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17.01.2010

16:18 Uhr

US-Notenbank

Ben Bernankes zweite Chance

VonRolf Benders und Markus Ziener

In den nächsten Tagen dürfte der US-Senat Ben Bernanke eine weitere Amtszeit als Notenbankchef gewähren. Dennoch ist Bernanke geschwächt, weil ihn manche US-Politiker für einen Mitverursacher der Krise halten. Nun muss Bernanke um die Unabhängigkeit der Fed fürchten.

Ben Bernanke: Die einen halten den Fed-Chef für einen Helden der Finanzkrise, andere für einen ihrer Verursacher. Quelle: Reuters

Ben Bernanke: Die einen halten den Fed-Chef für einen Helden der Finanzkrise, andere für einen ihrer Verursacher.

NEW YORK/WASHINGTON/DILLON. Hängende Schultern, die Hände in den Schoß geklemmt, die Augen fast scheu auf den Fragesteller gerichtet - so sitzt er da, der Mann, der von Amts wegen die Weltwirtschaft retten soll. "Ich war genauso empört wie Sie, als ich eine Finanzfirma retten musste, die sich mit ruchlosen Spekulationen an den Rand des Ruins gebrachte hatte", beginnt Ben Bernanke seine Rechtfertigung für die Rettung von Finanzkonzernen wie AIG mit Milliarden Dollar von Steuergeldern.

Der US-Notenbankchef ist nach Kansas City in die Filiale der Fed gekommen, weil er seinen Job behalten will. Bürger dürfen Bernanke befragen. Der muss Wahlkampf machen, so etwas gab es bei der Federal Reserve noch nie. Und Bernanke liegt das große Wort auch nicht besonders. Er wirkt unbeholfen, seiner Stimme fehlt der Schwung.

Ein wenig Fahrt nimmt Bernanke erst auf, als er den großen historischen Bogen schlagen kann von der

Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre bis zur Finanzkrise anno 2008. Er erklärt, warum er die Krise so spät erkannt hat und wie er sie dann doch - mit viel Geld - besiegt hat.

Oft klingt Bernanke noch immer wie der Professor in Princeton, der er lange Jahre war. Aber am Schluss ist er ganz bei sich. Er drückt das Kreuz durch und sagt: "Ich wollte nicht der zweite Fed-Vorsitzende sein, der über eine Depression präsidiert." Endlich Applaus.

Ben Bernankes Wahlkampagne, die im vergangenen Sommer in Kansas City begann, hatte Erfolg. US-Präsident Barack Obama nominierte ihn für eine zweite Amtszeit. Wenn der Senat morgen aus seiner Winterpause nach Washington zurückkehrt, ist Bernankes Bestätigung seine erste große Entscheidung. Bis Ende nächster Woche soll sie fallen, denn Ende Januar läuft Bernankes Amtszeit aus.

Doch der vielleicht wichtigste Wirtschaftsentscheider der Welt ist geschwächt. Manche Landsleute sehen in Bernanke einen Helden der Finanzkrise, andere einen ihrer Verursacher. Das verlorene Vertrauen muss Bernanke rasch zurückgewinnen - schon um die Unabhängigkeit der Federal Reserve zu wahren. Unter Ben Bernanke ist die Notenbank manchem in den USA zu mächtig geworden. Das soll sie nun büßen.

Der Institution, die mit ihren Zinsentscheidungen Aktien und Anleihen, Kredite und Investitionen, Hypotheken und Jobs auf der ganzen Welt beeinflusst, wollen einige US-Politiker künftig genauer auf die Finger schauen. Unterliegt Bernanke im Kampf gegen ein neues Fed-Gesetz, wäre er schon erheblich beschädigt, kaum dass seine zweite Amtszeit begonnen hat.

So wie in Washington als Akademiker unter lauter Politikern war Ben Bernanke bereits in seiner Jugend ein Außenseiter. Aufgewachsen ist er in Dillon, South Carolina, 6000 Einwohner. Seinen Vater Jonas hatte die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre aus New York hierher in den Süden verschlagen. Er übernahm eine Apotheke in Dillon und taufte sie "Jay Bee Drug Co.", ein Laden von vielen an der Hauptstraße in Dillon, der "Main Street".

Oft verweist Bernanke auf seine bescheidene Herkunft, um zu belegen, dass er trotz seiner akademischen Weihen die Nöte und Sorgen eines Normalbürgers kennt und versteht: "Ich komme von der ,Main Street', aus einem kleinen Ort, dem die Krise sehr zusetzt. Das ist alles sehr real für mich."

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