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05.01.2016

16:11 Uhr

Verbraucherpreise

Inflation im Euroraum bleibt am Boden

Trotz der Geldschwemme ziehen die Preise auch im Dezember 2015 kaum an. Das erhöht den Druck auf die Währungshüter. Derweil ruhen zum Jahreswechsel die Anleihenkäufe der EZB.

Die niedrige Inflation dürfte EZB-Chef Mario Draghi Kopfschmerzen bereiten. dpa

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Die niedrige Inflation dürfte EZB-Chef Mario Draghi Kopfschmerzen bereiten.

BrüsselTrotz der Geldflut der EZB bleibt die Inflation in der Euro-Zone am Boden. Die Preise zogen im Dezember nur um 0,2 Prozent an, wie das Europäische Statistikamt am Dienstag in Brüssel mitteilte. Damit fiel die Jahresteuerung genauso niedrig aus wie im Vormonat und noch einen Tick schwächer als von Experten erwartet.

Im Sog des Ölpreisverfalls verbilligte sich Energie um 5,9 Prozent, während sich Nahrungsmittel (plus 1,2 Prozent) und Dienstleistungen (plus 1,1 Prozent) moderat verteuerten. Der Euro setzte seine Talfahrt nach den Daten fort, die Spekulationen auf eine noch lockerere Geldpolitik der Währungshüter befeuerten.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Die europäische Gemeinschaftswährung gab um mehr als einen halben US-Cent auf 1,0760 Dollar nach. Viele Anleger wetten auf eine erneute Ausweitung der Wertpapierkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Mit der Geldflut soll eine deflationäre Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und rückläufigen Investitionen verhindert werden, die etwa Japans Wirtschaft immer noch zu schaffen macht. Die EZB will es nicht soweit kommen lassen und strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an, die ihr als optimal für die Konjunkturentwicklung gilt.

Der EZB-Rat hatte seine Politik erst Anfang Dezember weiter gelockert - jedoch weniger deutlich als erwartet. Das auf jetzt auf 1,5 Billionen Euro angelegte Wertpapierkaufprogramm, das neben Anleihen auch Pfandbriefe und Hypotheken-Papiere umfasst, soll nun bis mindestens Ende März 2017 laufen.

Experten rätseln nun, ob die EZB bald nachlegt, nachdem die US-Notenbank Fed die Zinswende gerade erst eingeläutet hat. "Eine weitere Lockerung der Geldpolitik bleibt auf der Tagesordnung", meint Ökonom Christoph Weil von der Commerzbank. EZB-Beobachter Teunis Brosens von ING-DiBa rechnet jedoch zunächst nicht mit einer weiteren Öffnung der Geldschleusen, solange es konjunkturell aufwärts geht: "Die EZB wird ihr Pulver wohl vorerst trocken halten."

Doch die Anleihenkäufe der EZB ruhen zum Jahreswechsel. In der Woche bis zum Neujahrstag sank wegen fällig werdender Anleihen das Volumen der erworbenen Staatspapiere der Euro-Länder sogar um 1,836 Milliarden Euro.

Seit Programmstart im März 2015 kauften die EZB und die nationalen Notenbanken damit bis zum Neujahrstag Wertpapiere im Gesamtumfang von rund 491,2 Milliarden Euro, wie die Europäische Zentralbank am Dienstag mitteilte. Die EZB hatte angekündigt, nach einer Pause vom 22. Dezember bis Neujahr am 4. Januar wieder einzusteigen. Vor der Weihnachtszeit wurden zeitweise mehr Bonds erworben.

Die Euro-Wächter pumpen über die Käufe je Monat Milliarden Euro in das Finanzsystem - den größten Anteil davon machen Staatsanleihen aus. Im Dezember waren es insgesamt rund 50,3 Milliarden Euro. Das mittlerweile auf 1,5 Billionen Euro angelegte Programm, das auch Pfandbriefe und Hypothekenpapiere umfasst, soll bis mindestens Ende März 2017 laufen.

Ziel der EZB ist es, mit der Geldflut die niedrige Inflation anzuheizen und als Hilfe für die Konjunktur Banken zu einer stärkeren Kreditvergabe an die Wirtschaft zu bewegen. Bislang ist es ihr aber noch nicht gelungen.





Von

rtr

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