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23.06.2015

12:37 Uhr

Umfrage des Markit-Instituts

Griechenland kann Euro-Konjunktur nicht schocken

Die Konjunktur in der Euro-Zone nimmt Fahrt auf. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft steigt. Trotz der Schuldenkrise Griechenlands verzeichnet die Euro-Zone das stärkste Wachstum seit vier Jahren.

Die Konjunktur in der Euro-Zone kommt in Schwung – der Krise in Griechenland zum Trotz. dpa

Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Die Konjunktur in der Euro-Zone kommt in Schwung – der Krise in Griechenland zum Trotz.

BerlinInmitten des griechischen Schuldendramas kommt die Konjunktur in der Euro-Zone in Schwung. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft kletterte im Juni um 0,5 auf 54,1 Punkte, gab das Markit-Institut am Dienstag unter Berufung auf seine Umfrage unter rund 4000 Firmen bekannt.

„Trotz der Schuldenkrise Griechenlands verzeichnete die Euro-Zone damit das stärkste Wirtschaftswachstum seit vier Jahren“, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Besonders in südlichen Ländern wie Spanien und Italien geht es derzeit bergauf, aber auch in den beiden größten Euro-Staaten Deutschland und Frankreich.

Allerdings sei der Aufschwung noch längst nicht in trockenen Tüchern, warnte das Markit-Institut. „Schon jetzt hat die zunehmende Verunsicherung infolge der eskalierenden Krise ihre Spuren beim Stellenaufbau hinterlassen“, sagte Williamson. Auch die Aufträge wuchsen langsamer, zugleich beurteilten die Dienstleister ihre Geschäftsaussichten weniger optimistisch.

Deutsche Konjunktur 2014

Deutsche Wirtschaft trotzt der Katerstimmung

Die deutsche Wirtschaft hat trotz vieler internationaler Krisen 2014 das stärkste Wachstum seit drei Jahren geschafft. Vor allem die Konsumenten sorgten mit ihren Ausgaben für Schwung, aber auch die Firmen wagten wieder mehr Investitionen und exportierten auch spürbar mehr. Im Folgenden eine Übersicht, wie die Konjunktur im Einzelnen lief:

Wirtschaftsleistung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt als bestes Maß, um die Leistung einer Volkswirtschaft zu messen. Es ist die Summe der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen. Im vorigen Jahr lag sie bei 2,9 Billionen Euro. Inflationsbereinigt entspricht dies einem Anstieg von 1,5 Prozent zum Vorjahr. Damit kletterte die Wirtschaftskraft rund doppelt so stark wie in der gesamten Euro-Zone, wie der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, sagte.

Treiber der Wirtschaftsentwicklung

Impulse kamen vor allem vom Produzierenden Gewerbe, den Dienstleistern und der Baubranche. Bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern hingegen sackte die Wirtschaftskraft um rund 0,5 Prozent ab. Entscheidender Wachstumsmotor waren die Verbraucher. Sie gaben - dank guter Arbeitsmarktlage, geringer Inflation und niedriger Zinsen - 1,1 Prozent mehr aus als 2013. Damit kurbelte der private Konsum die gesamte Wirtschaft kräftig an. Auch die Investitionen zogen spürbar an. Die Unternehmen gaben für Maschinen, Geräte und Fahrzeuge 3,7 Prozent mehr aus.

Investitionen

Die sogenannte Investitionsquote - also der Anteil von Investitionen am BIP - lag 2014 bei 20 Prozent und verbesserte sich damit kaum. Deutschland steht international in der Kritik, sich mit öffentlichen Investitionen zurückzuhalten.

Arbeitsmarkt

Die Zahl der Beschäftigten kletterte auf 42,7 Millionen und erreichte das achte Jahr in Folge einen neuen Höchststand. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Jahresschnitt um 52.000 auf 2,9 Millionen. Dies ist der niedrigste Stand seit 1991.

Einkommen

Das Volkseinkommen - zusammengesetzt aus Arbeitnehmerentgelt und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen - stieg insgesamt um 3,6 Prozent auf knapp 2,2 Billionen Euro. Dabei kletterten die Arbeitnehmerbezüge einerseits und die Firmen- und Vermögenseinkommen andererseits fast gleich stark. Die Nettolöhne und -gehälter stiegen insgesamt um 2,4 Prozent und damit etwas weniger als die Bruttolöhne.

Lohnstückkosten

Da die durchschnittlichen Löhne und Gehälter 2014 stärker stiegen als die Arbeitsproduktivität, kletterten die Lohnstückkosten der Unternehmen. Für die Wirtschaft ist dies eine wichtige Kennziffer im internationalen Wettbewerb. Die Lohnstückkosten erhöhten sich um knapp zwei Prozent und damit weniger als in den beiden Vorjahren.

Finanzen

Der deutsche Staat hat 2014 das dritte Jahr in Folge schwarze Zahlen geschrieben. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 11,9 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Die Summe entspricht einem Überschuss von 0,4 Prozent des BIP. "Seit der deutschen Vereinigung hat es nur im Jahr 2000 einen höheren Überschuss gegeben", sagte Statistikamt-Chef Egeler. Nur die Länder hätten noch ein Defizit verzeichnet.

Das sei ebenfalls auf die Verunsicherung der Unternehmen durch die Schuldenkrise in Griechenland zurückzuführen. Diese könnte zu einer Staatspleite und einem Euro-Abschied des Landes führen.

„Für das ordentliche Wachstum im Euro-Raum dürften in erster Linie der schwache Euro und der merkliche Rückgang der Energiepreise verantwortlich sein“, sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. „Beide Effekte zusammen kompensieren offensichtlich weiterhin die schwächere Nachfrage aus den Schwellenländern.“

China etwa dürfte in diesem Jahr so langsam wachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, während Russland in der Rezession steckt. Zugleich jedoch sparen Unternehmen wie Verbraucher Milliarden an Energiekosten, während der schwache Euro die Exporte nach Übersee stimuliert.

Die Erholung der deutschen Wirtschaft hat sich merklich beschleunigt. Das Barometer für die Privatwirtschaft kletterte im Juni um 1,4 auf 54,0 Punkte. Die Firmen fuhren zwar ihre Produktion hoch, die Neuaufträge stiegen aber langsamer als zuletzt. Das deute darauf hin, „dass sich die Konjunktur in den nächsten Monaten wieder abkühlen könnte“, sagte Markit-Ökonom Oliver Kolodseike.

Von

rtr

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