Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2014

18:59 Uhr

US-Konjunktur

Industrie verliert deutlich an Schwung

Die gute Laune ist dahin: Das Barometer für die US-Industrie ist im Januar deutlichen gesunken. Vor allem die Zahl der Neuaufträge sank. Die Börse reagierte mit Kursverlusten. Auch der Dollar gab zum Euro nach.

Die Wall Street reagiert mit Kursverlusten auf die Nachricht, dass die US-Industrie schwächelt. AFP

Die Wall Street reagiert mit Kursverlusten auf die Nachricht, dass die US-Industrie schwächelt.

New YorkDie US-Industrie hat überraschend deutlich an Fahrt verloren und damit Zweifel an der Stärke des Aufschwungs genährt. Das Barometer für den Wirtschaftszweig sank im Januar auf 51,3 von 56,5 Punkten im Dezember, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Montag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem leichten Dämpfer gerechnet.

Werte oberhalb von 50 Punkten signalisieren Wachstum. Besonders stark sackte das Barometer für die Neuaufträge ab - auf 51,2 Zähler von 64,4 Punkten im Dezember. Dies ist der größte monatliche Rückgang seit mehr als drei Jahrzehnten. An der Wall Street sorgten die enttäuschenden Daten für Kursverluste. Auch der Dollar gab zum Euro nach.

„Die Entwicklung in der Industrie dürfte stark von der ungewöhnlich kalten Witterung zu Jahresbeginn getrieben sein“, sagte BayernLB-Ökonomin Christiane von Berg. Eine arktische Kältewelle hatte weite Teile der USA zur Jahreswende fest im Griff und lähmte das öffentliche Leben. „Da das ungemütliche Wintertreiben noch kein Ende gefunden hat, dürften die Verzerrungen auch noch gewisse Zeit anhalten“, prophezeit VP-Bank-Ökonom Thomas Gitzel.

Das droht den USA – der Zeitplan

So steht's um Amerikas Finanzen

Sollte der US-Kongress sich nicht in allernächster zeit auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze einigen, droht der Regierung der weltgrößten Volkswirtschaft die Zahlungsunfähigkeit. Um das abzuwenden, werden zwar Tricks wie das Prägen einer Ein-Billion-Dollar-Münze oder eine eigenmächtige Anhebung der Grenze gemäß des 14. Verfassungszusatzes durch Präsident Barack Obama diskutiert. Dieser hat beide Varianten jedoch abgelehnt.

Es ist daher wahrscheinlich, dass die Grenze nach dem 17. Oktober erreicht wird, sollten sich Republikaner und Demokraten nicht in den nächsten Stunden einigen. Das genaue Datum ist unklar, denn selbst das US-Finanzministerium weiß nicht, wie viel Geld es pro Tag genau einnimmt und ausgibt. Auf Grundlage der Daten von 2012 - sozusagen den Kontoauszügen der USA - kann folgendes Szenario aufgestellt werden:

17. Oktober

Die Schuldengrenze von 16,7 Billionen Dollar ist erreicht. Eine weitere Staatsverschuldung ist nicht mehr möglich. Das Finanzministerium hat am Morgen möglicherweise noch etwa 30 Milliarden Dollar auf dem "Konto". Die Einnahmen durch laufende Steuern liegen an diesem Tag unter den Ausgaben, so dass die Regierung an ihr Konto gehen muss. Am Abend sind dann noch 27,5 Milliarden Dollar darauf.

18. bis 29. Oktober

Die Reserven schmelzen weiter dahin, denn für jeden ausgegebenen Dollar nehmen die USA nur 70 Cent an Steuern ein. Eventuell gibt es überraschende Sondereinnahmen - wie im vergangenen Jahr beispielsweise am 22. Oktober, als überraschend 3,5 Milliarden Dollar in die Kasse kamen. Aber genauso kann es auch schlimmer kommen: Am 24. Oktober müssen allein für das Bundesrentensystem 11,1 Milliarden Dollar ausgegeben werden, während wohl nur 9,6 Milliarden an Steuern hineinkommen.

