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30.07.2015

16:15 Uhr

US-Konjunktur

Steigender Konsum beschert USA wieder Wachstum

Die US-Wirtschaft läuft wieder: Nach den schwachen ersten Quartal ist sie zuletzt vor allem dank des steigenden Konsums um 2,3 Prozent gewachsen. Die Zeichen für eine baldige Zinswende der US-Notenbank stehen somit gut.

Die US-Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten besser entwickelt als die der meisten europäischen Länder. AFP

Shopping in Manhattan

Die US-Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten besser entwickelt als die der meisten europäischen Länder.

Der US-Konsument tut endlich wieder das, was alle Ökonomen von ihm verlangen: Er konsumiert. Der Anstieg der privaten Ausgaben war einer der Gründe dafür, dass die amerikanische Wirtschaft nach der ersten offiziellen Schätzung im zweiten Quartal um 2,3 Prozent gewachsen ist. Zugleich hat die Regierung die Zahl für das erste Quartal von minus 0,2 auf 0,6 nachrevidiert.

Das zeigt: Die US-Konjunktur läuft wieder rund. Die Erwartung der meisten Experten, dass sich die Schwäche im ersten Quartal als vorübergehend erweist, hat sich bestätigt. Vor allem der starke Dollar, gerade auch im Vergleich zum Euro, hatte für einen Dämpfer gesorgt. Außerdem bremste der Fall der Ölpreise die Förderindustrie in den USA, während der positive Effekt niedriger Benzinpreise zunächst nicht so recht auf das Wachstum durchzuschlagen schien.

Aber jetzt hellt sich das Bild auf. Damit wird es auch für die US-Notenbank (Fed) leichter, sich zu der lange erwarteten ersten Zinserhöhung seit neun Jahren durchzuringen. Ihre Verlautbarung nach der Sitzung am Dienstag und Mittwoch gab zarte Hinweise, dass dieser Schritt im September erfolgen könnte. Erwartet wird eine erste Erhöhung von Null auf 0,25 Prozent und danach ein langsamer, sehr vorsichtiger weiterer Anstieg.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Die Zahlen für das Wachstum des Bruttoinlandprodukts werden jeweils auf Jahresraten hoch gerechnet, was zu relativ großen Schwankungen führt. Außerdem werden sie oft mehrfach revidiert. Deutlich ist aber trotzdem, dass das zweite Quartal wesentlich besser lief als das erste.

Die US-Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten besser entwickelt als die der meisten europäischen Länder. Weil auch die Dynamik großer Schwellenländer wie China, Russland und Brasilien nachgelassen hat, spielen die USA mal wieder ihre traditionelle Rolle als Lokomotive der Weltwirtschaft.

Die Verlierer der Weltwirtschaft

Großbritannien

2014: 2,435 ; 2030: 3,586 ; 2050: 5,744 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Zwar wird Großbritannien auch 2030 noch im Ranking der Top-Volkswirtschaften mit Platz zehn in der Top Ten sein. Doch 2050 sieht das anders aus: Rang elf.

Italien

2014: 2,066 ; 2030: 2,591 ; 2050: 3,617 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Italien wird in 35 Jahren auf Rang 18 zurückfallen. Die Prognose zeigt deutlich, dass Europa im weltweiten Vergleich weiter an wirtschaftlichem Gewicht verliert.

Frankreich

2014: 2,587; 2030: 3,418; 2050: 5,207 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Frankreich kommt schafft es bereits 2030 auf Rang elf und rutscht bis 2050 auf Platz 13.

Russland

2014: 3,559 ; 2030: 4,854 ; 2050: 7,575 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Russland wird bis 2050 auf Platz acht verdrängt.

Deutschland

2014: 3,621 ; 2030: 4,590 ; 2050: 6,338 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Drei europäische Staaten gehören derzeit zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt: Deutschland, Frankreich und Großbritannien. 2050 wird nur noch die Bundesrepublik in den Top Ten der wirtschaftlich leistungsfähigsten Staaten vertreten sein. Deutschland wird bereits 2030 auf Rang acht zurückfallen.

Japan

2014: 4,788 ; 2030: 6,006 ; 2050: 7,914 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Während Japan auch 2030 den vierten Platz verteidigt, wird das Land bis 2050 drei Ränge abrutschen und auf Rang sieben landen.

USA

2014: 17,416 ; 2030: 25,451 ; 2050: 41,384 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Auch wenn die USA 2020 den zweiten Platz noch verteidigen können, werden sie 2050 von Indien auf Platz drei verdrängt. Dann wird drittstärkste Volkswirtschaft USA fast zweieinhalbmal so groß sein wie Indonesien (2050: Rang vier).

Und anders als in Deutschland dient dabei nicht der Export als Treibstoff, sondern der Konsum. In der Vergangenheit, zuletzt bei der großen Finanzkrise 2008, hat das auch immer wieder zu einer Überschuldung der US-Haushalte geführt.

Sie haben sich in den letzten Jahren aber zurückgehalten und ihre Verschuldung etwas abgebaut – ein Grund dafür, dass die Erholung der US-Wirtschaft langsamer lief als nach früheren Schwächephasen. Jetzt haben die Verbraucher aber offenbar ihre alte Stärke zurückgewonnen ¬ ein Signal für die gesamte Weltwirtschaft.

Von

fw

Kommentare (3)

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Herr Peter Spiegel

30.07.2015, 17:00 Uhr

Läuft wie geplant, die Amis geben Gas und Euro-Land wird abgebrannt.
Mit einem 40% aufgewerteten Dollar gegenüber dem Euro, das zeigt die
völlige Unfähigkeit der Eurozone Wohlstand zu schaffen. Mit jeden Euro mehr
der in dieses "EU-Projekt" fließt, wird es weiter schneller abwärts gehen.

Herr Tom Schmidt

30.07.2015, 17:08 Uhr

Das Gas der USA kennen wir ja.... Geld drucken und ausgeben. Das ist 2001 das erste Mal zusammengebrochen, 2009 das zweite Mal, also jetzt ist noch mal ca. 2 Jahre Party. Das nächste Mal fällt der Staat als Retter aus.

Inzwischen ist aber der amerikanische Mittelstand eigentlich komplett ausradiert worden, der Lebensstandard der Amerikaner deutlich gesunken. Nur beim Euro wird da laut losgeheult, das machen die Amis eben nicht, wenns einem da sch... geht, ist der halt selber schuld!

Herr Peter Spiegel

30.07.2015, 17:18 Uhr

Herr Tom Schmidt@
Richtig erkannt, Geld und ausgeben nur so geht es. Das Geld auf dem Sparbuch
ist sinnlos, so sinnlos wie die deutsche Politik.

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