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12.07.2016

09:39 Uhr

Verbraucherpreise

Inflation in Deutschland legt leicht zu

VonAnne Wiktorin, Reuters

Kartoffeln, Dienstleistungen und nicht mehr ganz so günstige Energiepreise ließen die deutsche Teuerungsrate im Juni wieder steigen. Was sonst noch teurer wurde – und was es billiger gab.

Erdäpfel waren im Juni 2016 fast 20 Prozent teurer als im Vorjahr. Imago

Frisch geerntete Kartoffeln

Erdäpfel waren im Juni 2016 fast 20 Prozent teurer als im Vorjahr.

DüsseldorfMit ihrer Schätzung von Ende Juni lagen die Statistiker richtig: Das Leben in Deutschland verteuert sich wieder leicht. Waren und Dienstleistungen kosteten im Juni durchschnittlich rund 0,3 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Damit kletterte die Inflationsrate auf den höchsten Stand seit März. Nur im Januar 2016 war sie mit 0,5 Prozent höher gewesen.

Der nach europäischer Methode und für die Geldpolitik der EZB maßgebliche Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland legte im Juni auf Jahressicht um 0,2 Prozent zu. Zum Vormonat erhöhte er sich um 0,1 Prozent. Auch hier bestätigte das Bundesamt seine erste Schätzung.

Unter anderem Lebensmittel verteuerten sich leicht um 0,1 Prozent – allerdings mit erheblichen Unterschieden. So mussten Verbraucher für Kartoffeln deutlich tiefer in die Tasche greifen: Um 19,1 Prozent stiegen die Preise für Erdäpfel im Jahresvergleich. Mit 4,6 Prozent lag die Teuerung bei Gemüse auch insgesamt weit über dem Durchschnitt.

Hingegen waren viele Molkereiprodukte deutlich günstiger zu haben als im Vorjahr: Quark verbilligte sich um 16,3 Prozent, H-Milch um elf Prozent. Auch Butter gab es im Juni für fast zwölf Prozent weniger als ein Jahr zuvor – die Folge der Milch-Überproduktion, die die Preise rapide auf Talfahrt schickte und viele deutsche Landwirte in Existenznöte brachte.

Nach wie vor aber sind es vor allem die niedrigen Energiepreise, die die Teuerung in Grenzen halten. Verbraucher mussten für Heizöl oder Kraftstoffe im Juni dieses Jahres etwa 6,4 Prozent weniger ausgeben als im Juni 2015. Leichtes Heizöl kostete 19 Prozent weniger, Benzin und Diesel verbilligten sich um 9,4 Prozent. Nur Strom verteuerte sich binnen Jahresfrist um knapp ein Prozent.

Im Gegensatz zum Preisrückgang bei Waren verteuerten sich Dienstleistungen: Deren Preise kletterten Vergleich zum Juni 2015 um 1,4 Prozent. Schuld war insbesondere der Anstieg der Nettokaltmieten, die um mehr als ein Prozent stiegen. Die Miete ist mit einem Anteil von 20 Prozent einer der größten Brocken unter den Konsumausgaben privater Haushalte. Auch Dienstleistungen für Versicherungen sowie für Verkehr wurden um etwa zwei Prozent teurer.

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Klammert man Energie aus, hätte die Inflationsrate daher im Juni bei 1,1 Prozent gelegen und damit fast viermal so hoch wie insgesamt ausgewiesen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Inflation in den nächsten Monaten im Schlepptau des steigenden Ölpreises anzieht. Erste Effekte zeigen sich bereits im Monatsvergleich: Gegenüber Mai legte die Inflationsrate im Juni nur um 0,1 Prozent zu. Denn Energie blieb zwar günstig, war aber nicht mehr ganz so billig wie vor einigen Monaten.

Insgesamt verharrt die Teuerungsrate allerdings weit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die erst bei Werten von knapp zwei Prozent von stabilen Preisen spricht.

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