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04.01.2014

13:36 Uhr

Umfrage

Stimmung der Franzosen sinkt auf Tiefstand

Die Zuversicht der Franzosen ist laut einer Umfrage auf den niedrigsten Wert seit Jahren gesunken. Nur ein Drittel blickt noch optimistisch in die Zukunft. Rentner, Arbeiter und Landbewohner sind besonders pessimistisch.

Die französische Flagge: Die Franzosen lassen die Köpfe hängen. Nur noch 30 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft. dpa

Die französische Flagge: Die Franzosen lassen die Köpfe hängen. Nur noch 30 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft.

RennesDie Zuversicht der Franzosen ist laut einer Umfrage auf den niedrigsten Wert seit Jahren gesunken. Lediglich 30 Prozent der Befragten gaben an, optimistisch in die Zukunft zu blicken, wie die Zeitung „Dimanche Ouest France“ unter Berufung auf eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Ifop berichtete. Dies entspricht einem Rückgang um 14 Prozentpunkte seit August. Vor einem Jahr hatte noch knapp die Hälfte der Befragten angegeben, zuversichtlich zu sein.

Ähnlich gering war die Zuversicht in Frankreich seit der ersten Ifop-Befragung im Jahr 1995 erst einmal, im August 2005. Am weitesten verbreitet ist der Pessimismus derzeit unter Rentnern (76 Prozent), Arbeitern (70 Prozent) und Landbewohnern (72 Prozent). Auch bei den Anhängern der Oppositionsparteien UMP und UDI ist die Stimmung im Keller. Jeweils mehr als 80 Prozent von ihnen sind der Umfragen zufolge unzufrieden. Lediglich bei den Sozialisten äußerte sich mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Befragten optimistisch.

Woran Frankreich krankt

Wettbewerbsfähigkeit

In Frankreich sticht die ungünstige Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Auch deshalb ist der Weltmarktanteil des Exportsektors des Landes deutlich gesunken; die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert– von einem Überschuss von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einem Defizit von zuletzt etwa 2 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre hat Frankreich damit das höchste Leistungsbilanzdefizit aller Kernländer aufgewiesen. Im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ belegt Frankreich damit nur Rang 21 von insgesamt 144 Ländern. Im Jahr 2010 wurde es mit Rang 15 noch deutlich besser bewertet.

Quelle: Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute; Commerzbank

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten sind seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Die Lage heute: Während eine Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber 30,40 Euro kostet, fallen westlich des Rheins 34,20 Euro an. Typisch für den Niedergang sind die Autobauer. „Hier verdichten sich die Probleme Frankreichs“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das Land produziere 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt kaum eine deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der öffentlichen Verschuldung erwarten. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf einem hohen Niveau jenseits von 10 Prozent verharren.

Staatsverschuldung

Noch wird die Schuldentragfähigkeit von den Anlegern nicht in Frage gestellt. Die öffentliche Verschuldung Frankreichs hat sich aber seit der Großen Rezession deutlich erhöht. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Schuldenstandsquote um rund 25 Prozentpunkte auf über 90 Prozent. Im Jahr 2012 lag die Defizitquote weiterhin deutlich oberhalb von 3 Prozent, und auch für das Jahr 2013 wird eine diesen Wert überschreitende Quote erwartet. Damit steigt die öffentliche Verschuldung weiter.

Private Verschuldung

Die private Verschuldung ist in Frankreich weniger stark gestiegen und liegt auf einem deutlich geringeren Niveau als z. B. in Irland, Spanien und Portugal. Dennoch ist Frankreich das einzige der ausgewählten Länder, in dem die private Verschuldung auch seit 2009 noch merklich zunimmt.

Verlust von Weltmarktanteilen

Große Probleme bestehen im externen Sektor. Der überdurchschnittlich starke Verlust von Weltmarktanteilen ist in Kombination mit trendmäßig steigenden Leistungsbilanzdefiziten besorgniserregend. Dies dürfte nicht allein auf Veränderungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein; diese hatte sich zwischen 2000 und 2008 permanent verschlechtert, verbesserte sich seitdem aber. Insbesondere Frankreichs Exportwirtschaft ist es nicht gelungen, vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, sondern sie hängt nach wie vor von den Märkten im Euroraum ab.

Angesichts der allgemein geringen Zuversicht sei es nicht verwunderlich, dass auch das Vertrauen in die Regierung mit nur 13 Prozent Zustimmung extrem niedrig sei, erklärte das Meinungsforschungsinstitut Ifop. Einzig bei der Integration von Einwanderern (39 Prozent) und beim Kampf gegen Armut (27 Prozent) wuchs das Vertrauen in die Arbeit der Regierung. Für die repräsentative Umfrage wurden Ende Dezember 1001 Franzosen befragt.

Von

afp

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