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22.06.2012

14:10 Uhr

Umfrage

Deutschland ist attraktivster Standort in Europa

Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ist das Ansehen des Standorts Deutschland 2011 weltweit gestiegen. Als Grund wurde unter anderem die gute Ausbildung der Arbeitskräfte genannt.

Deutschland genießt international ein hohes Ansehen. dapd

Deutschland genießt international ein hohes Ansehen.

BerlinDeutschland ist Europameister - zumindest im Wettbewerb um den attraktivsten Standort für Investoren. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag veröffentlichte Studie der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young, die auf einer Umfrage unter Managern von 840 internationalen Unternehmen beruht. „Die Schuldenkrise in Europa kann dem Ansehen Deutschlands offenbar bislang nicht schaden - im Gegenteil: Der Standort Deutschland wird durchweg besser beurteilt als im Vorjahr“, hieß es darin. „Und 60 Prozent der Manager erwarten, dass die Attraktivität Deutschlands weiter zunehmen wird.“

Wie Deutschland für den Abschwung gerüstet ist

Staatshaushalt

Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit seinem Staatshaushalt gut da. Auf Pump finanzierte Konjunkturprogramme lehnt die Bundesregierung ab. Nach dem aktuellen deutschen EU-Stabilitätsprogramm kommt der Gesamtstaat aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen schon in zwei Jahren ohne neue Schulden am Finanzmarkt aus. Schon 2011 hatte das Defizit nur noch bei einem Prozent gelegen. Auch strukturell - also unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur - schließt sich die Lücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben.
Damit einher geht, dass der in Jahrzehnten angehäufte Schuldenberg allmählich an Bedeutung verliert: Die Schuldenstandsquote soll von 82 Prozent des BIP 2012 auf 73 Prozent in 2016 zurückgehen. Fazit: Der Staat ist weit davon entfernt, wegen eines moderaten Abschwungs in die Knie zu gehen.



Sozialkassen

Die mit dem Aufschwung der vergangenen Jahre einhergegangene Rekordbeschäftigung hat die Lage der Sozialkassen erheblich entspannt. So erwartet die Bundesagentur für Arbeit (BA) dieses Jahr einen Überschuss von 1,3 Milliarden Euro. Allerdings warnen die Arbeitgeber bereits, bei einer Konjunkturabkühlung könnte die BA schnell wieder auf Zuschüsse des Bundes angewiesen sein. Rosiger schätzt das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel die Aussichten für die BA ein: Es erwartet 2012 einen Überschuss von fast drei Milliarden Euro.
Alle Sozialkassen zusammen - also Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung - könnten dem IfW zufolge in diesem Jahr auf einen Überschuss von 15 Milliarden Euro kommen. Damit hätten sie zumindest ein kleines Polster für den Abschwung.

Unternehmen

Noch sind die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt. Wie schnell die im Aufschwung angelegten Puffer aber schmelzen können, hat die Finanzkrise 2008/09 gezeigt. Auch ihr ging ein jahrelanger Aufschwung voraus, der in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit mündete. Und dennoch: Nie hatten so viele Deutsche einen Job wie jetzt. Viele Unternehmen werden selbst bei einem Konjunktureinbruch versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten. Denn Fachkräfte sind in Deutschland rar.
Auch der Bauboom dürfte die Wirtschaft selbst bei einem plötzlichen Konjunktureinbruch noch eine Weile stützen. Im ersten Quartal zog die Bauindustrie 12,5 Prozent mehr Aufträge an Land als ein Jahr zuvor. Bis die abgearbeitet werden können, vergehen Monate und Jahre, und bis dahin kann sich die Wirtschaft schon wieder erholt haben.

Politik

Paradoxerweise ist es von Vorteil, dass der jüngste scharfe Konjunktureinbruch nur drei Jahre zurückliegt: Die Erfahrung der handelnden Politiker ist frisch, und sie können auf Konzepte wie die Kurzarbeit zurückgreifen, die sich damals bewährt haben. Allerdings hat mit dem Aufschwung 2010/11 der Reformwille in der Politik nachgelassen. Dabei gäbe es noch immer genug zu tun, um den Standort fitzumachen für den demografischen Wandel und künftige Flauten. So bemängelt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), höhere Beiträge zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung hätten die Arbeitskosten 2011 erhöht. Unter den OECD-Ländern wird nur in Belgien der Faktor Arbeit noch stärker belastet.

Weltweit belegt die Bundesrepublik in dem Standort-Ranking den sechsten Platz, hinter China, Indien, den USA, Russland und Brasilien. Für Deutschland sprechen demnach die gute Infrastruktur, gut ausgebildete Arbeitskräfte und das soziale Klima. Das zahlt sich aus: Die Investitionsprojekte in Deutschland stiegen der Studie zufolge im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 597. Dabei wurden etwa 17.600 Arbeitsplätze geschaffen, 43 Prozent mehr als 2010.
„Wer in Europa investieren möchte, nimmt fast immer Deutschland in die engere Wahl“, sagte Ernst & Young-Experte Peter Englisch. „Das war noch vor fünf Jahren ganz anders.“ Viele andere europäische Länder drohten dagegen in die zweite Liga abzusteigen.

Von

rtr

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