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29.01.2016

16:17 Uhr

US-Konjunktur

Schlechte Nachrichten für Nordamerikas Wirtschaft

Der starke Dollar lässt die Exporte einbrechen, der Konsum steigt auch wegen eines milden Wetters nur mäßig: Die US-Wirtschaft hat ein mieses Quartal hinter sich. Die US-Notenbank bleibt nach der Zinswende wachsam.

Ein mieses viertes Quartal 2015 hat dem US-Markt die Stimmung verhagelt. dpa

US-Wirtschaft

Ein mieses viertes Quartal 2015 hat dem US-Markt die Stimmung verhagelt.

WashingtonDie US-Wirtschaft hat ihr Wachstumstempo deutlich verlangsamt. Im vierten Quartal 2015 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 0,7 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte. Experten hatten mit einem Zuwachs um 0,8 Prozent gerechnet, nach einem Plus von 2,0 Prozent im Sommer.

Der Wirtschaft setzt der starke Dollar zu, der US-Produkte auf dem Weltmarkt verteuert. Die Exporte schrumpften um 2,5 Prozent. Der Konsum legte mit 2,2 Prozent vergleichsweise schwach zu. Als eine der Ursachen hierfür gilt die ungewöhnlich milde Witterung: Händler blieben auf Winterkleidung sitzen und die Ausgaben fürs Heizen sanken.

Auch wenn dieser dämpfende Effekt vorübergehend ist, dürfte die niedrige BIP-Zahl der US-Notenbank Fed zu denken geben. Sie hat nach der Zinswende weitere Erhöhungen ins Auge gefasst. Steigende Zinsen können die Konjunktur abwürgen. Die Fed sorgt sich zudem wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten, die durch die Wirtschaftsabkühlung in China und den rasanten Verfall des Ölpreises ausgelöst wurden.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Die Märkte reagierten jedoch gelassen auf die neuen BIP-Zahlen. Der Dax in Frankfurt blieb weiter 0,5 Prozent im Plus bei 9687 Punkten. Auch der Dollar reagierte kaum. Laut Ökonom Harm Bandholz von der Großbank UniCredit boten die Daten wenig Überraschendes. „Das ist das erwartete Bild: Das Wachstum wurde von den Konsumausgaben, den Bauinvestitionen und den öffentlichen Ausgaben getragen. Der Außenhandel belastete.“ Die US-Wirtschaft werde in den kommenden Quartalen voraussichtlich wieder mehr Tempo aufnehmen.

Von

rtr

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