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27.04.2011

15:59 Uhr

Verbraucherpreise

Hohe Spritpreise befeuern die Inflation

Die Preise in Deutschland sind auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren gestiegen. Die hohen Energiepreise lassen die Inflationsgefahr wachsen. Auch die Kauflaune der Deutschen lässt nach.

Die Kraftstoffpreise ziehen kräftig an. Quelle: dapd

Die Kraftstoffpreise ziehen kräftig an.

WiesbadenDie Inflation in Deutschland ist im April weiter gestiegen und hat das höchste Niveau seit Oktober 2008 erreicht. Die Verbraucher mussten für Waren und Dienstleistungen im Schnitt 2,4 Prozent mehr bezahlen als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt zu vorläufigen Berechnungen mitteilte. Im Februar und März hatte die Teuerung noch bei 2,1 Prozent gelegen. Wie zuletzt sorgten vor allem Energieprodukte für einen deutlichen Preisschub: „Insbesondere die Preise für leichtes Heizöl und Kraftstoffe sind erneut gestiegen“, erklärten die Statistiker. Die anziehende Inflation belastet inzwischen zunehmend die Kauflaune der Deutschen. Das Konsumklima der GfK-Marktforscher für Mai verschlechterte sich erneut und sank um 0,2 auf 5,7 Punkte.

Vor allem teures Tanken und höhere Preise für Energie und Rohstoffe machen den Verbrauchern zu schaffen. In Nordrhein-Westfalen etwa mussten die Autofahrer an der Zapfsäule gut zehn Prozent mehr ausgeben als im April 2010. Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätte die Jahresteuerung im bevölkerungsreichsten Bundesland nur bei 1,9 und nicht bei 2,5 Prozent gelegen. Allerdings stiegen die Preise immer stärker auch auf breiter Front, betonte Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf. „Die Inflationsrisiken in Deutschland sind mittlerweise akut.“ Das Leben verteure sich im Zuge der Konjunkturerholung: „Der starke Aufschwung ermöglicht es den Unternehmen, ihre gestiegene Kosten zunehmend an die Verbraucher weiterzugeben.“

Die Inflation könnte nach den Worten des scheidenden Bundesbankchefs Axel Weber 2011 im Jahresschnitt bei rund 2,5 Prozent liegen. Dies wäre der höchste Wert seit 2008 und etwa das Sechsfache der 0,4 Prozent im Rezessionsjahr 2009. Trotz der positiven Lage am Arbeitsmarkt und höherer Löhne und Gehälter beurteilen die Verbraucher ihre künftige Finanzlage etwas skeptischer als zuletzt. „Die Inflation frisst natürlich was von den Einkommenserhöhungen weg. Es bleibt nicht mehr ganz soviel übrig wie gedacht“, sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst zu Reuters TV. Einen Einbruch des Konsums erwarte er aber nicht. „Der Verbraucher hat Vertrauen in die Wirtschaft, und er wird in diesem Jahr auch zum Konsum, zum Wachstum der Wirtschaft beitragen.“ Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle betonte: „Der private Konsum wird in diesem Jahr eine entscheidende Stütze bleiben.“

Mit Sorgen schaut die Europäische Zentralbank auf die Preisdaten. Im Kampf gegen die Inflation haben die Währungshüter der Euro-Zone bereits im April die Zinswende eingeläutet und erstmals seit rund drei Jahren die Geldpolitik gestrafft.

EZB-Ratsmitglied Athanasios Orphanides bekräftigte am Mittwoch, dass weitere Anpassungen nötig seien, wenn sich der Inflationsausblick verschlechtere. Im März lagen die Verbraucherpreise in den Euro-Ländern 2,7 Prozent höher als vor Jahresfrist. Stabile Preise sieht die Europäische Zentralbank aber nur bei einer Teuerung von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. „So richtig entspannt zurücklegen kann sich die EZB nicht“, sagte Lothar Heßler von HSBC Trinkaus. „Die nächste Zinserhöhung kommt wahrscheinlich im Juli.“

Von März auf April stiegen die deutschen Verbraucherpreise um 0,2 Prozent. Endgültige Daten liegen am 11. Mai vor.

Kommentare (2)

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Wolf54321

27.04.2011, 16:18 Uhr

Selffullfilling prophecy - wenn man nur oft genug darüber redet, dann kommen Hersteller und Händler schon auf die Idee, die Preise zu erhöhen.

Und was passiert morgen mit den Spritpreisen, wenn in der grossen Tageszeitungen und in den Nachrichten berichtet wird, übermorgen steigen die Spritpreise stark an? Und - was passiert danach?

Pessidani

27.04.2011, 18:23 Uhr

Welche Lohn- und Gehaltserhöhungen? Glaub die Meisten hatten sowas schon lange nicht mehr^^ Oder meinen Sie jetzt die 0,5% die von der Erhöhung der Sozialversicherungsausgaben schon weg sind bevor man sie bekommen hat?

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