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04.12.2013

16:54 Uhr

US-Wirtschaft

Überraschend starker Jobaufbau

Über 215.000 neugeschaffene Arbeitsplätze in den USA: So ein starkes Plus im November überrascht selbst die Experten, der Dollar legt zu. Doch mit den guten Daten rückt ein Ende der ultralockeren Geldpolitik in Sicht.

Der Arbeitsmarkt in den USA steht gut da: Das Plus von 215.000 überraschte selbst Experten, die im Schnitt nur mit 173.000 gerechnet hatten. Ein Amazon-Versandhaus in Phoenix, Arizona. Reuters

Der Arbeitsmarkt in den USA steht gut da: Das Plus von 215.000 überraschte selbst Experten, die im Schnitt nur mit 173.000 gerechnet hatten. Ein Amazon-Versandhaus in Phoenix, Arizona.

New YorkDie US-Firmen haben zuletzt unerwartet viele Jobs geschaffen und eröffnen der Notenbank damit Spielräume für eine künftig wieder straffere Geldpolitik. Die Zahl der neuen Stellen stieg in den beiden vorigen Monaten um fast 400.000, wie die private Arbeitsvermittlung ADP am Mittwoch mitteilte. Mehr als die Hälfte davon entstand im November. Das Plus von 215.000 überraschte selbst Experten, die im Schnitt nur mit 173.000 gerechnet hatten. Die Daten stehen kurz vor dem offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag besonders im Fokus. Die US-Notenbank Fed wird bei ihrer Sitzung in zwei Wochen ihr Augenmerk auf die Lage am Jobmarkt richten, den sie mit ihren milliardenschweren Geldspritzen stabilisieren will. Ein Ende der ultralockeren Geldpolitik könnte damit in Sichtweite kommen.

Experten sind dennoch uneins, wann der Zeitpunkt kommen wird: „Dieser Bericht spricht eindeutig dafür, dass die Fed im Dezember auf die Bremse tritt“, meint Ökonom Andrew Wilkinson von Miller, Tabak & Co. In New York. Fed-Beobachter Gus Faucher von PNC Financial Services rechnet hingegen frühestens im Januar damit. Zuletzt hatten von Reuters befragte Experten den März als wahrscheinlichsten Zeitpunkt für ein Eindämmen der großen Geldflut genannt.

Angesichts der Aussicht auf ein baldiges Endes der Ära des ultrabilligen Geldes zeichnete sich an den US-Börsen ein schwächerer Handelsstart ab. Auch jenseits des Atlantiks baute der Dax seine Verluste aus und fiel in der Spitze um 1,7 Prozent auf 9070 Zähler. Der Euro, der unmittelbar vor den Daten spürbar angezogen hatte, gab bis auf 1,3571 Dollar nach.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Sollte der Job-Bericht für November besonders gut ausfallen, könnte dies Anhängern einer strafferen Geldpolitik in der Fed-Spitze in die Hände spielen, die auf eine baldige Drosselung des Wertpapierprogramms dringen. Derzeit kauft die Fed Woche für Woche Staatsanleihen und Hypothekenpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar auf, um die Wirtschaft anzukurbeln. Sie will erst bei einer nachhaltigen Erholung am Arbeitsmarkt auf die Bremse treten.

Für den am Freitag anstehenden offiziellen Job-Bericht erwarten von Reuters befragte Experten einen Stellenaufbau von 180.000. Dabei dürfte aber nur der Privatsektor für Schwung sorgen, während der Staat unter dem Strich voraussichtlich keine neuen Jobs schaffen wird.

Von

rtr

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