Die große Unbekannte ist die Reaktion des Anleihemarktes. Jede Woche können Investoren etwa 100 Milliarden Dollar an US-Anleihen eintauschen oder wieder neu anlegen. Sollten sie Geld sehen wollen, könnte das Finanzministerium sofort pleite sein. Die Stimmung lasse sich nicht vorhersagen, erklärt Brian Collins vom Bipartisan Policy Center.

30. Oktober

Es ist aus: Am Ende des Tages fehlen sieben Milliarden Dollar. Betroffen sind nach Darstellung der Regierung alle, die Geld vom Bund erhalten, denn das Finanzministerium hat keine Handhabe, Prioritäten zu setzen. Den Schulen fehlen 680 Millionen Dollar, Sozialhilfeempfänger warten vergeblich auf 553 Millionen Dollar und Rüstungsherstellern werden 972 Millionen Dollar vorenthalten. Wer viele Geschäfte mit dem Staat macht, den trifft es besonders hart. "Wenn man Lockheed Martin heißt, ist das ein ziemlich großes Ding", sagt der Cheflobbyist der US-Handelskammer, R. Bruce Josten.

31. Okober

Zu Halloween wird es richtig gruselig, denn es werden sechs Milliarden Dollar an Zinsen für Anleihen fällig. Die Staatsanleihen der USA sind eine wichtige Grundlage des weltweiten Finanzsystems, eigentlich sollen sie eine risikolose Anlageform darstellen. Ein Ausbleiben von Zinszahlungen könnte dieses Fundament erschüttern. Die Zinsen würden mit ziemlicher Sicherheit steigen, die Aktienmärkte könnten einbrechen und nervöse Verbraucher dürften ihr Geld zusammenhalten - ein Horror für die konsumabhängige US-Wirtschaft.

Für das Finanzministerium beginnen damit die wirklich schweren Entscheidungen - denn Analysten zeigen sich überzeugt, dass die Regierung irgendwann doch versuchen wird, Prioritäten zu setzen. Was ist dann wichtiger: Die Bezahlung der Anleihebesitzer in China oder der Truppen in Afghanistan?

1. November

Was dann passiert, ist kaum noch vorherzusagen. Theoretisch reichen die Einnahmen für die Zinszahlungen. Doch dann warten alle anderen auf ihr Geld. Soldaten können ihre Miete nicht zahlen und Rentner keine Lebensmittel kaufen. Sollte die Regierung dagegen die Zinszahlung an Halloween nicht geleistet haben und sollte sich die Krise weiter hinziehen, könnte fast jedes Finanzinstrument plötzlich infrage gestellt werden - ob der Dollar oder Kredite für Banken in Asien. Die Folgen für die Weltwirtschaft wären unvorhersehbar.

Diese Aussichten könnten nach Ansicht der Volkswirte der Berenberg Bank neue Spekulationen auslösen, dass die US-Notenbank beim Straffen ihrer Geldpolitik bald pausieren wird. Sie hatte erst kürzlich ihre monatlichen Wertpapierkäufe um zehn auf 65 Milliarden Dollar gedrosselt und damit auf die aufgehellte Lage am Arbeitsmarkt und die verbesserte Konjunktur reagiert. Trotz Kältewelle und Haushaltsstreit war die US-Wirtschaft zum Jahresende 2013 kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Oktober bis Dezember mit einer Jahresrate von 3,2 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

touspourun

03.02.2014, 20:48 Uhr


Sowohl die FED als die Finanzpresse haben eigentlich genug Ökonomen und Statistiker um zu wissen das die Wirtschaftserholung in den USA das statistische Artefakt der bewusst gemilderten Inflationsrate auf das Wachstum des BIP ist. Keinen anderen Indikator – Anteil der Bevölkerung die erwerbstätig ist, reale Entwicklung der Durchschnittseinkommen pro Haushalte, reale Handelsumsätze bzw. neue Neubauten – weist auf eine wirtschaftliche Erholung. Außerdem, wenn die Wirtschaft angeblich seit Juni 2009, also seit 4.5 Jahren wächst, dann ist es jetzt Zeit für eine Rezession.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×