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31.01.2008

08:45 Uhr

Umsatzminus in 2007

Konsumenten lassen Einzelhändler hängen

Den Deutschen ist anscheinend die Lust am Einkaufen vergangen: Nach drei erfolgreichen Jahren haben die Einzelhändler 2007 erstmals wieder ein Umsatzminus erzielt. Die Branche nahm laut Statistischem Bundesamt 1,2 Prozent weniger ein als im Vorjahr. Volkswirte zeigten sich enttäuscht.

Voll bepackte Einkaufstüten: Die Einzelhandelsumsätze gingen 2007 zurück. Foto: dpa dpa

Voll bepackte Einkaufstüten: Die Einzelhandelsumsätze gingen 2007 zurück. Foto: dpa

HB BERLIN. Bereinigt um die gestiegenen Preise (real) fiel das Minus mit 2,2 Prozent noch deutlicher aus. Experten führen den Rückgang vor allem auf die Mehrwertsteuererhöhung im Januar 2007 zurück. Im weiteren Jahresverlauf dämpften dann gestiegene Lebenshaltungskosten die Kauflaune der Verbraucher.

Im Dezember hatten die Einzelhändler nach Angaben des Amtes 4,9 Prozent weniger in den Kassen als im Vorjahr. Real gingen die Umsätze sogar um 6,9 Prozent zurück. Zum Vormonat sanken die Umsätze nominal um 0,4 und real um 0,1 Prozent. Von Reuters befragte Analysten hatten einen realen Umsatzrückgang zum Vorjahresmonat um 4,8 Prozent erwartet.

Volkwirte zeigten sich wenig begeistert von den Zahlen: „Das ist sehr enttäuschend. Wir hatten sehr schwache Daten in den vergangenen zwei Monaten und im vierten Quartal gab es einen Rückgang des Einzelhandelsumsatzes um drei Prozent, also war der Konsum im vierten Quartal im negativen Bereich,“ sagte Matthias Rubisch von der Commerzbank.

Andreas Scheuerle von der Dekabank hofft auf bessere Zahlen für das laufenden Jahr: „Das sind natürlich ungemein enttäuschende Zahlen. Nach den schwachen Vormonaten hat der Dezember nicht die erhoffte Belebung gebracht. Wir haben ein Quartalsminus von ungefähr drei Prozent beim Einzelhandel gesehen und das lastet insgesamt natürlich auf der Konjunktur im vierten Quartal. Der Konsument gibt uns immer noch ein bisschen Rätsel auf. Wir hoffen alle darauf, dass die robuste Lage am Arbeitsmarkt und eine gute Lohnentwicklung in diesem Jahr die Konsumenten endlich aus der Reserve locken werden. Die Vorzeichen stehen eigentlich gut dafür. Allerdings muss er auch die Stimmung haben, das Geld auszugeben und im Dezember bzw. im vierten Quartal hat die gefühlte Inflation mit Sicherheit die Stimmung verdorben. Wir gehen aber davon aus, dass die inflationären Belastungen im Laufe des Jahres abnehmen, und dass dann zusammen mit der Arbeits- und Einkommensentwicklung auch der Konsument wieder mehr ausgeben wird.“

Auch Sal. Oppenheim-Volkswirtin Ulrike Kastens glaubt an eine Trendwende: „Die Zahlen für das gesamte vierte Quartal sind sehr enttäuschend. Jeder Monat hat ein Minus gebracht. Der Einzelhandelsumsatz war sehr, sehr schwach und die Konsumentenstimmung hat sich eingetrübt. Das lag wohl an der Wahrnehmung, dass die Nahrungsmittelpreise gestiegen sind sowie an den hohen Benzinkosten. Es ist ein unheimlich schlechtes Ergebnis. Wenn man sich dann vor Augen führt, dass Beschäftigung weiter aufgebaut wird, dann ist es ein sehr schlechtes Ergebnis. Das Jahr 2008 wird deutlich besser werden. Wir gehen davon aus, dass auch der Konsument erheblich zum gesamten Wachstum beitragen wird. Die Leute, die 2007 in den Arbeitsmarkt integriert worden sind, sind eher zurückhaltend. Aber jetzt sollte das den Konsumenten die Stimmung aufhellen. Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Monaten positive Zahlen bekommen.“

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