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07.08.2012

10:57 Uhr

Vorbild Deutschland

Ein Amerikaner entdeckt das deutsche Industriewunder

VonPeter Ross Range

Um zu verstehen, was Amerika von Deutschland lernen kann, ist ein US-Autor quer durch unser Land gereist - zu Konzernchefs und Familienunternehmern, zu Azubis im Schwarzwald und ins Kanzleramt. Eine Spurensuche

Was macht Deutschland so einzigartig? Peter Ross Range hat die Volkswirtschaft etwas genauer betrachtet. dpa

Was macht Deutschland so einzigartig? Peter Ross Range hat die Volkswirtschaft etwas genauer betrachtet.

Es ist Nacht über dem Atlantik. Ein Flug von Washington bringt mich in das Land, das ich wiederentdecken will. Voller Vorfreude lese ich alle deutschen Zeitungen, die bei der Lufthansa im Angebot sind.

Ich werde Deutschland wieder besuchen, das erste Mal nach acht Jahren. Einige Orte meiner Reise habe ich sogar über fünfzig Jahre nicht mehr gesehen. Dabei ist das Land eine zweite Heimat für mich. Die Wirtschaft, die Politik, die Energiewende, das Einwanderungsproblem - wie die Deutschen damit umgehen, all das fasziniert mich. Der Wirtschaftsboom in Deutschland scheint stabil. Die Arbeitslosenquote bewegt sich unterhalb von sieben Prozent. Deutschland ist dabei, wieder eine Vorbildfunktion in der Welt einzunehmen.

Der amerikanische Journalist Peter Ross Range, 71, ist ein profunder Kenner der deutschen Zeitgeschichte. Im Jahr 1961 kam er als Student erstmals nach Deutschland - und blieb dem Land emotional und intellektuell verbunden. Von 1967 bis 1970 war er Korrespondent für das „Time Magazine“ in Deutschland. Danach berichtete er aus dem Weißen Haus in Washington. Seine Artikel erschienen im „Time Magazine“, im „Playboy“, in der „National Geographic“ und in der „Washington Post“. Im US-Wahlkampf 2008 berichtete er für das deutsche Nachrichtenportal „Spiegel Online“. Neben seiner journalistischen Arbeit engagierte sich Range auch bei mehreren Think-Tanks wie dem Woodrow Wilson Center. Für das Handelsblatt begab er sich im Frühsommer auf eine publizistische (Wieder-)Entdeckungsreise durch Deutschland. Andreas Labes für Handelsblatt

Der amerikanische Journalist Peter Ross Range, 71, ist ein profunder Kenner der deutschen Zeitgeschichte. Im Jahr 1961 kam er als Student erstmals nach Deutschland - und blieb dem Land emotional und intellektuell verbunden. Von 1967 bis 1970 war er Korrespondent für das „Time Magazine“ in Deutschland. Danach berichtete er aus dem Weißen Haus in Washington. Seine Artikel erschienen im „Time Magazine“, im „Playboy“, in der „National Geographic“ und in der „Washington Post“. Im US-Wahlkampf 2008 berichtete er für das deutsche Nachrichtenportal „Spiegel Online“. Neben seiner journalistischen Arbeit engagierte sich Range auch bei mehreren Think-Tanks wie dem Woodrow Wilson Center. Für das Handelsblatt begab er sich im Frühsommer auf eine publizistische (Wieder-)Entdeckungsreise durch Deutschland.

Aber natürlich ist das nur ein Teil der Wahrheit. Der Euro ist in Not. Die Schuldenkrise macht dem Kontinent zu schaffen. Und jeder erwartet, dass Deutschland das Problem löst. In der Welt wird hitzig über den Entschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel debattiert, sich an der Bankenrettung im Süden Europas zu beteiligen.

Doch bei aller Kritik schwingt unüberhörbar Bewunderung mit. Bewunderung für ein Land, das nach dem Krieg erst verachtet, dann belächelt und oft im Spiel der großen Mächte ignoriert wurde. "Wir müssen Deutschland zum Vorbild nehmen", sagt jetzt Wall-Street-Investor Steven Rattner, der 2009 an der Spitze der 82 Milliarden US-Dollar schweren Rettungsaktion für die US-Automobilindustrie stand. Selbst Jeffrey Immelt, Chairman des uramerikanischen Konzerns General Electric, bekennt: "Wir müssen mehr wie Deutschland werden." Und niemand Geringeres als Präsident Barack Obama fragte bei der Planung seiner Wirtschaftspolitik einen Berater: "Wie schafft Deutschland es, trotz des hohen Lohnniveaus in der Industrie so erfolgreich zu sein?"

Report: The German Model

Report

The German Model

Germany has become a leading political and economic power, Peter Ross Range says. But what exactly can America learn from this country? Range took a trip all across Germany - and talked to those who shape the nation.

In seiner jüngsten Rede zur Lage der Nation lobte Obama das in Deutschland entwickelte duale Bildungssystem. Er stellte eine junge Dame vor, die neben seiner Ehefrau Michelle Obama saß. Sie hatte erfolgreich ein Schulungsprogramm absolviert, das von einem kommunalen College in North Carolina organisiert worden war. Der wichtigste Sponsor und Förderer dieser Trainingsmaßnahme war Siemens, denn das Unternehmen braucht gut ausgebildete Arbeiter für sein Gasturbinen-Werk in Charlotte, North Carolina. Das Schulungsprogramm, das Obama erwähnte und als vorbildlich darstellte, war eine Kopie des deutschen dualen Ausbildungssystems. Amerika schaut wieder auf Deutschland, mit Bewunderung in den Augen.

Kommentare (32)

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Europaeer

07.08.2012, 11:30 Uhr

Ungewohnter Lesestoff für einen Leser hierzulande gewiss.
Im Alltag vergißt man mitunter was bereits erreicht wurde...


Lexi

07.08.2012, 12:16 Uhr

"Die Arbeitslosenquote bewegt sich unterhalb von sieben Prozent." Was ist mit den anderen 14% die von 300€ im Monat leben müssen?
"Der Euro ist in Not." Nein, ist er nicht. Die Geschichte ist gerade dabei das auf Zinsen basierende Geldsystem abzuschaffen, aber die City und Wallstreet wollen es nicht wahr haben und plündern deshalb noch schnell die Staaten.
"Wie schafft Deutschland es, trotz des hohen Lohnniveaus in der Industrie so erfolgreich zu sein?" Klaro. €5,50 sind natürlich ein Spitzen-Lohn. Davon können die Mitarbeiter bei Foxconn nur träumen. Wann wurde in Deutschland das letzte Mobiltelefon gebaut?
Drei Statements, die bereits in der Einleitung das verzerrte Weltbild des Autors widerspiegeln. Genau das wurde erreicht, lieber Europaeer: Dass Lügen wieder salongfähig geworden sind. Dass Lügen wieder ein übliches Mittel der Politik sind. Dass der dämliche Bürger gar nicht mehr merkt, wie er von der Systempresse, zu der auch das HB gehört, belogen und verarscht wird.
An diesem Punkt war Deutschland schon einmal. Danach gab es Krieg und anschließend wurde Deutschland "verachtet, dann belächelt und oft im Spiel der großen Mächte ignoriert".
"Ungewohnter Lesestoff für einen Leser hierzulande gewiss." Im Alltag vergisst man mitunter, dass gerade heute Propaganda ein Mittel der Politik ist.
Der Artikel ist armselig.

Dickie

07.08.2012, 12:16 Uhr

Ein wunderbarer und interessanter Bericht von Peter Ross Range über unser Land!
Vielen Dank dem Autor :-)

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