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30.10.2013

21:35 Uhr

US-Notenbank Fed

Abwarten und Geld drucken

VonNils Rüdel

Die US-Notenbank Fed will keine Hinweise geben, wann sie die Stützräder für die US-Konjunktur einzuklappen gedenkt. Ihre jüngste Mitteilung ist nebulöser denn je. Für die Anleger heißt das: Die Party geht weiter.

Fed-Chef Ben Bernanke: Seine US-Notenbank bleibt bei der lockeren Geldpolitik. dpa

Fed-Chef Ben Bernanke: Seine US-Notenbank bleibt bei der lockeren Geldpolitik.

WashingtonEs ist längst ein Ritual. Alle paar Wochen, wenn die US-Notenbank Fed zum Treffen des entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) ruft, halten die Finanzmärkte kurz den Atem an. Vielleicht lassen die Währungshüter in ihrer Abschlusserklärung ja einen Hinweis fallen, wann sie Ihre Stützungsmaßnahmen für die US-Konjunktur zurückzufahren gedenken? Doch auch an diesem Mittwoch hieß es wieder: Entwarnung. So bald wird sich an der lockeren Geldpolitik nichts ändern.

Das war allgemein erwartet worden, selbst die nervösen Aktienmärkte blieben vergleichsweise ruhig. Sie lagen am Nachmittag Ostküstenzeit leicht im Minus. Ein zentraler Satz aus der FOMC-Mitteilung lautet: Man wolle „mehr Belege abwarten, dass die Erholung nachhaltig ist, bevor man das Tempo der (Anleihen-)Aufkäufe anpassen wird“. Das heißt: Die Programme laufen weiter, und zwar für eine unbestimmte Zeit.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Im Rahmen der dritten Runde ihres „Quantitative Easing“ genannten Programmes („QE3“) kauft die Fed monatlich für 85 Milliarden Dollar Staats- und Hypothekenpapiere auf. Damit sollen die langfristigen Zinsen gedrückt und die Konjunktur angekurbelt werden. Zudem hält die Fed seit dem Jahr 2008 den Leitzins bei null bis 0,25 Prozent. Dies sei so lange angebracht, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist, hieß es am Mittwoch erneut. Derzeit liegt sie bei 7,2 Prozent.

Vor allem was die milliardenschweren Aufkäufe angeht, warten Investoren sehnsüchtig auf Hinweise. Irgendwann, so wissen alle, muss die Fed damit beginnen, das Programm zurückzufahren. Die Frage ist nur, wann. Hatte Fed-Chef Ben Bernanke die Märkte noch im Juni mit der Ankündigung überrascht, im Herbst das so genannte „Tapering“ einzuleiten, überraschte er sie im September mit einem Rückzieher erneut. Da kündigte er an, die Anleihekäufe gingen erst einmal weiter.

Investoren und Analysten können nur spekulieren. Bis vor kurzem erwarteten die meisten, dass die Fed Ende des Jahres den Fuß vom Gas nehmen könnte. Nun ist die Rede von Anfang kommenden Jahres, womöglich sogar erst im März. Oder doch noch später. Entscheidend für den Zeitpunkt ist, wie die Notenbanker die weitere Erholung der Konjunktur einschätzen. Und die Lage der US-Wirtschaft ist ebenso undurchschaubar wie die Entscheidungsfindung der Fed. Deren Verantwortliche, das zeigt die Mitteilung vom Mittwoch, wollen die Welt im Ungewissen lassen und abwarten.

Kommentare (9)

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Michel

31.10.2013, 08:17 Uhr

Die Zinserhöhung kommt - wenn es der "Elite" passt
Dann kracht das Finanzsystem zusammen - und das ist auch so geplant

Frieda

31.10.2013, 08:37 Uhr

Wundert mich, dass die ganzen Rohstoffe noch in Dollar gehandelt werden, wo doch der Dollar eigentlich wertlos ist.

Republikaner

31.10.2013, 09:02 Uhr

Ludwig von Mises (die österreichische Schule) hatte dazu klare Meinung und Erkenntnis. Das Ende ist ein apokalyptischer big bang. Er ist nicht mehr vermeidbar! Es ist umso erstaunlicher, daß sich die Zentralbank-Zampanos schlicht gegen Erfahrung und Wirtschaftsgeschichte handeln. Welcher Plan steckt da dahinter?

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