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11.08.2016

14:27 Uhr

US-Konsum

Amerikaner zücken wieder schneller die Kreditkarte

VonFrank Wiebe

Den lockeren Gebrauch der Kreditkarte haben viele US-Amerikaner nach der Finanzkrise bereut. Sie mussten sich stark einschränken und verloren teilweise sogar ihr Haus. Jetzt werden sie wieder mutiger. Grund zur Sorge?

Die Kreditkarte wird wieder sorglos eingesetzt. AP

JC Penney Filiale in Kalifornien

Die Kreditkarte wird wieder sorglos eingesetzt.

New YorkAmerikaner kaufen auf Kredit und sparen nicht – das ist das Klischee und war bis zur Finanzkrise 2008 auch die Realität. Danach waren viele US-Bürger gezwungen, sich einzuschränken und Darlehen zurückzuzahlen sowie Kreditkarten-Schulden abzubauen. Seit einiger Zeit aber werden sie wieder mutiger. Das hat weitreichende Folgen, weil die US-Wirtschaft stark vom Binnenkonsum abhängig ist und große Exportländer wie China und Deutschland direkt oder indirekt auch von der Konsumfreude der Amerikaner profitieren.

Die deutsche Wirtschaft lebt dagegen vom Export, Deutsche sparen gern und wittern bei wachsenden Konsumausgaben gleich schon wieder die nächste Schuldenkrise. Aber dazu muss es nicht kommen, wenn man Zahlen der US-Notenbank (Fed) folgt.

Fed-Entscheidung: Eine Spur Optimismus

Fed-Entscheidung

Eine Spur Optimismus

Die Fed lässt den Leitzins unverändert, aber hält die Tür offen für eine Anhebung in den kommenden Monaten. Ihr Spielraum ist vor allem durch Einflüsse von außen eingeschränkt.

Nach einem Bericht der Fed New York sind die Darlehen per Ende Juni binnen Jahresfrist um 9,7 Prozent auf 1,1 Billionen Dollar gewachsen und die Kreditkartenschulden um 3,7 Prozent auf 729 Milliarden Dollar. Insgesamt ist die Verschuldung aber nur um 0,3 Prozent auf gut zwölf Billionen gestiegen. Denn der Bestand an Immobilienkrediten und Studentendarlehen ist gesunken.

Zugleich mussten nur 82.000 Amerikaner ihr Haus zur Versteigerung freigeben – das ist die niedrigste Zahl, seit diese Statistik vor 18 Jahren gestartet wurde. Der Prozentsatz an  notleidenden Krediten in diesem Bereich ist binnen Jahresfrist von 5,6 Prozent auf 4,8 Prozent gesunken. Die Fed sieht daher einen „weiterhin positiven Trend bei der Verschuldung der Haushalte“.

Der Konsum in den USA wird nicht nur durch die Verschuldung gestärkt, sondern es finden auch mehr Amerikaner Jobs. Die Zahl der netto neu geschaffenen Stellen in Amerika lag zuletzt wieder bei deutlich über 200.000 und hat damit einen lange anhaltenden Trend bestätigt. Die nächste Schuldenkrise kommt bestimmt – aber aus heutiger Sicht dürfte sie doch noch Jahre entfernt sein.

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