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06.04.2012

15:17 Uhr

US-Arbeitsmarkt

Jobwachstum in den USA flaut ab

Die Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt hat an Fahrt verloren. Die Wirtschaft hat laut Regierung im März lediglich 120.000 neue Jobs geschaffen - deutlich weniger als zuvor von Experten erwartet.

Mit Sonne im Gesicht, aber nur bedingt guten Nachrichten: US-Präsident Obama unterschreibt ein neues Gesetz, das den USA zu mehr Jobs verhelfen soll. dapd

Mit Sonne im Gesicht, aber nur bedingt guten Nachrichten: US-Präsident Obama unterschreibt ein neues Gesetz, das den USA zu mehr Jobs verhelfen soll.

WashingtonEine schöne Kulisse hatte sich der Präsident da ausgesucht. Im Rosengarten des Weißen Hauses, die Frühlingssonne im Gesicht, hinter sich vereint Abgeordnete der zerstrittenen Parteien, konnte Barack Obama seinen Landsleuten wieder einmal Mut machen.

„Vielleicht ist unter Ihnen der nächste Bill Gates, Steve Jobs oder Mark Zuckerberg“, sagte Obama zu den vor sich versammelten Unternehmern. Solche Leute brauche das Land, und er, der Präsident, werde mit seinem neuen Job-Gesetz dafür sorgen, dass es künftig noch mehr davon gebe. Schließlich sei Amerika „der beste Ort der Welt“, um ein Unternehmen zum Erfolg zu führen.

Das war am Donnerstag. Heute aber wurden die neuesten Arbeitsdaten bekannt gegeben, nach denen die Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt an Fahrt verloren hat. Die Wirtschaft habe im März lediglich 120.000 neue Jobs geschaffen, teilte das US-Arbeitsministerium in Washington mit. Das ist deutlich weniger als von Experten erwartet und die geringste Zunahme seit fünf Monaten. Die Arbeitslosenquote fiel dennoch leicht auf 8,2 Prozent und ist damit so niedrig wie seit Januar 2009 nicht mehr. Das Jobwachstum für Februar wurde nachträglich um 13.000 Arbeitsplätze auf 240.000 nach oben korrigiert. Insgesamt sind in den USA noch immer fast 13 Millionen Menschen ohne Job.

Der trotz allem positive Trend auf dem Arbeitsmarkt ist eine gute Nachricht für Präsident Barack Obama, der sich bei den Wahlen im November um eine zweite Amtszeit bewirbt. Mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen hatten Obama und seine Demokraten im Kongress versucht, die Wirtschaft während der Finanzkrise wieder in Schwung zu bringen. Die politischen Gegner auf Seiten der Republikaner sehen hohe Staatsausgaben dagegen als Hindernis für die Privatwirtschaft und prangern die horrende Staatsverschuldung an.

Zuletzt schürten viele Amerikaner die Hoffnung, die US-Wirtschaft könne die Krise nun endgültig hinter sich gelassen haben. Ganz unberechtigt ist das nicht, und doch heißt es wieder: Ja, aber.

Denn trotz ermutigender Signale gibt es viele Einwände: Der Aufschwung geht an den meisten Amerikanern vorbei, sagen die einen. Er ist nicht nachhaltig, sagen die anderen. Und vielen geht es einfach nicht schnell genug. Noch nicht einmal die US-Notenbank Fed ist sich darüber einig, wie es wirklich um die Konjunktur steht.

Ist die US-Wirtschaft also aus dem Gröbsten heraus – „out of the woods“, wie die Amerikaner sagen? Experten rätseln vor allem über eine Sache, die den Aufschwung als so wackelig dastehen lässt: Der Arbeitsmarkt entwickelt sich besser als es das noch immer dürre Wachstum eigentlich zuließe.

Schließlich legte das Bruttoinlandsprodukt im Schlussquartal „nur“ um 3 Prozent zu, für 2012 rechnet etwa das Beratungsunternehmen IHS Global Insights mit mageren 2,2 Prozent. Normal für die US-Wirtschaft sind mehr als 3 Prozent, so das Mittel der vergangenen Jahrzehnte.

