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09.08.2011

21:37 Uhr

US-Geldpolitik

Fed verspricht Wirtschaft Nullzinsen bis Mitte 2013

Die US-Notenbank reagiert auf die Börsenturbulenzen mit einer Fortsetzung ihrer lockeren Geldpolitik. Mit Zinsen nahe Null soll die Wirtschaft des Landes gestützt werden. Fed-Chef Bernanke hat aber noch mehr im Köcher.

Ben Bernanke. Quelle: AFP

Ben Bernanke.

Washington/FrankfurtDie US-Notenbank will angesichts der Gefahr eines Rückfalls der USA in eine neue Rezession und der Turbulenzen an den Börsen noch für mindestens zwei Jahre den Fuß auf dem Gaspedal lassen. Der Leitzins werde noch bis „mindestens Mitte 2013 extrem niedrig bleiben“, teilte die Federal Reserve am Dienstagabend nach einer Sitzung ihres Offenmarktausschusses in Washington mit. Grund ist die miserable Lage in der weltgrößten Volkswirtschaft. So sei die Erholung der Wirtschaft „deutlich schwächer als erwartet“ verlaufen und die Lage am Arbeitsmarkt habe sich sogar noch verschlechtert, heiß es im Begleitkommentar zum Zinsbeschluss.

Fed-Chef Ben Bernanke ließ offen, ob und gegebenenfalls wann er mit einem neuen Anleihekaufprogramm weitere Milliarden in die Wirtschaft pumpen könnte. Das von den Investoren erhoffte dritte Ankaufprogramm, im Fachjargon QE3 genannt, wird es also zwar zunächst nicht geben. Die Fed kündigte aber an, ihre inzwischen mit US-Anleihen aufgeblähte Bilanz konstant zu halten - also fällig werdende Anleihen zu ersetzen. Der Leitzins bleibt bei 0 bis 0,25 Prozent. Drei der regionalen Fed-Gouverneure stimmten gegen die Entscheidung - so stark war die Opposition gegen Bernanke in der Notenbank noch nie in dessen Amtszeit.

Fragen und Antworten zur Herabstufung der USA

Weshalb haben die USA ihre Top-Bonität verloren?

S&P war unzufrieden mit den von der Regierung beschlossenen Sparmaßnahmen. Die Demokratische Partei von Präsident Barack Obama und die oppositionellen Republikaner hatten sich zuletzt zwar auf eine Anhebung der Schuldengrenze geeinigt, aber laut S&P keine ausreichenden Maßnahmen zur Begrenzung der Schuldenlast beschlossen. Während der Finanzkrise nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers unterstützte die US-Regierung die Wirtschaft mit milliardenschweren Hilfsprogrammen. Die Schuldenlast und die Defizite im Staatshaushalt sind daher deutlich gestiegen. Nun erschwert das schwache Wirtschaftswachstum die Reduzierung der Haushaltsdefizite. Der scharfe politische Streit zwischen Demokraten und Republikaner mache die US-Politik ineffektiv und unvorhersehbar, begründet S&P ihre Entscheidung. Während die Demokraten auch Steuern anheben wollen, lehnen die Republikaner dies kategorisch ab.

Wie reagiert die internationale Politik?

Vorerst mit Schweigen. Die USA äußern sich nicht direkt zu der Herabstufung, von der EU ist auch nichts zu hören. Auch Berlin gibt sich wortkarg. Hinter den Kulissen geht es aber kräftig zur Sache. Die Notenbankchefs wollten bei einer Telefonkonferenz beraten, wie sich die Herabstufung auf die Märkte auswirken wird. Angeblich wollten die G7-Finanzminister eine verbale Beruhigungspille für die Märkte ausarbeiten.

Geht die Talfahrt an den Finanzmärkten weiter?

