Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2016

15:05 Uhr

Verbraucherpreise

Inflation so niedrig wie im Krisenjahr 2009

Die sinkenden Ölpreise drücken die Inflation: Die Teuerungsrate sinkt auf das Niveau des Krisenjahres 2009. Die von der Europäischen Zentralbank angepeilte Preisstabilität bleibt damit in weiter Ferne.

Vor allem Haushaltsenergie und Kraftstoffe waren für Verbraucher im vergangenen Jahr deutlich günstiger als 2014. dpa

Inflation

Vor allem Haushaltsenergie und Kraftstoffe waren für Verbraucher im vergangenen Jahr deutlich günstiger als 2014.

WiesbadenDie Inflation in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit dem Rezessionsjahr 2009 gesunken. Vor allem billigeres Öl und günstige Energie sorgten dafür, dass die Verbraucherpreise im Schnitt nur um 0,3 Prozent stiegen, wie das Statistische Bundesamt am Montag in einer ersten Schätzung mitteilte. 2014 lag die Jahresteuerung noch bei 0,9 Prozent, 2013 bei 1,5 Prozent und 2012 sogar bei 2,0 Prozent. Seit 2011 (2,1 Prozent) ist die Inflation in Deutschland kontinuierlich gesunken.

Im vergangenen Jahr kostete Energie deutlich weniger, was auch den Autofahrern zugutekam. So verbilligte sich im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen das Tanken um knapp zehn Prozent. Heizöl kostete im Jahresschnitt rund ein Viertel weniger als noch 2014. Im Dezember waren Haushaltsenergie und Kraftstoffe für Verbraucher im gesamten Land 6,5 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Allerdings war das Minus auf Jahressicht in den Monaten davor noch deutlicher, im November etwa lag es bei 7,5 Prozent. Der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln schwächte sich unterdessen wieder ab: von 2,3 Prozent im November auf 1,4 Prozent im Dezember.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Insgesamt lag die jährliche Teuerungsrate nach Berechnungen des Bundesamtes im Dezember bei 0,3 Prozent, nachdem sie zuvor zwei Monate in Folge auf niedrigem Niveau leicht angezogen hatte. Details will die Behörde am 19. Januar veröffentlichen.

Auch in der gesamten Euro-Zone stiegen die Preise kaum noch, was der Europäischen Zentralbank (EZB) Sorgen bereitet. Die EZB spricht nur bei Werten von knapp zwei Prozent von stabilen Preisen. Seit März pumpen die Währungshüter über den Kauf von Staatsanleihen Monat für Monat Milliarden in das Finanzsystem. Das mittlerweile auf 1,5 Billionen Euro angelegte Kaufprogramm, das auch Pfandbriefe und Hypothekenpapiere umfasst, soll bis mindestens Ende März 2017 laufen. Ziel ist es, die niedrige Inflation anzuheizen und als Hilfe für die Konjunktur auch die Kreditvergabe anzuschieben.

Währungshüter halten zu geringe Inflationsraten für eine Konjunkturgefahr, weil sich Konsumenten wie Unternehmen in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise bei Ausgaben zurückhalten könnten. Die EZB strebt deshalb mittelfristig eine Teuerung von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Ökonomen gehen davon aus, dass die Teuerungsrate 2016 langsam anziehen wird - auch weil die EZB die Märkte weiterhin mit billigem Geld flutet.












Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×