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30.07.2014

15:28 Uhr

US-Konjunktur

Bis die Puschel glühen

Die US-Wirtschaft nimmt wieder kräftig an Fahrt auf. Vor allem die Verbraucher haben mit ihrer Kauflust die Konjunktur angeschoben. Die starken Zahlen überraschen selbst Experten.

Die US-Wirtschaft hat kräftig zugelegt. Reuters

Die US-Wirtschaft hat kräftig zugelegt.

WashingtonDie US-Wirtschaft lässt nach dem Schwächeanfall zu Jahresbeginn wieder kräftig die Muskeln spielen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni aufs Jahr hochgerechnet um vier Prozent zu, wie das Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Es ist das kräftigste Plus seit dem dritten Quartal 2013. Die starken Zahlen überraschten selbst Experten, die lediglich mit drei Prozent gerechnet hatten. Insbesondere die Verbraucher schoben mit ihrer Kauflust die Wirtschaft an. Der Konsum, der mehr als zwei Drittel zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert, legte um 2,5 Prozent zu.

Wegen des ungewöhnlich strengen Winters war die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn um 2,1 Prozent geschrumpft. Der Einbruch war somit nicht so stark wie ursprünglich vermutet, als ein Minus von 2,9 Prozent veranschlagt wurde. Damit steuern die USA in diesem Jahr insgesamt auf eine Wachstumsrate jenseits der Zwei-Prozent-Marke zu. „Der Aufschwung ist intakt“, sagte Helaba-Ökonom Johannes Jander. Am Markt kamen die Daten gut an.

Die US-Futures zogen deutlich an und signalisierten einen höheren Handelsstart am Aktienmarkt. Der Dollar gewann an Wert.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Die US-Notenbank Fed hatte bereits zu Jahresbeginn damit begonnen, ihre milliardenschweren Geldspritzen niedriger zu dosieren. Die anziehende Konjunktur dürfte sie in ihrer Absicht bestärken, das Volumen am Abend (20.00 Uhr MESZ) um weitere zehn Milliarden auf dann 25 Milliarden Dollar zu drosseln. Das Ende der Nullzinspolitik wird aber erst für Mitte 2015 erwartet. Fed-Chefin Janet Yellen hatte jüngst jedoch signalisiert, dass die Notenbank auch früher reagieren könne, sollte sich die Lage schneller bessern als gedacht.

Die jüngsten Daten signalisieren einen anhaltenden Aufschwung am Arbeitsmarkt, auch wenn er sich etwas abschwächt: Die US-Firmen haben im Juli 218.000 Stellen geschaffen, wie der private Arbeitsvermittler ADP zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Damit war der Anstieg etwas schwächer als von Ökonomen erwartet, die im Schnitt ein Plus von 230.000 auf dem Zettel hatten.

Der Arbeitsmarktbericht der Regierung steht am Freitag an. Ökonomen sagen hier für Juli zusätzliche Stellen in Höhe von 233.000 voraus. Hierbei fließen anders als beim ADP auch die Beschäftigungszahlen aus dem staatlichen Sektor ein. Einer Faustregel zufolge müssen Monat für Monat rund eine Viertel Million Stellen geschaffen werden, damit der US-Arbeitsmarkt richtig in Schwung kommt. In den vergangenen fünf Monaten lag die Zahl zumindest stets über der Marke von 200.000.

Von

rtr

Kommentare (8)

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Frau Pia Paff

30.07.2014, 16:18 Uhr

Das ist ja bemerkenswert .... heute nimmt die Wirtschaft fahrt auf .... morgen wieder Rezession.
Wer glaubt den Müll?

Herr Chris Hettix

30.07.2014, 16:30 Uhr

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Amerika ist Pleite- hat 18 Billionen Dollar Schulden! Wachstum gen null. Keine Reformen, keine Modernisierungen- zudem Abkehr von Rechtsstaatlichkeit. Sowas nennt man Endzeitstimmung.

Herr Norbert Wolter

30.07.2014, 16:44 Uhr

Aaach, so schnell sind die Amis noch nicht pleite. Erstens hamse die Weltwährung und zweitens haben die Chinesen nicht wenige Staatsanleihen der Amis gekauft. Und so schnell können die sie nicht verticken, ohne die eigen Wirtschaft zu gefährden. Nun verschulden die Amis sich in ihrer eigenen Währung. Da ist noch ein QE bis zur Nr. 98 drin. Und irgendwann wird man erkennen dass das schönste Verbrauchervertrauen nichts nützt, wenn die Infrastruktur auf das Niveau der Diaspora gesunken ist. Man will ja schließlich unbeschadet zu Wal Mart kommen, und nicht auf ein Kettenfahrzeug angewiesen sein. Also wird man auch dort investieren und die Binnenkonjunktur beleben. Schöner Nebeneffekt: Die Stahlnachfrage dürfte belebt werden.

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