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10.01.2014

16:49 Uhr

US-Arbeitsministerium

Kältewelle legt US-Arbeitsmarkt lahm

Im Dezember wurden so wenig Stellen geschaffen wie seit rund drei Jahren nicht mehr – und auch die Januar-Daten dürften ebenfalls schwach ausfallen. Der Winter könnte die Drosselung der Fed-Konjunkturhilfen beenden.

Die „Charging Bull“-Statue in New York: Der Wintereinbruch lähmt die USA. Reuters

Die „Charging Bull“-Statue in New York: Der Wintereinbruch lähmt die USA.

Die Kältewelle in den USA hat dem Aufschwung am Arbeitsmarkt einen empfindlichen Dämpfer versetzt. Im Dezember wurden so wenig Stellen geschaffen wie seit rund drei Jahren nicht mehr, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag mitteilte. Die getrennt erhobene Erwerbslosenquote fiel hingegen deutlich auf 6,7 Prozent und nähert sich damit dem Niveau vor der weltweiten Finanzkrise an. Experten rätseln nun, ob sich die US-Notenbank Fed zum Monatsende zu einem weiteren Drosseln ihrer Konjunkturhilfen durchringen kann: „Für die Fed dürfte der Arbeitsmarktbericht eher Anlass bieten, ihre Anleihekäufe vorerst nicht weiter zurückzufahren“, meint Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. Mit Blick auf die womöglich unvermindert anhaltende Geldflut tendierte die Wall Street zur Eröffnung knapp im Plus und der Dollar ging zum Euro auf Talfahrt.

Auch die Januar-Zahlen dürften nicht berauschend ausfallen, da sich die arktische Kälte in den USA zu Jahresbeginn noch einmal verstärkt hat und das öffentliche Leben teilweise lahmlegte. Die im Dezember geschaffenen 74.000 Stellen blieben weit hinter den Erwartungen der Experten zurück, die mit fast 200.000 neuen Jobs gerechnet hatten. Wegen der ungewöhnlich kalten Witterung gingen allein am Bau 16.000 Jobs verloren. „Der extreme Kälteeinbruch hinterließ also tiefe Bremsspuren“, meint der Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Der Winter könnte somit auch die Strategie der Notenbank durchkreuzen, ihre monatlichen Geldspritzen peu à peu zu drosseln. Sie will die Krisenmedizin bis Jahresende absetzen, deren Monatsdosis sie bereits um zehn Milliarden auf 75 Milliarden Dollar reduziert hat. Ende Januar bietet sich auf der nächsten Zinssitzung Gelegenheit für eine weitere Verringerung.

Auch wenn die Arbeitslosenquote nun nach Ansicht des Fed-Bankers Jeffrey Lacker mit einem Rückgang auf 6,7 von zuvor 7,0 Prozent „dramatisch gesunken“ ist, bleibt Vorsicht bei der Interpretation der Daten geboten. NordLB-Experte Bernd Krampen meint: „Das ist eine harte Nuss.“ Die niedrigere Quote ergebe sich letztlich aus einer verringerten Anzahl von Jobsuchenden, die sich offenbar frustriert vom Arbeitsmarkt abgewendet hätten. Das Gesamtbild wird zudem unübersichtlich, weil für die Arbeitslosenquote private Haushalte befragt werden, für die Beschäftigtenzahl hingegen Unternehmen und Behörden.

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