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28.02.2012

08:16 Uhr

Verbraucher

GfK-Konsumklima so gut wie lange nicht

Die deutschen Verbraucher lassen sich ihre Stimmung nicht vermiesen. Trotz aller Krisen fällt das GfK-Konsumklima-Barometer gut aus - das hat auch mit den anstehenden Tarifabschlüssen zu tun.

GfK: „Einkaufslust statt Einkaufsfrust”

Video: GfK: „Einkaufslust statt Einkaufsfrust”

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BerlinTrotz Konjunkturflaute und hoher Benzinpreise sind die deutschen Verbraucher so gut gelaunt wie seit einem Jahr nicht mehr. Das für März berechnete Konsumklima-Barometer kletterte wie von Fachleuten erwartet von 5,9 auf 6,0 Punkte, teilten die GfK-Marktforscher am Dienstag zu ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern mit. „Die Beschäftigen hoffen, dass bei den anstehenden Tarifverhandlungen die Lohn- und Gehaltszuwächse besser ausfallen werden als in der Vergangenheit“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Die Konjunktur wird dagegen etwas skeptischer eingeschätzt, die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen bleibt trotz eines kleinen Dämpfers auf hohem Niveau.

Kommentar: Deutsche – konsumiert noch mehr!

Kommentar

Deutsche – konsumiert noch mehr!

Die deutschen Verbraucher sind in Hochstimmung. Auch wenn die Konjunktur etwas lahmt – die Lust auf Konsum steigt weiter, wie der GfK-Index heute belegt. Und das völlig zurecht. Geiz wäre völlig unangebracht.

Für 2012 erwartet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nun einen Anstieg des Privatkonsums um ein Prozent. „Er wird damit einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nicht in die Rezession abgleiten wird“, betonten die Nürnberger Experten. Viele Ökonomen sagen nur ein Anziehen der Konjunktur um rund 0,5 Prozent voraus, nach kräftigen drei Prozent 2011. Der meiste Schwung dürfte aus der Binnennachfrage kommen, während der Außenhandel wegen der globalen Flaute eher bremst.

Die fünf „Wirtschaftsweisen“

Gründung

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wurde 1963 per Gesetz gegründet, um die Politik zu beraten.

Aufgaben

Die „Wirtschaftsweisen“ analysieren die Situation der deutschen Volkswirtschaft und die zukünftige Entwicklung. Sie legen jeden Herbst im Auftrag der Bundesregierung ihr Jahresgutachten vor. Sie können aber auch in Sondergutachten zu besonderen Problemen Position beziehen. Zudem können sie sich Rat bei weiteren Fachleuten holen.

Zusammensetzung

Dem unabhängigen Sachverständigenrat gehören fünf Professoren an, die für jeweils fünf Jahre vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Regierung berufen werden.

Aktuelle Mitglieder

Vorsitzender ist Christoph Schmidt (Bochum). Außerdem gehören Peter Bofinger (Würzburg), Christoph M. Schmidt (Bochum), Lars P. Feld (Freiburg) und Claudia Buch dem Gremium an.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte um drei Prozent zulegen. Bei einer erwarteten Inflation von 1,8 Prozent bleibe unterm Strich ein deutliches Plus an Kaufkraft, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. Bei der Tarifrunde stehen die Verhandlungen für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie an, die Gewerkschaft IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn. Für die Chemieindustrie verlangt die Gewerkschaft IG BCE ein Plus von sechs Prozent, für den öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen sollen es 6,5 Prozent mehr sein.

„Die überaus positive Situation auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland hat von Seiten der Verbraucher hohe Erwartungen an die Tarifpartner geweckt“, erklärte die GfK. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen plädierte für spürbare Lohnerhöhungen und stieß damit auf Kritik in den eigenen Reihen und im Arbeitgeberlager.

Die Einkommenserwartungen der Bürger kletterten laut Gfk im Februar um 7,2 auf 41,3 Punkte. Das Barometer stieg auf den höchsten Wert seit Juni 2011. Der Teilindex für die Konjunktur sank leicht um 1,6 auf 5,9 Zähler und blieb noch über dem langjährigen Durchschnitt, den die Nulllinie signalisiert. „Die Verbraucher gewinnen offenbar den Eindruck, dass eine Erholung der deutschen Konjunktur nicht ganz reibungslos verlaufen wird und angesichts der tiefen Schuldenkrise in Europa auch für Deutschland nicht zu unterschätzende Risiken bestehen.“

Fairtrade beim Discounter

Video: Fairtrade beim Discounter

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Die Kauflaune der Konsumenten blieb trotz eines leichten Rückgangs um 2,6 auf 39,2 Punkte auf hohem Niveau. Für Rückenwind sorge die nachlassende Angst vorm Job-Verlust und die sinkende Inflation. Zudem steckten die Verbraucher ihr Geld derzeit lieber in „werthaltige Anschaffungen“ als es für historisch niedrige Zinsen auf die Bank zu tragen.

Von

rtr

Kommentare (9)

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denk.mal

28.02.2012, 09:23 Uhr

Man möge mich korrigieren wenn ich falsch liege, aber für mich ist dieser Artikel ein klarer Beleg für eine inflationäre Grundhaltung der Konsumenten. Hier wird ein wesentlicher Schritt in Richtung Preisspirale gegangen.

Account gelöscht!

28.02.2012, 09:32 Uhr

Die GfK-Daten werden erstaunlicherweise nie von den realen Einzelhandelsumsätzen verifiziert. Und man möge mir verzeihen - den Umsatzdaten vertraue ich doch eher als der GfK-Propaganda, die mich an den DDR-Witz erinnert: "Warum hatten in der DDR die Schuhe die Absätze vorn? - Damit keiner merkt, daß es bergab geht!"

denk.mal

28.02.2012, 10:04 Uhr

@OttoChilli

Sie haben Recht.

Allerdings ist mir auch der Einzelhandelsverband in den letzten zwei Jahren im Rahmen des Weihnachtsgeschäfts durch realitätsferne "Zwischenberichte" unangenehm aufgefallen. Dennoch, irgendwann folgen natürlich die Zahlen.

Für die Frage, ob und wie sich die Preisspirale dreht, ist allerdings auch die Erwartungshaltung der Konsumenten von erheblicher Bedeutung. Mit der Bereitschaft zu konsumieren kann auch ein sorgfältig haushaltender deutscher Konsument den Inflationsschritt mitgehen; er kauft dann halt weniger Güter, die teurer sind. Nur so kann Teuierung hierzulande entstehen...

Man beachte auch die Entwicklung im Lebensmittelhandel. Wenn Aldi mehr Markenprodukte einführt, erodiert die Verhandlungsdominanz der Billigdiscounter langsam aber sicher -- sie beruhte auf dem schieren Volumen. Aber die Kundschaft wandert ab...

Wir sind also bereit, höhere Preise zu zahlen.

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