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26.05.2017

15:37 Uhr

US-Wirtschaft

Glück im Unglück

Die hochgerechnete US-Wachstumsrate konnte im vergangenen Quartal doch die Ein-Prozent-Marke knacken. Der Schwung ist zu Beginn des Jahres dennoch verlorengegangen. Das hat aber Tradition.

In den USA legt die Konjunktur zu Beginn des Jahres zu. AFP; Files; Francois Guillot

Wirtschaftswachstum

In den USA legt die Konjunktur zu Beginn des Jahres zu.

WashingtonDie US-Wirtschaft ist nicht ganz so schwach in das Jahr gestartet wie bisher gedacht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe im ersten Quartal – auf ein Jahr hochgerechnet – um 1,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum zugelegt, teilte das Handelsministerium am Freitag in Washington nach einer zweiten Schätzung mit. In einer ersten Erhebung war nur ein Zuwachs um 0,7 Prozent ermittelt worden.

Dennoch hat die größte Volkswirtschaft der Welt in den ersten drei Monaten des Jahres deutlich an Schwung verloren. Im Schlussquartal 2016 war die amerikanische Wirtschaft noch um annualisiert 2,1 Prozent gewachsen. Seit einigen Jahren ist zum Jahresauftakt ein vergleichsweise schwaches Wachstum in den USA zu beobachten. In den Folgequartalen zeigte sich regelmäßig ein spürbares Anziehen der Konjunktur.

So stand es um die US-Wirtschaft zu Trumps Amtsantritt

Arbeitslosigkeit

Private Firmen und der Staat schufen 2016 zusammen 2,16 Millionen neue Stellen. Das entspricht einer durchschnittlichen Zunahme von 180.000 pro Monat, was weniger als 2015 mit 229.000 ist – aber auch normal bei nahezu Vollbeschäftigung. Die Arbeitslosenquote liegt mit 4,7 Prozent minimal unter ihrem Neun-Jahres-Tief. Sie hat sich unter Obama seit 2010 mehr als halbiert. Allerdings haben viel Amerikaner die Suche nach einem neuen Job aufgegeben und fallen daher aus der offiziellen Statistik.

Löhne

Die Löhne hielten lange Zeit mit der guten wirtschaftlichen Entwicklung nicht Schritt, die Reallöhne stagnierten jahrelang. Im Dezember gab es aber Signale einer Besserung: Die Stundenlöhne legten mit 2,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum so stark zu wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Allerdings: Die Einkommensungleichheit in den USA ist höher als in allen anderen führenden Industriestaaten.

Wachstum

2016 wuchs die weltgrößte Volkswirtschaft nach Prognose von Experten nur um vergleichsweise maue 1,6 Prozent. In diesem Jahr rechnet etwa das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) mit einem kräftigeren Anstieg von 2,5 Prozent, dem 2018 sogar 2,7 Prozent folgen könnten.

Schulden

Großes Defizit, wachsender Schuldenberg: Obama hinterlässt seinem Nachfolger keinen gesunden Haushalt. Allein 2016 machte der Staat neue Schulden in Höhe von mehr als 200 Milliarden Dollar. Der Schuldenberg liegt bei 19,5 Billionen Dollar. Das entspricht etwa 107 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes.

Stimmung

Die Hoffnung auf einen Aufschwung ist vor allem bei kleinen Unternehmen groß: Das Barometer für deren Zuversicht kletterte im Dezember auf den höchsten Stand seit zwölf Jahren. Auch die Verbraucher blicken optimistisch nach vorn. Das Barometer für deren Konsumlaune erreichte im Dezember den höchsten Wert seit mehr als 15 Jahren. Besonders unter älteren Amerikanern nahm die Zuversicht spürbar zu.

Zinsen

Zu Beginn von Obamas Amtszeit lag der Leitzins wegen der Finanzkrise auf dem Rekordtief von 0,0 bis 0,25 Prozent. Ende 2015 hat ihn die Notenbank Fed erstmals erhöht, ein Jahr später folgte der zweite Schritt auf aktuell 0,5 bis 0,75 Prozent. Für dieses Jahr stellt sie drei weitere Anhebungen in Aussicht.

Wachstumszahlen werden in den USA auf ein Jahr hochgerechnet. Die annualisierten Raten geben an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das Tempo ein Jahr lang gehalten würde. In Europa wird auf diese Annualisierung verzichtet. Deshalb sind die europäischen Wachstumsraten geringer und nicht unmittelbar mit amerikanischen Werten vergleichbar.

Von

dpa

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