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06.11.2012

13:04 Uhr

Trüber Ausblick

Deutsche Industrie mit stärksten Auftragsrückgang seit einem Jahr

ExklusivEuro-Krise und schwache Weltwirtschaft setzen der deutschen Industrie zu. Die Aufträge im September sind deutlich zurückgegangen. Für 2013 rechnen die Wirtschaftsweisen nur mit einem Mini-Wachstum.

Ein Arbeiter auf einem Baugerüst. dapd

Ein Arbeiter auf einem Baugerüst.

DüsseldorfDie deutsche Industrie kämpft mit dem stärksten Auftragsrückgang seit einem Jahr. Im September erhielten die Industrieunternehmen 3,3 Prozent weniger Aufträge als im Vormonat, wie das Wirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin mitteilte. „Das schwache wirtschaftliche Umfeld des Euroraums, aber auch der übrigen Weltwirtschaft schlägt sich mittlerweile deutlicher als im ersten Halbjahr bei der Nachfrage nach deutschen industriellen Erzeugnissen nieder“, hieß es. Die Nachfrage aus dem Ausland war mit minus 4,5 Prozent besonders stark rückläufig, aus dem Euroraum kamen sogar 9,6 Prozent weniger Aufträge.

Trübe Aussichten nicht nur für die deutsche Industrie: Auch der Sachverständigenrat zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist mit seinen Konjunkturerwartungen für Deutschland noch vorsichtiger als die Bundesregierung. Für kommendes Jahr erwarten die „fünf Weisen“ lediglich 0,8 Prozent reales Wachstum, genauso viel wie dieses Jahr. Dies berichtet das Handelsblatt in seiner Mittwochausgabe.

Am Mittwoch wollen die Wirtschaftsweisen ihr Jahresgutachten mit dem Titel „Stabile Architektur für Europa – Handlungsbedarf im Inland“ vorstellen. Die Bundesregierung rechnet für 2013 mit einem Prozent Wachstum.

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

Zuletzt fielen die Frühindikatoren für Deutschland sehr unterschiedlich aus. Es gibt einen deutlichen Gegensatz zwischen der Lage an den Finanzmärkten und der Einschätzung der Unternehmen. Der ZEW-Index über die Erwartungen der Finanzexperten ist zuletzt gestiegen. Die im ifo-Index erfassten Erwartungen der Unternehmen sanken hingegen im Oktober zum sechsten Mal in Folge. Auch der Einkaufsmanagerindex verschlechterte sich.

Ökonomen rechnen vor allem für das Winterhalbjahr mit einer schwachen Entwicklung. Im Frühjahr 2013 soll die Wirtschaft hingegen wieder etwas Fahrt aufnehmen.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

06.11.2012, 11:38 Uhr

Die "Weisen" haben noch nie eine richtige Prognose abgegeben.
Die bemerken eine Rezession auch dann nicht, wenn man sich schon darin befindet.
Die Prognose für das nächste Jahr kann man deswegen auch vergessen.

MGK

06.11.2012, 11:58 Uhr

Auch wenn man kein Professor ist, erkennt man, dass der Trend "seitwärts" geht. ob 0,8 oder 1,0 macht nicht viel unterschied. Aus meiner täglichen Erfahrung kann ich nur sagen, das Investitionen sehr vorsichtig getätigt werden.
Und dann auch nur, um das nötigste abzuarbeiten.
Investitionen "in die Zukunft" (Anpassung der Geschäftsmodelle, Komponenten basierte Produkte, innovative Maschinenparks, etc.) werden "auf später" verschoben. "Wenn es wieder berechenbarer ist." Wann dies der Fall sein wird, kann heute aber niemand abschätzen. Also wird nichts gemacht.
Wo soll also das Wachstum herkommen ?
Momentan haben wir nicht das passende Umfeld (Stichwort: Berechenbarkeit). Also wird das Geld zusammengehalten. Somit werden auch zukunftsfähige Produkte nicht in Angriff genommen bzw. zur marktreife gebracht.
Wo soll dann bitte das künftige Wachstum herkommen ?
Oder auch die benötigte Produktivität, um den demographischen Tatsachen Rechnung zu tragen ?
Trübe Aussichten - nicht nur für 2013...
Wann bitte wachen wir endlich auf und bringen unsere "PS auf die Strasse..."?
Noch haben wir das passende Know-How. Noch...

Account gelöscht!

06.11.2012, 12:01 Uhr

Ich promoviere im Fach Volkswirtschaft und finde es ein Unding, dass solche Prognosen in der Presse gehör finden. Man schaue sich doch mal bitte die "Prognose-historie" an... da kann man auch gleich in eine Glaskugel schauen.

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