Das ist sehr schwer vorherzusagen. An den Märkten wurde eine Herabstufung durch S&P in den vergangenen Tagen schon erwartet - es gab eine Vorwarnung der Ratingagentur. Zudem haben die USA noch bei den beiden anderen Ratingagenturen Moody's und Fitch die Bestnote „AAA“. Niemand muss also US-Anleihen verkaufen. Zudem haben große Anleger wie China und Japan kaum eine wirkliche Alternative zum großen und liquiden US-Markt. „Den amerikanischen Anleihemarkt dürfte dies mittelfristig wenig beeindrucken“, erwartet Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er verweist auf Japan, das mit einem schlechteren Rating und einem höheren Schuldenstand sich problemlos an den Märkten refinanzieren kann. „Aber natürlich ist dieser Schritt für die Anleihemärkte eine weitere Belastung.“ Tatsächlich könnte der Zeitpunkt aber kaum ungünstiger sein. Die doppelte Schuldenkrise in den USA und Europa hat an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen zu schweren Kurseinbrüchen geführt. Zudem signalisierten einige Konjunkturdaten, dass die USA in die Rezession zurückfallen könnte. Und was bedeutet das für die globale Konjunktur? Die Weltwirtschaft könnte belastet werden, falls nun die Zinsen in den USA merklich steigen würden. Dies könnte die sowieso schon schwächelnde US-Konjunktur belasten und die Weltwirtschaft unter Druck bringen. Allerdings dürfte die US-Notenbank in einem solchen Fall erneut massiv US-Anleihen kaufen, und so die Wirtschaft stützen. Ein Zusammenbruch der Kreditversorgung wird weder in den USA noch in Europa befürchtet. Die Notenbanken können aus ihren Erfahrungen aus der Lehman-Krise schöpfen und würden die Märkte ausreichend mit Liquidität versorgen. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken bereits am vergangenen Donnerstag zusätzliche Liquidität angeboten. Eine deutliche Abschwächung der Weltwirtschaft ist aber angesichts der hohen Unsicherheit nicht unwahrscheinlich. Dies würde einen Abbau der hohen Schulden erschweren.

Ist mein Erspartes sicher?

Ja, sollte es nicht zu dem eher unwahrscheinlichen Zusammenbruch des Weltfinanzsystem kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt die Garantie der Regierung für alle Sparguthaben bestätigt. Allerdings dürfte jetzt die EZB bei einer Zuspitzung der Krise die Zinsen nicht mehr weiter anheben. Dies hätte beispielsweise auch Auswirkungen auf die Zinsen des Sparbuchs.

Die USA wurden erstmals seit 1941 abgestuft. War die Lage damals schlimmer?

Nein, denn die USA erhielten auch damals schon Bestnoten für ihre Kreditwürdigkeit. Standard & Poors entstand 1941 aus den beiden Agenturen Standard Statistics und Poor’s Publishing. Beide Unternehmen hatten die USA zuvor stets mit ihren jeweiligen Bestnoten bewertet.

Bei der jüngsten Herabstufung auf AA+ handelt es sich also um ein wahrhaft historisches Ereignis: Noch nie zuvor haben die Vereinigten Staaten ihre Topbewertung verloren.

Die Finanzmärkten reagierten enttäuscht, aber gefasst. Der Dollar gab zu dem Euro und anderen wichtigen Währungen zwar deutlich nach. An der New Yorker Wall Street kam es nicht zu den befürchteten Massenverkäufen, die Kurse pendelten im Verlauf mit zum Teil deutlichen Ausschlägen um den Vortagesschluss. Gold, in Krisenzeiten bei vielen als sichere Anlage gefragt, verteuerte sich hingegen deutlich. Händler machten dafür vor allem das düstere Konjunkturbild verantwortlich, das Bernanke gemalt habe.

Analysten hingegen äußerten Verständnis für das vorsichtige Vorgehen der Fed: „Sie haben quasi in Stein gemeißelt, dass sie auch weiterhin das tun, was sie schon jetzt tun. Damit nehmen sie die Unsicherheit aus dem Markt“, sagte Steve Blitz vom New Yorker Investmenthaus ITG. Alberto Bernal von Bulltick Capital Marktes sagte: „Das erzeugt Sicherheit. Die Zinsen bleiben wo sie sind.“

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

09.08.2011, 20:29 Uhr

the words sounds not very welcome for the market. swiftly the dow drops 200 pts. in 5 min. now trying to recover a bit.

Heli

09.08.2011, 20:56 Uhr

Na endlich mal ein neues und mutiges Rezept!!11!!

Vivarium

09.08.2011, 20:58 Uhr

The party goes on !

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