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30.01.2008

12:37 Uhr

US-Notenbank

Riskante Wette

VonTorsten Riecke

Die Fed wird heute mit großer Wahrscheinlichkeit erneut die Zinsen senken. Im Gegensatz zur EZB, die ihr Pulver weiter trocken hält, zieht sie im Kampf gegen eine Rezession alle Register - und läuft damit Gefahr, neue Spekulationsblasen zu provozieren.

Fed-Chef Ben Bernanke. Foto: Reuters

Fed-Chef Ben Bernanke. Foto: Reuters

NEW YORK. Eine Woche nach der dramatischen Zinssenkung um 75 Basispunkte sitzen Ben Bernanke und seine Kollegen von der US-Notenbank erneut zusammen, um den geldpolitischen Kurs abzustecken. Geht es nach den Finanzmärkten, ist das Ergebnis bereits ausgemacht: Sie erwarten mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 66 Prozent einen weiteren Zinsschritt von einem halben Prozentpunkt. Auch die meisten Ökonomen an der Wall Street sind sich einig, dass die Fed ihren aggressiven Kurs fortsetzen wird, um eine Rezession in Amerika in letzter Minute noch abzuwenden.

Dabei ist die wirtschaftliche Talfahrt nur eines von vielen Problemen, mit denen sich Bernanke & Co. herumschlagen müssen. Der kriselnde Immobilienmarkt findet keinen Halt. Die Zahl der Zwangsvollstreckungen stieg im vergangenen Jahr um 75 Prozent auf 2,2 Millionen. Die Kreditklemme hat weite Teile der Finanzwelt fest im Griff. Banken versinken in einem Morast von Abschreibungen. Die Aktienmärkte taumeln. Und die Kerninflation liegt mit zuletzt 2,4 Prozent deutlich über der Toleranzgrenze der Notenbank. Dieses explosive Gemisch könnte nach Meinung von Ökonomen nicht nur die Weltwirtschaft aus der Bahn werfen, sondern auch die Karriere von Bernanke als Notenbanker besiegeln.

Bernankes legendärer Vorgänger Alan Greenspan hat auf solche Herausforderungen meist mit dem Öffnen der Geldschleusen reagiert: "Seine Antwort auf alle Probleme war: mehr Geld", schreibt der New Yorker Analyst Barry Ritholtz in seinem Wall - Street-Blog "The Big Picture". Nach dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 und der kurz danach folgenden Rezession drückte Greenspan die Leitzinsen in den USA auf ein historisch einmaliges Niveau von einem Prozent. Die wirtschaftliche Talfahrt dauerte nicht einmal ein Jahr. Die Erblast dieser Geldpolitik war jedoch eine enorme Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt. Mit den Folgen kämpft Bernanke noch heute.

Dennoch wandelt der Fed-Chef nach anfänglichem Zögern auf den Spuren seines berühmten Vorgängers. Bernanke ist inzwischen überzeugt davon, dass die Finanzkrise über die damit verbundenen Vermögensverluste auf den Immobilien- und Aktienmärkten auf die reale Wirtschaft durchschlagen.

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