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23.05.2011

11:12 Uhr

Umfrage

Euro-Aufschwung verliert erheblich an Kraft

Der Aufschwung in der Euro-Zone hat sich im Mai so kräftig abgeschwächt wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Auch die deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang zurück.

Berlin

Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft in der Euro-Zone fiel um 2,4 auf 55,4 Punkte, wie das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 4500 Unternehmen mitteilte. Einen so starken Rückgang hat es seit November 2008 nicht mehr gegeben, als die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise auf ihren Höhepunkt zusteuerte. Das Barometer rutsche damit auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten ab, signalisiert aber weiterhin Wachstum. "In welchem Ausmaß dies auf das späte Osterfest oder auf die Lieferunterbrechungen im Nachgang des Erdbebens in Japan zurückzuführen ist, ist noch unklar", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Er rechnet für das zweite Quartal mit einem Wachstum der Euro-Zone von 0,7 Prozent. Das wäre nur ein Tick niedriger als im ersten Quartal mit 0,8 Prozent. Sorge bereitet aber die enormen Unterschiede zwischen den 17 Euro-Ländern. "Alles in allem bleibt der Aufschwung nach wie vor weitgehend auf Deutschland und Frankreich beschränkt, während die übrigen Länder mit annähernder Stagnation und weiteren Beschäftigungsverlusten zu kämpfen haben", sagte Williamson.

Besonders stark ließ das Wachstum in der Industrie nach. Hier rutschte der Einkaufsmanagerindex um 3,2 auf 54,8 Zähler ab. "Die Exportnachfrage fiel hier schwächer aus als in den zurückliegenden acht Monaten", hieß es. Die Neu- und Folgeaufträge legten auch bei den Dienstleistern langsamer zu. Das Barometer für die Service-Branche fiel deshalb um 1,3 auf 55,4 Punkte. In beiden Sektoren schwächte sich der Stellenaufbau ab.

Gute Nachrichten kamen hingegen von der Preisfront. "Der Preisrutsch bei Rohöl und anderen Rohstoffen sorgte für verlangsamte Steigerungsraten sowohl bei den Einkaufs- als auch bei den Verkaufspreisen", sagte Williamson.

Nach dem fulminanten Start ins Jahr schaltet auch die deutsche Wirtschaft einen Gang zurück. Das Wachstum von Industrie und Dienstleister verlor im Mai deutlich an Schwung, wie die Marktforscher von Markit am Montag zu ihrer Umfrage unter rund 1000 Firmen mitteilten. "Der deutsche Privatsektor tut sich schwer, den Höhenflug aus dem ersten Quartal fortzusetzen", sagte Markit-Experte Tim Moore. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie sank nach vorläufigen Berechnungen auf 58,2 von 62 Punkten. Analysten hatten nur mit einem Rückgang auf 61 Zähler gerechnet.

Das Neugeschäft flachte sich ab und der Auftragseingang beim Export sackte auf ein Sechs-Monats-Tief. Der Jobaufbau verlor aber kaum an Fahrt. Etwas Luft verspürten die Industriefirmen auf der Kostenseite, wo der starke Preisschub der vergangenen Monate nachließ.

Auch die Dienstleister mussten Rückschläge hinnehmen. Der Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor sank auf 54,9 von 56,8 Punkten. Analysten hatten im Mittel sogar einen Anstieg auf 57 Zähler erwartet. Damit spürten die Dienstleister das schwächste Wachstum seit September. Ein maues Neugeschäft ließ den Optimismus der Branche für die nächsten zwölf Monate auf tiefsten Stand seit Dezember 2009 sinken.

Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, fiel auf 56,4 von 59,2 Punkten und signalisiert damit das schwächste Wachstum der Privatwirtschaft seit Oktober 2010. Das Bruttoinlandsprodukt hatte sich im ersten Quartal überraschend deutlich um 1,5 Prozent verbessert. Fachleute trauen Deutschland deshalb für 2011 erneut ein Wirtschaftswachstum von mehr als drei Prozent zu. Allerdings erwarten die Ökonomen, dass der Aufschwung an Fahrt verliert.

Von

rtr

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