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07.01.2010

09:16 Uhr

US-Konjunktur

Experten uneins über weitere Finanzspritzen

VonRolf Benders

Die US-Währungshüter sind uneins über die bald auslaufenden Konjunkturprogramme: Im Offenmarktausschuss, dem höchsten geldpolitischen Gremium der USA werden Forderungen nach neuen stützenden Maßnahmen für die US-Wirtschaft laut.

Mitte Dezember hatte die Fed beschlossen, den Zielkorridor für den Leitzins weiter bei null bis 0,25 Prozent zu belassen. ap

Mitte Dezember hatte die Fed beschlossen, den Zielkorridor für den Leitzins weiter bei null bis 0,25 Prozent zu belassen.

NEW YORK. In der geldpolitischen Debatte innerhalb der US-Notenbank werden skeptische Stimmen zur Nachhaltigkeit der Erholung der Wirtschaft lauter. Einige Mitglieder des zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) warnten auf der jüngsten Sitzung Mitte Dezember davor, dass eine Verlängerung und Aufstockung der eigentlich bald auslaufenden Konjunkturprogramme nötig werden könnte. Wie aus dem gestern veröffentlichten Protokoll der Zusammenkunft hervorgeht, befürchten sie unter anderem Probleme am Markt für private und gewerbliche Immobilien, sollten durch die geplante Beendigung der Maßnahmen die Zinsen für langfristige Kredite steigen. Auch die nur langsame Erholung am Arbeitsmarkt könne dies nötig machen.

Der Euro reagierte mit leichten Gewinnen gegenüber dem Dollar. „Die Diskussion über mehr Stimulus für die US-Wirtschaft war eine Überraschung und hat den Dollar geschwächt. Das legt nahe, dass die Konjunktur noch nicht über den Berg ist“, sagte Amelia Bourdeau, Devisenanalystin bei der Schweizer UBS in den USA.

Mitte Dezember hatte die Fed beschlossen, den Zielkorridor für den Leitzins weiter bei null bis 0,25 Prozent zu belassen und die Mehrheit der Konjunkturstützungsmaßnahmen Ende März 2010 auslaufen zu lassen. Dazu gehören vor allem Aufkaufprogramme für Kreditpapiere, mit denen die langfristigen Zinsen vor allem am Immobilienmarkt niedrig gehalten wurden.

Viele Experten befürchten, ein Auslaufen der Maßnahmen könnte die Finanzierungskosten der immer noch mit den Folgen der Krise kämpfenden Unternehmen deutlich erhöhen. Bill Gross, Gründer der weltweit größten auf Anleihen spezialisierten Fondsgesellschaft Pimco, rechnet etwa mit dem Anstieg der Kreditkosten für zehnjährige Verbindlichkeiten um 0,4 Prozentpunkte. Die derzeit bei fünf Prozent liegenden Zinskosten für eine 30-jährige Hypothek könnten Schätzungen zufolge sogar um fast einen vollen Prozentpunkt steigen.

Auch die Einschätzung der Inflationsgefahr für die US-Wirtschaft bleibt in dem Gremium umstritten. Dem Protokoll zufolge gaben „einige“ Mitglieder ihrer Sorge Ausdruck, steigende Öl- und Rohstoffpreise sowie eine Verteuerung von Importen könnten die Inflationserwartung in die Höhe katapultieren.

Seit die Fed die Konjunktur mit Billionen an praktisch gedruckten Dollar-Noten vor dem Abgleiten in eine Depression bewahrte, hält sich die Furcht, dies werde früher oder später zu einer galoppierenden Inflation führen. Die Mehrheit der FOMC-Mitglieder sowie die Volkswirte der Fed rechnen dem Protokoll zufolge aber auf mittlere Frist mit einer nur geringen Preissteigerungsrate. Die niedrige Auslastung der Industrie und die angesichts der hohen Arbeitslosigkeit begrenzten Möglichkeiten des Einzelhandels, Preissteigerungen durchzusetzen sind, dabei die Hauptargumente. Sie sehen daher keinen Anlass, den Leitzins zur Bekämpfung der Inflation einzubeziehen.

Fondsmanager Gross sagte in Reaktion auf die Veröffentlichung, er gehe spätestens jetzt nicht mehr von einer Anhebung der Zinsen in diesem Jahr aus. Die Mehrzahl der von Bloomberg vor der Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls befragten Volkswirte rechnete mit einer Anhebung des Leitzins im dritten Quartal 2010.

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