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14.03.2016

16:38 Uhr

US-Notenbank

Fed dürfte vorerst Füße stillhalten

Die Federal Reserve will langsam aber sicher die Zinsen anheben – nächste Woche aber soll es bei dem jetzigen Satz bleiben. Allerdings dürften neue Wirtschaftsprognosen für einigen Aufschluss sorgen.

Fed-Chefin Janet Yellen: Behutsame Anhebung. Reuters

Federal Reserve

Fed-Chefin Janet Yellen: Behutsame Anhebung.

San FranciscoDie US-Notenbank (Fed) wird in dieser Woche voraussichtlich ihre zinspolitischen Zügel noch nicht weiter straffen. Experten rechnen aber damit, dass Fed-Chefin Janet Yellen nach der Entscheidung am Mittwochabend Signale geben wird, mit wie vielen Zinsschritten 2016 noch zu rechnen ist. Denn die Zeichen stehen weiter auf eine behutsame Anhebung – solange die Inflation weiter anzieht und der Arbeitsmarkt in guter Verfassung bleibt. Dabei dürften neue Wirtschaftsprognosen der Notenbank eine wichtige Rolle spielen, die zur anstehenden Sitzung vorgelegt werden.

„Bis Juni werden sie ein breite Menge an Daten haben, und das könnte ihnen helfen“, sagt etwa Marktstratege Quincy Krosby vom Finanzdienstleister Prudential Financial. Selbst manche Vertreter einer lockeren Geldpolitik – im Fachjargon „Tauben“ genannt – würden dann zum Schluss kommen, dass eine Zinsanhebung wünschenswert sei. Einer Reuters-Umfrage zufolge taxieren Volkswirte mittlerweile die Chance auf 60 Prozent, dass die Fed bis Ende Juni handeln wird. Die Mehrheit rechnet bis zum Jahresende mit einer Erhöhung des Schlüsselzinses auf 0,75 bis 1,00 Prozent von derzeit 0,25 bis 0,50 Prozent.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Die Fed hatte nach der Zinswende im Dezember zunächst Zurückhaltung signalisiert. Im Januar tastete sie unter anderem wegen der unsicheren Wachstumsaussichten in China den Schlüsselzins zur Geldversorgung des Finanzsystems nicht an. Doch seitdem sind die Sorgen etwas geringer geworden. Denn die Inflation in den USA scheint sich zu stabilisieren: Zuletzt maß die Fed-Filiale in Dallas sogar eine Teuerung von 1,9 Prozent. Das wäre bereits nahe an Yellens Ziel von zwei Prozent. Außerdem zeigt sich der Arbeitsmarkt mit einer Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent im Februar robust. Das Fed-Ziel Vollbeschäftigung liegt damit in greifbarer Nähe.

Unterstützend für die US-Wirtschaft könnten Experten zufolge auch die jüngsten EZB-Beschlüsse wirken. Die Europäische Zentralbank (EZB) brachte am Donnerstag ein umfassendes Maßnahmenbündel zur Lockerung ihrer Geldpolitik auf den Weg. Aus Sicht von Analysten wächst damit die Zuversicht, dass in Europa etwas gegen die chronische Wachstumsschwäche getan wird. Dies würde auch der US-Konjunktur nützen. Volkswirt Richard Moody vom Bankhaus Regional Financial rechnet damit, dass die Fed die momentanen Risiken als "fast ausgeglichen" bezeichnen wird. Zu diesen Worten hatte die Fed auch vor dem Zinsschritt im Dezember gegriffen.

Von

rtr

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