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11.07.2013

14:50 Uhr

Verschlechterung

Wirtschaft beklagt deutsch-russische Beziehungsprobleme

Der jahrelang stark wachsende Handel zwischen Deutschland und Russland hat deutlich an Schwung verloren. Viele Firmen warnen vor einer möglichen Krise. Die Wirtschaft würde eine engere Anbindung Russlands begrüßen.

Russlands Präsident Vladimir Putin empfängt am 21. Juni Angela Merkel in St. Petersburg. In einer Umfrage des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft wünschen sich 44 Prozent einen höheren Stellenwert der deutsch-russischen Beziehungen in der Politik. ap

Russlands Präsident Vladimir Putin empfängt am 21. Juni Angela Merkel in St. Petersburg. In einer Umfrage des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft wünschen sich 44 Prozent einen höheren Stellenwert der deutsch-russischen Beziehungen in der Politik.

BerlinDeutsche Unternehmen warnen vor einer möglichen Handelskrise zwischen Deutschland und Russland. In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (OA) klagten 54 Prozent der befragten Mitgliedsfirmen über eine Verschlechterung des deutsch-russischen Verhältnisses. 44 Prozent wünschen sich einen höheren Stellenwert der Beziehungen in der Politik. "Die deutsche Wirtschaft würde eine Russland-Strategie der Bundesregierung begrüßen, die zu einer engeren Anbindung Russlands und des russischen Marktes an die EU beiträgt", sagte der Chef des Ausschusses Eckhard Cordes in Berlin.

In diesem Jahr hat der jahrelang stark wachsende Handel zwischen Deutschland und Russland deutlich an Schwung verloren. In den ersten vier Monaten 2013 sackte der Gesamtwert von Im- und Exporten um dreieinhalb Prozent ab, sagte Cordes. Allerdings will er dies nicht als Beleg einer generellen Krise zwischen den beiden Ländern verstanden wissen. Das Minus ergebe sich vor allem wegen der um acht Prozent schwächerer Einfuhren. Dies wiederum sei in erster Linie die Folge niedrigerer Ölpreise. Die deutschen Exporte nahmen von Januar bis April zwar weiter um 2,1 Prozent zu. Im Jahr 2012 waren sie aber noch um über zehn Prozent angewachsen. Der Ausschuss geht davon aus, dass die deutschen Exporte nach Russland und in die benachbarte Region in diesem Jahr insgesamt um etwa drei Prozent wachsen. Im Vorjahr waren es acht Prozent.

OA-Vize-Chef Johannnes Teyssen, Vorstandschef des deutschen Energieriesen E.ON, forderte in der deutschen Politik und Gesellschaft eine differenziertere Diskussion über Russland. Trotz mancher Kritik, es mangele an Demokratie, sei in Russland kein grundlegender Wandel zum Schlechteren auszumachen. "Nein, ich sehe keinen Grund, schon von einer Trendwende zu sprechen", sagte er. Über die kurzfristige Entwicklung dürfe man die langfristige nicht aus den Augen verlieren. Das bedeute nicht, dass man mit Kritik hinter dem Berg halten müsse.

Cordes plädierte dafür, Russland die Chance zu geben, "sich anzudocken an die westeuropäische Welt". Teyssen verwies darauf, dass sich die Rahmenbedingungen für Öl- und Gasgeschäfte mit Russland, nicht zuletzt wegen des Booms von Schiefer-Gas und Schiefer-Öl, grundlegend wandelten. Russland mit seinen Rohstoffvorkommen müsse sich wachsender Konkurrenz stellen. Teyssen hält es für falsch, von einer Abhängigkeit Europas von russischen Energielieferungen zu sprechen. Eine Gefahr für die hiesige Versorgungssicherheit durch Russland sieht er nicht. "Ich halte das eher für ein extrem unwahrscheinliches Ereignis, dass aus Russland eine Versorgungskrise für Europa entsteht", unterstrich er.

Von

rtr

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

11.07.2013, 15:04 Uhr

Eine (wirkliche) Freihandelszone zwischen der EU und Rußland würde wesentlich mehr Sinn machen als die sogenannte Freihandelszone mit den USA (die meiner Meinung nach reiner Etikettenschwindel für eine Transatlantische Union ist, in etwa so ähnlich wie "Flugverbotszone" für die Bombadierenung Libyens steht). Die Industrie der EU und der Rohstoffreichtum Rußlands würden sich nämlich perfekt ergänzen.

Allerdings wird dies nicht zustande kommen - die anglo-amerikanischen Geld- und Rohstoff-"Eliten", also unsere Oberherren, haben andere Pläne (siehe auch die Gasfelder des östlichen Mittelmeeres und diverse Gaspipeline-Projekte) und Rußland/China stehen diesen im Weg.

Matze

11.07.2013, 15:26 Uhr

@ es ist ein wahhhhhhhnsinn, dass sich die beziehungen zu russland verschlechterten, wegen eines "intelektuell-groben" kommissionschef, der für unsere ausgesprochen anspruchsvolle zeit vollkommen deplaziert ist. zu grob und ineffizient halt. wenn ich in einigen jahren die geschichtliche analyse anzusetzen hätte, wär genau dies meine stossrichtung!!!!!!!!!!!!!!!!

Vicario

11.07.2013, 15:29 Uhr

Zitat : Russland mit seinen Rohstoffvorkommen müsse sich wachsender Konkurrenz stellen. Teyssen hält es für falsch, von einer Abhängigkeit Europas von russischen Energielieferungen zu sprechen

- die Wachsende Konkurrenz durch Fracking ist ein künstliches Aufbauschen......mehr nicht !

Die Rohstofflieferungen aus Russland sind auf JAHRHUNDERTE ausgelegt und gesichert...und dienen beiden Seiten !
Die Rohstoffarmen Europäer werden durch Russland eben mit Rohstoffen versorgt und versorgen gleichzeitig die Russen mit Devisen !

DIESE ABHÄNGIGKEIT ist GEGENSEITIG und auch zum gegenseitigen Vorteil !

Merkel und Gauck mit ihrer ostdeutschen Vergangenheit ( die Russen bzw. der russische Geheimdienst wissen alles über die beiden aus DDR-Zeiten ) sind ein HAUPTHINDERNIS für gute Beziehungen zwischen Deutschland und Russland !

Die zwei Pappnasen werden alles tun, um die Russen von sich fern zu halten ! Dass muß der blöde Westler mal kapieren !

Ossis.......als besetztes Land durch Russen.......sind den Russengegenüber feindlich eingestellt ( und das wissen auch die Russen ) !

Diese Feindlichkeit ist auch nachvollziehbar !

Aber sie nützt den Deutsch-Russischen Beziehungen nichts !

Ergo : man sollte die Ossis von den Russen fern halten......insbesondere auf der politischen Ebene !

Das müßten unsere Politclowns mal verinnerlichen !

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