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15.02.2016

16:42 Uhr

Vorbild Dänemark?

Negative Zinsen sind „wirklich keine Erfolgsgeschichte“

Das geldpolitische Mittel eines negativen Zinssatzes funktioniere nicht, um die Kreditvergabe anzutreiben und die Wirtschaft anzukurbeln, sagen Experten. Das sind schlechte Nachrichten für den Euroraum.

Dänemark hatte Anfang 2015 zu extrem negativen Zinsen gegriffen, um Spekulanten zu vertreiben. Auf den Euroraum lässt sich diese Maßnahme aber nicht übertragen. dpa

Dänische Flagge

Dänemark hatte Anfang 2015 zu extrem negativen Zinsen gegriffen, um Spekulanten zu vertreiben. Auf den Euroraum lässt sich diese Maßnahme aber nicht übertragen.

KopenhagenVom Land, das die längste Erfahrung mit negativen Zinsen hat, lässt sich etwas darüber lernen, wie diese Geldpolitik funktioniert – oder auch nicht. Nach Einschätzung von Skandinaviens größter Bank hilft die extreme Maßnahme nur Zentralbanken, die ein Währungsregime verteidigen wollen.

Zum Ankurbeln der Wirtschaft seien negative Zinsen hingegen das falsche Mittel. Das sind gute Nachrichten für Dänemark und die Schweiz, aber schlechte für den Euroraum, Japan und Schweden.

„Wir haben gelernt, dass ein negativer Zinssatz ein Instrument ist, das funktioniert, um die Währung zu schwächen, aber es funktioniert nicht, um die Kreditvergabe anzutreiben“, sagt Helge Pedersen, Chefökonom bei Nordea in Kopenhagen im Telefoninterview mit Bloomberg. „In Dänemark haben die negativen Zinsen funktioniert, weil es das Ziel war, die Währungspolitik zu verteidigen.“

Dänemark und die Schweiz hatten Anfang 2015 zu extrem negativen Zinsen – minus 0,75 Prozent – gegriffen, um Spekulanten zu vertreiben, die ihre erstklassig mit „AAA“ benoteten Staatsanleihen horteten. Die Schweiz schaffte überraschend ihren Mindestkurs für den Euro ab, Dänemark war in der Lage, die Anbindung der Krone an den Euro aufrechtzuerhalten.

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Damit hätte kaum jemand gerechnet: Die Bank von Japan folgt der Europäischen Zentralbank und führt einen negativen Geldzins ein. Experten sehen darin vorerst viel Lärm mit wenig realem Effekt.

Hingegen seien im Euroraum „negative Zinsen wirklich keine Erfolgsgeschichte“, sagt Pedersen. Die Geldpolitiker dort würden immer „verzweifelter“ und die Europäische Zentralbank drohe, in einen „Teufelskreis“ zu geraten.

Die Äußerungen folgen auf eine Serie kritischer Kommentare von prominenten Investoren, in denen die Zentralbanken beschuldigt wurden, die Turbulenzen an den Märkten mit ihrer Negativzins-Politik noch anzuheizen. So stellte Scott Mather, Managing Director bei Pacific Investment Management Co., in Frage, dass negative Zinsen die Inflation antreiben können.

Diese Politik werde als „verzweifelte“ Maßnahme angesehen und sei daher „schädlich für die finanzielle und wirtschaftliche Stabilität“, schrieb er in einem Bericht. Und Stephen Jen, Mitgründer von SLJ Macro Partners LLP, sagte die Zentralbanken „sind jetzt mehr ein Problem als eine Lösung.“

Es gibt aber noch andere bemerkenswerte Fakten im Zusammenhang mit negativen Zinsen. In Dänemark, wo der Einlagensatz für den größten Teil der letzten dreieinhalb Jahre unter null liegt – und Ökonomen keinen Ausstieg bis mindestens 2018 sehen – haben die Menschen nicht damit angefangen, ihr Bargeld unterm Kopfkissen zu horten.

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