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02.01.2010

11:09 Uhr

Verbände

Wirtschaft zwischen Lehrstellen- und Bewerbermangel

IG Metall und ZDH geben unterschiedliche Prognosen zum Lehrstellenmarkt ab. Während die Gewerkschaft eine wachsende Knappheit an Ausbildungsplätzen vorhersagt, beklagt der Zentralverband des Deutschen Handwerks einen Mangel an qualifizierten Bewerbern.

HB BERLIN. Die IG Metall befürchtet einem Zeitungsbericht zufolge zunehmende Schwierigkeiten am Ausbildungsmarkt. Nach ersten Schätzungen aus dem Bereich der Metall- und Elektroindustrie werde die Zahl der Ausbildungsplätze in diesem Jahr um mindestens zehn Prozent zurückgehen, berichtete die "Frankfurter Rundschau" am Samstag aus einer Analyse der Industriegewerkschaft. Grund seien die Wirtschaftskrise und ein Nachwuchsmangel infolge eines demografischen Einbruchs. Bundesregierung, Arbeitgeber und Bundesagentur für Arbeit hätte es versäumt gegenzusteuern. Die IG Metall beruft sich auf eine Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), wonach bereits im Ausbildungsjahr 2009 die Zahl der Ausbildungsverträge um 8,2 Prozent gesunken sei.

Nun sei ein Umdenken nötig, forderte die Gewerkschaft. Um die Abhängigkeit von der Wirtschaftslage abzufedern, müsse die Ausbildung anders finanziert werden, etwa über Branchenfonds. Zudem müssten sich die Arbeitgeber stärker um Nachwuchskräfte bemühen.

Der neue Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, beklagte dagegen einen Mangel an geeigneten Lehrlingen. Das Handwerk stelle seit Jahren fest, dass immer mehr Schulabgänger nicht die nötigen Grundkenntnisse mitbrächten. "Einige haben Schwierigkeiten beim Rechnen und Schreiben. Anderen fällt es schon schwer, morgens pünktlich zur Arbeit zu kommen. Und einige wollen offensichtlich gar keine Ausbildung machen. Ihnen fehlt die Motivation", sagte Schwannecke der "Bild"-Zeitung. 2009 seien knapp 10 000 Lehrstellen nicht besetzt worden. Das dürfte 2010 ähnlich sein, auch wenn die Zahl der Ausbildungsplätze insgesamt sicherlich sinken werde. Für 2010 rechnet der ZDH-Generalsekretär, der das Amt am 1. Januar von Hanns-Eberhard Schleyer übernahm, nicht mit einer massiven Entlassungswelle in den Handwerksbetrieben: "Das Handwerk hat die Wirtschaftskrise bisher wesentlich besser überstanden als andere Branchen. 2009 sind 60 000 Jobs verloren gegangen - das ist vergleichsweise wenig. Für 2010 rechnen wir mit einer Stabilisierung."

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