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16.06.2014

15:45 Uhr

Türkische Zentralbank

Notenbankchef offen für baldige Zinssenkung

Türkeis Ministerpräsident Erdogan wirft der türkischen Notenbank vor, die Inflation mit ihrer Geldpolitik anzuheizen. Jetzt signalisiert sie Bereitschaft zu einer von der Regierung geforderte Zinssenkung.

Die türkische Zentralbank in Ankara. Erdogan bezeichnete die jüngste Zinssenkung als „Witz“. Reuters

Die türkische Zentralbank in Ankara. Erdogan bezeichnete die jüngste Zinssenkung als „Witz“.

KonyaDie türkische Zentralbank hat Bereitschaft zu einer seit Wochen von der Regierung geforderten Zinssenkung signalisiert. Eine geldpolitische Lockerung könne bereits auf der nächsten Sitzung der Notenbank nächste Woche auf die Agenda kommen, sagte Zentralbankchef Erdem Basci am Montag. Die Märkte hätten einen „vorsichtigen, maßvollen und schrittweisen Zinssenkungsprozess“ in den Kursen schon vorweggenommen.

Ob es am 24. Juni bereits zu einer Senkung kommt, hängt laut Basci von der Einschätzung der Inflationsrate ab. Sollten die Zentralbanker mit einem Rückgang rechnen, sei eine Senkung möglich. „Wir müssen das aber nicht tun“, sagte Basci. Zugleich betonte er, die Zentralbank handle nicht unter dem Einfluss oder gar auf Geheiß der Politik.

Das Ende der Eurokrise?

Was bedeutet der Schritt Lissabons für die Eurozone?

Es ist ein Indiz, dass sich die Finanzlage im gemeinsamen Währungsgebiet erheblich beruhigt hat. Länder im Süden des Kontinents können sich zur Zeit zu sehr günstigen Konditionen an den Finanzmärkten Geld leihen.

Lissabon will keine Übergangshilfen mehr. Ist das realistisch?

Ja. Die EU-Kommission, die in der Troika vertreten ist, unterstützt den Beschluss für einen „sauberen Ausstieg“ ausdrücklich. „Das sorgt für eine bessere Stimmung und Vertrauen von (Finanz-)Investoren“, lautet die Devise des verantwortlichen EU-Vize-Kommissionspräsidenten Siim Kallas.

Das Vertrauen kehrt also in die Eurozone zurück?

Ja. Aber dies hat vor allem zwei Gründe. Da ist zunächst die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbank versprach, den Euro um jeden Preis zu retten. EZB-Patron Mario Draghi ist auch bereit, gegen die niedrige Inflation sowie gegen die Deflation zu kämpfen. Deflation ist ein umfassender Preisverfall, der die Konjunktur ausbremsen kann.

Was ist der andere Grund?

Angesichts von Turbulenzen bei aufstrebenden Wirtschaftsriesen in Asien oder Südamerika gilt Europa wieder als ein „sicherer Hafen“ für Anleger. Aus Russland gibt es wegen der Annexion der Krim einen bedeutenden Kapitalabfluss. Nach Moskauer Schätzungen waren es allein im ersten Vierteljahr rund 50 Milliarden Euro. Von internationalen Kapitalströmen profitiert auch der krisengeschüttelte europäische Süden.

Wie ist die Lage in Griechenland?

Griechenland hat die schwere Rezession überwunden und wird wieder wachsen. Das soll auch dem angespannten Arbeitsmarkt zugutekommen. Jeder Vierte ist dort ohne Job. Athen erzielte 2013 erstmals seit langem einen Haushaltsüberschuss - ausgeblendet sind dabei jedoch der Schuldendienst und Kapitalspritzen an Banken.

Braucht Athen ein neues Rettungspaket?

Die griechische Koalitionsregierung ist dagegen. Finanzminister Ioannis Stournaras strebt aber an, Zahlungsfristen für die Hilfskredite weiter zu strecken, um dem Land Luft zu verschaffen. Entscheidungen der Eurogruppe wird es voraussichtlich erst im Herbst geben. Ende des Jahres läuft das Griechenland-Programm von europäischer Seite aus.

Wie sieht es in Zypern aus?
Viele wollen das Kapitel „Eurokrise“ abschließen. Ist das gerechtfertigt?

Nein. Es sind nach dem Willen der Brüsseler Währungshüter weitere Reformen in vielen Ländern der Eurozone nötig, um die Erholung dauerhaft abzusichern. Nach der Krise steigen die Schuldenberge der 18 Euro-Mitgliedstaaten im laufenden Jahr sogar weiter an - um einem Punkt auf 96 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Griechenland wächst beispielsweise der staatliche Schuldenberg um zwei Punkte auf 177 Prozent. Erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Für Entwarnung ist es also viel zu früh, sagen die Experten.

Ministerpräsident Recip Tayyip Erdogan dringt auf eine baldige Zinssenkung und wirft der Notenbank vor, mit ihrer Geldpolitik heize sie die Inflation an. Die jüngste Zinssenkung hatte er als „Witz“ bezeichnet. Die formal unabhängige Notenbank hatte im Mai erstmals seit einem Jahr überraschend die Zinszügel gelockert. Trotz der anhaltend hohen Inflation senkten die Zentralbanker den Zins von 10,0 auf 9,5 Prozent und begründeten dies mit „abnehmender Unsicherheit“.

Von

rtr

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