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14.06.2012

10:51 Uhr

US-Notenbank-Legende

Greenspan nennt den Euro einen „Fehlschlag“

Alan Greenspan rechnet mit dem Euro ab: Die Währungsunion sei gescheitert, Griechen und Italiener würden sich ökonomisch „nie“ wie Deutsche verhalten, so der Ex-Notenbanker. Auch in Deutschland mehren sich die Skeptiker.

Der früherer US-Notenbankchef Alan Greenspan: Italiener und Griechen werden sich nie wie Deutsche verhalten. Reuters

Der früherer US-Notenbankchef Alan Greenspan: Italiener und Griechen werden sich nie wie Deutsche verhalten.

MontrealAlan Greenspan, der Ex-Chef der amerikanischen Notenbank, hat die Europäische Währungsunion als einen „Fehlschlag“ bezeichnet. Das berichtete das Wall Street Journal in der Nacht zum Donnerstag unter Berufung auf Greenspan-Aussagen bei einer Konferenz in Montreal. Die Annahme, dass sich die kulturellen Unterschiede in der Region durch eine Union überbrücken ließen und dass sich Griechen und Italiener ökonomisch wie Deutsche verhalten würden, habe sich „nie“ bewahrheitet.

Auf derselben Konferenz in Montreal erklärte Greenspan am Mittwoch, dass eine Neu-Verhandlung der Bedingungen für das griechische Rettungspaket die europäische Schuldenkrise nicht lösen werde. Nur eine „politische Konsolidierung“ der 17 Staaten umfassenden Gruppe sei dazu in der Lage.

Auch aus der deutschen Wirtschaft werden Zweifel an der Zukunft des Euro laut. Der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, Brun-Hagen Hennerkes, sagte dem Handelsblatt, Bundeskanzlerin Angela Merkel verliere offenbar an Unterstützung in Europa für ihren Kurs der Haushaltssanierung. „An der dauerhaften Existenz des Euro - das muss man leider sagen - hegen immer mehr Unternehmer Zweifel“, betonte er. Die Unternehmer sähen mit großem Bedauern, dass der Euro sich zu einem Quell für Streit und Neid in Europa entwickele.

Hennerkes kritisierte vor allem, den dauerhaften Rettungsschirm ESM, der unabsehbare finanzielle Risiken für Deutschland berge. „Sie reichen weit über die offiziellen 190 Milliarden Euro hinaus. Der deutsche Anteil würde sofort hochschnellen, wenn ein großes Land wie Spanien den Rettungsschirm voll in Anspruch nimmt, was ja bisher mühsam vermieden wird“, sagte er.

Der Vertreter der Familienunternehmen warf der Politik generell Schönfärberei vor. „Seit zwei Jahren erleben wir, wie Zug um Zug das passiert, was von der politischen Führung zuvor vehement bestritten wurde: Überschuldung einzelner Staaten, Sanierungs-Unfähigkeit einzelner und jetzt als Summe die Gefährdung der gemeinsamen Währung“, kritisierte er.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Kommentare (96)

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PRAWDA

14.06.2012, 07:42 Uhr

Die deutschen Politiker, die für dieses "politische Projekt" verantwortlich sind, werden nach dem deutschen Staatsbankrott vor Gericht gestellt werden. Anklage: Hochverrat!
In vielen Ländern wird dieses Vergehen übrigens mit der Todesstrafe gesühnt!

wer den gesamten deutschen Wohlstand für ein "politisches Projekt" verzockt unter fortlaufender Täuschung, Lügen und Tricksereien, hat in meinen Augen nichts Anderes verdient. die Abrechnung kommt, auch wenn die Betreffenden - die jeder benennen kann - noch im Warmen sitzeb!

Account gelöscht!

14.06.2012, 07:48 Uhr

Was ein ehemaliger Notenbanker in den USA damit sagen will, ist wohl eher:
Die Europäer sind zu blöd, die Deutschen sind zu blöd, nur wir nicht, wir die das private Volk unter Waffen halten, den eigenen Rassismus noch lange nicht überwunden haben, ein großer Prozentsatz keine Kranken- und Rentenversicherung hat, und die eigene Wirtschaft gerade in die Rezession schlittert.
Hallo? Gehts noch? Die Europäer denken wenigstens über ihre Schulden nach, in den USA druckt man Geld und läßt es schneller abbrennen, und läßt sich die Problemfälle gegenseitig erschießen.
Auf solche Ratgeber kann ich getrost verzichten. Stufe euer eigenes Land erstmal richtig ein, mit den neuesten Konsum- und Arbeitslosenzahlen wäre diesselbe Bonitätsstufe erreicht wie in Spanien.

Account gelöscht!

14.06.2012, 07:48 Uhr

Greenspan hat die USA ins Chaos geführt.
Seine Politik ist die Ursache für den Finanzcrash und die aktuellen Probleme vieler Staaten.

Als Patriot wünscht er sich natürlich nur eine Weltwährung, den US-Dollar.

Deshalb tut er gemeinsam mit der US-Regierung alles dafür, daß der Euro zerstört wird.

Aber noch haben Sie nicht gewonnen.

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