Kommentare (5)

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keeper

06.04.2012, 10:17 Uhr

hier die Charts zum US-Immobilienmarkt:

http://www.querschuesse.de/spcase-shiller-home-price-indices-weiter-in-richtung-suden/


Mit dem "immobiliemgesicherten-Konsum-auf-Pump" an welchem sich im übrigen nicht nur die US-Wirtschft, sondern auch die Weltwirtschaft gewöhnt hat, ist es in den USA für die nächste Zeit vorbei.
Erfahrungen aus Japan zeigen: Der Heilungsprozess nach dem Platzen einer Immobilienblase dauert lange. Sehr lange.

Die Wirtschaft hat ihre Produktionskapazitäten an diese Nachfrage angepasst - wird das Wegbrechen nicht kompensiert - z.B. durch entsprechende Ausgaben seitens der Nationalstaaten - dann bricht das System wie ein Kartenhaus zusammen. (sich selbst verstärkende Abwärtsspiralen; weniger Ausgaben für zu weniger Investitionen und Jobs -> noch weniger Ausgaben ...)

... nochnicht einmal niedrigste Zinsen veranlassen dann zu Investitionen. Wozu auch - wenn die Nachfrage fehlt.

Evtl. wäre es mit einer ordentlichen Inflationsangst zu schaffen,
daß die Sparvolumen aus den Scheinwerten in die Sachwerte wandern, und dadurch wieder Nachfrage und Wirtschaft angekurbelt wird.

Findet so richtig allerdings nicht statt.

Wieso eigentlich?

... geht gerade das Öl aus?

no.7

06.04.2012, 10:26 Uhr

Das alles stinkt mehr denn je zum himmel: "Aufschwung" nur für die Kapitalbesitzer. Die Finanzindustrie wird durch Gelddrucken fett gefüttert, damit sie boni auszahlen kann. zur begründung des gelddruckens muß der aufschwung herhalten, der ja immer zu gering ist. Es ist immer zu wenig, die Raffgier kennt keine grenzen, und wenn das ganze betrügerische Fiat-money-system kippt, dann muß eben der nächste krieg her. mach doch steuersenkung für die reichen. Warum sollen reiche überhaupt steuer zahlen ? das gilt doch auch für uns: steuersenkungen für Unternehmer sind das A und O. Ja doch ! Da müssen wir uns krummlegen, damit das klappt. warum nicht die löne noch weiter drücken ? sollen doch die arbeiter noch mehr jobs annehmen ! Die rendite muß stimmen, damit sich die kapitalbesitzer ihre fetten Ärsche herumheben lassen können ! Das ist es, was den Westen ausmacht: Grenzenlose Blödheit, grenzenlose Gaunerei, Triebsteuerung an ! Da jubelt der amerikaner. Zum kotzen !

mono

06.04.2012, 10:38 Uhr

Amerika hat keine Chance auf einen Aufschwung. Es ist unmöglich die Konjunktur ans Laufen zu bringen, ganz zu schweigen von einem Wachstumsmotor, wenn die gesamte Liquidität in den Händen von weniger als 1% der Bevölkerung liegt. Es geht auch nicht darum, den neuen Bill Gates oder Mark Zuckerberg zu finden.
Es geht darum, Verhältnisse zu schaffen, in denen der "neue Arbeiter oder Angestellte" in Detroit oder sonst wo, ein Leben lang für anständiges Geld arbeiten geht. Der eine Familie ernähren kann, einkaufen gehen kann, sich auch mal ein neues Auto leisten kann, einmal im Jahr Urlaub machen kann, seine Kinder auf eine Schule schicken kann etc.etc. und all das ohne sich immer weiter verschulden zu müssen, weil er ja Geld verdient.
Und diesen "neuen Arbeiter oder Angestellten" bitte in millionenfacher Auflage, dann besteht auch die Chance für einen Aufschwung.

Meine Wette lautet, das werden die nicht hinkriegen.

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