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06.04.2012

17:14 Uhr

US-Arbeitslosenquote

Obamas Kampf gegen den 8-Prozent-Fluch

Die Zahlen vom Arbeitsmarkt tun US-Präsident Obama keinen Gefallen. Die Arbeitslosigkeit in seinem Land ist zwar gesunken, bleibt aber noch immer hoch. So hoch, das er historisch gesehen um seine Wiederwahl bangen muss.

US-Präsident Obama hat mit einer verhältnismäßig hohen Arbeitslosenzahl zu kämpfen. AFP

US-Präsident Obama hat mit einer verhältnismäßig hohen Arbeitslosenzahl zu kämpfen.

WashingtonDie Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt hat überraschend an Fahrt verloren. Die Wirtschaft habe im März lediglich 121.000 neue Stellen geschaffen, teilte das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Das ist deutlich weniger als von Experten erwartet und die geringste Zunahme seit fünf Monaten. Die Arbeitslosenquote fiel dennoch leicht von 8,3 auf 8,2 Prozent. Sie ist damit so niedrig wie seit Januar 2009 nicht mehr - aber für amerikanische Verhältnisse immer noch sehr hoch.

Die Quote sank vor allem, weil sich weniger Menschen für den Arbeitsmarkt zu Verfügung gestellt hätten. Außerdem wurde das Jobwachstum für Februar nachträglich um 13.000 Stellen auf 240.000 nach oben korrigiert. Insgesamt gibt es in den USA 12,7 Millionen Arbeitssuchende, mehr als 40 Prozent davon sind seit mehr als einem halben Jahr ohne Erwerbsbeschäftigung. Weitere 7,7 Millionen suchten nach einer Vollzeittätigkeit, mussten sich aber mit Teilzeitstellen begnügen.

Obwohl die Arbeitslosenquote auf den geringsten Wert in der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama fiel, könnte sie laut Experten für ihn zum Stolperstein im Kampf um die Wiederwahl werden. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde noch kein Präsident im Amt bestätigt, unter dessen Ägide die Arbeitslosigkeit bei acht Prozent lag. „Es gibt noch mehr Arbeit zu erledigen“, räumte der ökonomische Chefberater des Weißen Hauses, Alan Krueger, ein. Obama erbte bei seinem Amtsantritt Anfang 2009 die schwerste Wirtschaftskrise seit der großen Depression, in deren Zuge fast neun Millionen Jobs vernichtet worden waren.

Seit gut zwei Jahren nimmt die Zahl neuer Stellen zwar ohne Unterlass zu, doch insgesamt wurden erst gut vier Millionen wieder aufgebaut. Das im März abgeflaute Jobwachstum unterstreicht jüngste Äußerungen des US-Zentralbankchefs Ben Bernanke. Der Vorsitzende der Federal Reserve (Fed) mahnte, dass für eine echte Erholung auf dem Arbeitsmarkt die Konjunktur deutlich anziehen müsse. Dafür mangele es aber an einer starken Verbrauchernachfrage nach Konsumgütern, die etwa 70 Prozent der US-Wirtschaft ausmache.

Auch steigende Benzinpreise und die schwelende Finanzkrise in Europa hemmen laut Volkswirten die Konjunktur in den Vereinigten Staaten. Trotz der Sorgen vor einer bröckelnden Erholung peilt die Fed vorerst keine weiteren Hilfsmaßnahmen an. Aus dem Protokoll ihrer jüngsten Sitzung geht hervor, dass sich die Währungshüter mit weiteren Maßnahmen der geldpolitischen Lockerung bis auf weiteres zurückhalten wollen. Eine Abkehr von der derzeitigen Politik historischer Niedrigzinsen käme aber erst bei einer „signifikanten“ Änderung des wirtschaftlichen Ausblicks nach oben infrage.

Von

dpa

Kommentare (8)

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state-of-defense-reports@nic.mil

06.04.2012, 17:55 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

Account gelöscht!

06.04.2012, 18:38 Uhr

Die USA lernen im Moment, was das deutsche Arbeitsvolk schon unter Schröder lernen musste. Es werden zwar Jobs geschaffen, diese sind aber prekär und lösen nicht das aus was sich die Politiker erhoffen, nämlich Konsum, Verbrauchervertrauen in eine prosperierende Zukunft und dadurch Wirtschaftswachstum durch eine Binnenkonjunktur. Diese Formel geht auch in den USA nicht mehr auf. Man muss sich neue Katalysatoren für das Wirtschaftswachstum erarbeiten, die die USA aber nicht bieten, bzw. bisher noch nie geboten haben. Diese Lernkurve muss in den USA erst noch geflogen werden. Das kann Obama den Job kosten. Die Fähigkeit sich schnell auf neue Situationen einzustellen ist in den USA sprichwörtlich. Die Fähigkeit strukturelle tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen ist in USA von einer sagenhaften Unfähigkeit begleitet, die Beobachter ungläubig staunen lässt. We will see.

no.7

06.04.2012, 21:04 Uhr

Wenn man halt so vernagelt ist- oder sich so gibt- und immer nur Wachstum als einzig mögliche "Lösung" hinstellt, dann ist sowas kaum mehr ernst zu nehmen. Was haben wir denn mit unsrer manischen Wachstumsgier, unserem europafeindlichen Lohndumping erreicht ? wir haben es soweit gebracht, daß wir schwerste soziale konflikte in europa provozieren, weil wir den hals nicht voll genug bekommen können hier. Die arbeitslosigkeit wurde exportiert ! Und den heutigen Schuldenstaaten wurde die weitere verschuldung ermöglicht !! Mit dem euro haben wir uns einen weiteren Vorteil ergaunert- alles in Egoismus und Selbsherrlichkeit. Völkern, die sowas machen,gehört eins auf die omme.

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