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12.04.2006

12:35 Uhr

Überladen mit Schulden

IWF warnt vor Kreditrisiken

VonDirk Heilmann

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor Fehlentwicklungen auf dem Markt für Firmenkredite. Vor allem Finanzinvestoren wie Private-Equity-Fonds neigten dazu, gekaufte Unternehmen immer stärker mit Schulden zu beladen, heißt es im aktuellen Bericht des IWF zur Stabilität der globalen Finanzmärkte.

LONDON. In diesem Bereich sehe er das größte Einzelrisiko, sagte Gerd Häusler, Direktor der Kapitalmarkt-Abteilung des IWF, am Dienstag in London. Insgesamt befänden sich die internationalen Märkte jedoch kurzfristig in einer sehr stabilen Verfassung.

Die Unternehmen hätten in den Jahren seit dem Börsencrash 2001 ihre Bilanzen in Ordnung gebracht und Schulden abgebaut, lobt der Bericht. Doch nun erhöhten sie wieder die Verschuldung, teilweise um Geld an die Aktionäre auszuschütten. Besonders gravierend sei dies bei Leveraged Buyouts, bei denen Private-Equity-Fonds den Kauf von Unternehmen zum immer größeren Teil mit Krediten finanzierten. Problematisch sei insbesondere, dass sie diese Kredite immer öfter nutzten, um ihren eigenen Kapitaleinsatz schnell per Dividende zurückzuholen. Diese Vorgehensweise wird auch in der Private-Equity-Branche von vielen kritisiert. Solche Transaktionen verschlechtern die Kreditwürdigkeit von Unternehmen rapide, ohne dass Gläubiger dafür Vorsorge treffen können.

Wenn sich der Kreditzyklus drehe – und dafür gibt es laut IWF einige Anzeichen – drohten überschuldete Firmen in die Krise zu rutschen. Gefährdet seien auch Branchen mit Überkapazitäten wie Autohersteller und Fluggesellschaften. Häusler wies darauf hin, dass die Inflationsraten und damit die Zinsen, zum Beispiel wegen der Ölpreise, schneller steigen könnten als derzeit von den Märkten erwartet. Auch die Markterwartungen an die Entwicklung der Unternehmensgewinne seien sehr hoch.

Unerwartet rasche Zinssteigerungen würden laut Häusler auch den Immobilienmarkt, vor allem in den USA, belasten. Das schade wiederum dem privaten Konsum.

Als kurzfristig gering schätzt er das Risiko durch das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA und die damit einhergehenden Ungleichgewichte ein. Die USA hätten ein starkes Wachstumspotenzial und hoch entwickelte und liquide Kapitalmärkte. Das Hauptrisiko sei, dass das Defizit eine protektionistische Politik auslöse, die ausländische Anleger aus dem Dollar treibe. Eine große Gefahr – mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit – sei zudem eine Vogelgrippe-Pandemie. Doch insgesamt sei der Ausblick, was die Stabilität der Finanzmärkte anbelange, „so gut, wie es nur geht“, sagte Häusler.

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