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02.09.2016

16:25 Uhr

US-Arbeitsmarkt

Gut genug für die Fed

VonFrank Wiebe

Die neuen Arbeitsmarktzahlen aus den USA sind ausreichend, um eine Zinserhöhung der Notenbank zu rechtfertigen. Aller Voraussicht nach wird es aber erst im Dezember dazu kommen.

Ein Mann schiebt Kisten in der Nähe der New York Stock Exchange. AFP; Files; Francois Guillot

US-Arbeitsmarkt

Ein Mann schiebt Kisten in der Nähe der New York Stock Exchange.

New YorkDie USA haben im August außerhalb der Landwirtschaft netto 151.000 Stellen neu geschaffen. Die Arbeitslosenquoten verharrte bei 4,9 Prozent. Damit ist fast die Prognose des Ökonomen Daniel Silver von JP Morgan eingetroffen. Der hatte am Tag zuvor auf 150.000 Stellen und einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit auf 4,8 Prozent getippt.

Im Durchschnitt hatten Ökonomen allerdings auf eine Zahl von 180.000 neuen Stellen getippt. Die Stundenlöhne sind im Jahresvergleich um 2,4 Prozent gestiegen. Der Prozentsatz lag somit etwas höher als das gewünschte Inflationsziel der US-Notenbank von 2,0 Prozent, er ist aber völlig undramatisch.

Insgesamt zeigen die Zahlen, dass die US-Wirtschaft auf Kurs bleibt. Sie wächst, der Arbeitsmarkt ist gesund, ganz im Hintergrund baut sich auch etwas Druck auf, der zu höheren Preisen führen könnte.

Die US-Notenbank Fed

Fed?

Das Federal Reserve System – kurz Federal Reserve oder einfach Fed – ist die Notenbank der USA.

Die Funktion

Die 1913 vom amerikanischen Kongress gegründete staatliche Organisation leitet die US-Geldpolitik, kontrolliert und reguliert die Banken des Landes und beeinflusst die Bedingungen für die Kreditvergabe.

Die Ziele

Die übergeordneten Ziele der Fed sind eine möglichst hohe Beschäftigung, stabile Preise sowie günstige Zinsen. Die mächtige Organisation kontrolliert damit einige der wirtschaftlichen Stellschrauben der Vereinigten Staaten.

Die Präsidentin

Präsidentin ist Janet Yellen. Die 68-Jährige hatte ihren Posten offiziell Anfang Februar 2014 angetreten. Sie ist die erste Frau an der Fed-Spitze in der 100-jährigen Geschichte der Zentralbank.

Das ist genau die Entwicklung, die die Fed braucht, um eine Zinserhöhung zu rechtfertigen. Und in den letzten Wochen ist wieder deutlicher geworden, dass Fed-Chefin Janet Yellen nach dem ersten Zinsschritt im vergangenen Dezember gerne endlich den zweiten wagen würde.

Auf der anderen Seite sind die Zahlen aber auch nicht übermäßig stark. Ein Druck zu sofortigem Handeln ist nicht erkennbar. Die meisten Ökonomen und Investoren gingen bisher davon aus, dass die nächste Zinserhöhung erst im Dezember kommt – auch deswegen, weil dann die Wahl des US-Präsidenten gelaufen ist. An dieser Einschätzung dürfte sich nichts ändern.

Marc Chandler von der US-Bank Brown Brothers Harriman findet die neuen Zahlen enttäuschend. Der Anstieg der Löhne liegt unter dem Juli-Wert von 2,4 Prozent, schreibt er. Hinzu kommt, dass die durchschnittliche Zahl der Wochenstunden leicht von 34,4 auf 34,3 gefallen ist. Seine Einschätzung ist: „Die anfängliche Marktreaktion ist, sich von jeder Erwartung einer Zins-Erhöhung schon im September zu verabschieden.“

Interessant ist aber ein Detail, auf das der Ökonom Torsten Slok von der Deutschen Bank aufmerksam macht: Die Arbeitslosigkeit im Energie-Sektor ist von 9,3 Prozent im Juli auf 5,4 Prozent im August gesunken. Das kann zum Teil daran liegen, dass Arbeitnehmer die Branche gewechselt haben. Aber, wie Slok anmerkt, tatsächlich steigt die Beschäftigung in dem Sektor, der lange Zeit die US-Wirtschaft und auch den Markt für Hochzins-Anleihen unter Druck gesetzt setzt. Seine Schlussfolgerung: „Der negative Effekt niedriger Ölpreise auf die Energiebranche ist Vergangenheit.“

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