheblich einschränken.

Grund für die Inflationsgefahr: Wegen der guten Konjunktur haben die Arbeitnehmer kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt. Den Unternehmen fällt es angesichts der guten Beschäftigungslage leichter, steigende Lohnkosten an die Verbraucher weiterzureichen - sprich: die Preise für Waren und Dienstleistungen anzuheben. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln. Bei ersten Anzeichen dafür müsste die EZB ihre Zinsen anheben, um Konsum und Investitionen zu drosseln, was die Nachfrage dämpfen und den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird sie ihren Leitzins aber vorerst wohl auf dem Rekordtief von einem Prozent belassen.

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der EZB aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. „Noch bleibt die zusätzliche Liquidität erst einmal im Finanzsektor“, sagt Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. „Doch wenn die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal steigt, kann das sehr schnell in Inflation münden.“

Immobilienblase

Die Preise für deutsche Wohnimmobilien steigen immer schneller. 2011 legten sie mit 5,5 Prozent mehr als doppelt so stark zu wie 2010 mit 2,5 Prozent. „Erstmals seit dem Wiedervereinigungsboom Anfang der neunziger Jahre ist hierzulande somit ein konjunktureller Aufschwung wieder mit einer markanten Preisreaktion auf den Häusermärkten verbunden“, stellt die Bundesbank fest. Niedrige Bauzinsen und die Angst vor Inflation verlocken immer mehr Deutsche dazu, in Immobilien zu investieren. „Wenn das jahrelang so weitergeht mit den extrem niedrigen Zinsen, besteht das Risiko einer Immobilienpreisblase in Deutschland“, warnt der Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide. Die hat es in Spanien gegeben, ihr Platzen hat eine schwere Rezession ausgelöst. „So etwas ist für Deutschland auch nicht ausgeschlossen“, sagt Scheide.

China

China wird nach Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in diesem Jahr zum zweitwichtigsten Kunden der deutschen Exportwirtschaft aufsteigen - nach Frankreich, aber noch vor den USA. Für viele Unternehmen ist die Volksrepublik schon jetzt der wichtigste Absatzmarkt, beispielsweise für die Autobauer Volkswagen, Audi und Porsche. Bekommt China einen Husten, wird auch die deutsche Wirtschaft krank. Erste Warnsignale gibt es bereits: Die chinesischen Importe stagnierten im April. „Das ist Besorgnis erregend“, sagte Ökonom Alistair Thornton von IHS Global Insight in Peking. „Das deutet auf eine echte Schwäche der Binnenwirtschaft hin.“ Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge in diesem Jahr um 8,2 Prozent wachsen. Das wäre das kleinste Plus seit einem Jahrzehnt. Die hohen Schulden der Kommunen, eine Immobilienblase und eine anziehende Inflation könnten das Wachstum aber noch kleiner ausfallen lassen.

Damit dies nicht eintritt hoffen die Märkte auf die chinesischen Regierung: Sie soll die Konjunktur stützen, indem sie zum Beispiel die Mindestreserveanforderungen für die Banken senkt und in Infrastruktur investiert. Dagegen spricht allerdings die extrem hohe Investitionsquote in China von etwa 50 Prozent. "Dieses Niveau ist auf Dauer nicht haltbar," sagt Stefan Schneider, Leiter der Abteilung Makroökonomie bei der Deutschen Bank Research.

Erklärtes Ziel der chinesischen Regierung ist es, die Investitionsquote zu senken. Staatliche Konjunkturmaßnahmen würden diesem Ziel eigentlich entgegenstehen.

Kommentare (33)

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Account gelöscht!

01.06.2012, 17:43 Uhr

Zeigt doch endlich EIN EINZIGES MAL öffentlich oder im TV, wie die USA Geld gedruckt haben seit 2008 und wie davor...diese Statistik sollte jeder Bürger dieser Welt sehen...spätestens DANN ist VIELLEICHT dem grössten Deppen klar, worauf wir zusteuern.

Euro und Co. sehen da eher wie ein Witz aus... sind ja auch nichts anderes eigentlich.

Account gelöscht!

01.06.2012, 18:00 Uhr

Man sollte in einer gesättigten Welt ohne quantitatives Wachstum in Größenordnungen beginnen realistische Alternativen zu erarbeiten, wie eine selbstregulierende Wirtschaft trotzdem funktionieren kann. Diese Panikmache der Wachstumszwangsneurotiker ist das eigentliche Problem.

Der Mensch -der einzelne, wie auch die gesellschaft- braucht wenn er die Pubertät beendet hat, nämlich vor allem regelmäßig Nahrung, Schutz vor den Widrigkeiten des Wetters, geundheitliche Versorgung und Freiraum um sein nichtkörperliches Wachstumspotential zu entfalten. Wieso sind Anabolika im Sport verboten aber die gesamte Wirtschaft wird von Drogendealern und derem Weltbild bestimmt?

Ohweiohweiohwei

01.06.2012, 18:04 Uhr

Die Währung "Euro" ist sicher (hat 50% seiner Kaufkraft verloren) und die Währung "Gold" ist lt. Handelsblatt unsicher (hat sich in den letzten Jahren verachtfacht). Man muß immer nur das Gegeteil glauben um richtig zu liegen dann ist alles nur halb so schlimm und man kann ruhig schlafen;-)

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