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05.01.2016

11:49 Uhr

USA vs. Euro-Zone

Lernen von Uncle Sam

VonJan Mallien

Die USA sind besser aus der Finanzkrise gekommen als die Euro-Zone. Zentralbank-Präsident Mario Draghi und andere können von den Amerikanern einiges lernen. Das bessere Krisenmanagement hat mehrere Gründe.

Erfolgreicher gegen die Krise: Die US-Wirtschaft hat sich viel schneller berappelt. Getty Images

Erfolgreicher gegen die Krise: Die US-Wirtschaft hat sich viel schneller berappelt.

FrankfurtNotenbanker werden selten mit Lob überschüttet. Janet Yellen ist dieses Kunststück gelungen. Als die Chefin der US-Notenbank Fed jüngst die erste Zinserhöhung seit knapp zehn Jahren verkündete, gab es Zustimmung von fast allen Seiten. Dies sei „ein kleiner Schritt für die Fed, aber ein großer für das Finanzsystem“, sagte beispielsweise der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater.

Auf dem Papier mag die Erhöhung der Obergrenze für den Leitzins von 0,25 auf 0,5 Prozent wie eine Lappalie wirken, doch sie hat große symbolische Bedeutung. Für die USA ist damit das Kapitel der Finanzkrise beendet. Dort ist die Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um fast drei Prozent gewachsen, die private Verschuldung sinkt und es herrscht Vollbeschäftigung. In der Euro-Zone hingegen liegt die Arbeitslosigkeit bei über zehn Prozent, das Wachstum schwächelt, und viele Banken ächzen noch immer unter der Last fauler Kredite.

Verbraucherpreise: Inflation im Euroraum bleibt am Boden

Verbraucherpreise

Inflation im Euroraum bleibt am Boden

Trotz der Geldschwemme ziehen die Preise auch im Dezember 2015 kaum an. Das erhöht den Druck auf die Währungshüter. Derweil ruhen zum Jahreswechsel die Anleihenkäufe der EZB.

Und auch die Inflation ist in Europa deutlich von der Marke von knapp unter zwei Prozent entfernt, die von der Europäischen Zentralbank angestrebt wird. Im Dezember kletterten die Preis um 0,2 Prozentpunkte, wie die Europäische Statistikbehörde am Dienstag mitteilte. Experten hatten 0,3 Prozentpunkte erwartet.

Obwohl die Krise in den USA begonnen hat, wurde das Land viel besser mit den Folgen fertig. Ökonomen führen das vor allem auf die pragmatische Krisenpolitik der Amerikaner zurück. „Die USA haben wirtschaftspolitisch schneller und durchgreifender reagiert“, sagt Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Besonders schnell durchgegriffen haben die Amerikaner bei den Banken. Kurz nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers rief der damalige Finanzminister Hank Paulson die Chefs der größten Banken zusammen. Er ließ sie kurzerhand ein Papier unterschreiben, dass die Teilverstaatlichung ihrer Institute besiegelte. Insgesamt 250 Milliarden Dollar pumpte die Regierung in die großen Wall-Street-Institute wie Goldman Sachs. Heute ist die Krise bei vielen US-Banken schon fast vergessen.

Ganz anders in der Euro-Zone. Hier hat sich der Bankensektor bis heute nicht richtig erholt. Noch immer liegen faule Kredite in den Bilanzen. Wegen der sehr angespannten Staatsfinanzen wollten die Regierungen staatliche Kapitalspritzen für die Banken unbedingt vermeiden.

Kommentare (40)

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Herr Jürgen Mücke

05.01.2016, 11:54 Uhr

Wieso lernen von Uncle Sam?

Uncle Sam vergiftet mit seinen Werten die Welt...
Uncle Sam trägt den Krieg in die Welt!
Uncle Sam verklavt die Menschen zu Zinsklaven!
Uncle Sam kümmert sich nicht darum, dass nur sehr wenige wirklich in dieser Welt profitieren!

Also wenn ich Kapitalist oder zur Elite gehöre, dann lerne ich die Welt zu beherrschen... Vielleicht ist ja dass gemeint...

Herr Josef Steiner

05.01.2016, 12:02 Uhr

Uncle Sam ist die Ursache allen Übels und von denen sollen wir lernen?

Herr Privatier atHome

05.01.2016, 12:09 Uhr

Sehr geehrter Herr Mücke
"Uncle Sam kümmert sich nicht darum, dass nur sehr wenige wirklich in dieser Welt profitieren!"

Sie meinten sicher:
Uncle Sam kümmert sich darum, dass nur sehr wenige wirklich in dieser Welt profitieren!

:-)

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