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25.03.2013

14:12 Uhr

Wachstum in Deutschland

Wirtschaftsweise halbieren Ausblick für 2013

Der Sachverständigenrat hat seinen Wirtschaftsausblick für Deutschland deutlich nach unten korrigiert. Das steht im Widerspruch zu einigen Forschungsinstituten, die ihre Prognosen zuletzt angehoben hatten.

Die Stahlwerkshalle von ArcelorMittal in Hamburg. dpa

Die Stahlwerkshalle von ArcelorMittal in Hamburg.

BerlinDie fünf Wirtschaftsweisen haben ihren Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft mehr als halbiert. Für 2013 werde nur noch ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,3 Prozent erwartet, teilte der Sachverständigenrat am Montag mit. Im Herbst waren noch 0,8 Prozent vorhergesagt worden. Grund für die Senkung sei der unerwartete Einbruch im vierten Quartal 2012, als Europas größte Volkswirtschaft mit 0,6 Prozent so stark schrumpfte wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Dadurch startet sie mit deutlich weniger Schwung in das Jahr 2013. Dennoch hatten zuletzt mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen angehoben.

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

"Positive Wachstumsimpulse dürften nur aus dem Inland kommen - vor allem von den privaten Konsumausgaben, die sich angesichts der anhaltend guten Situation auf dem Arbeitsmarkt weiterhin robust entwickeln dürften", hieß es. Dagegen dürften die Unternehmen weniger investieren. Auch vom Außenhandel werden keine Impulse erwartet, weil die Exporte langsamer wachsen dürften als die Importe.

Die Zahl der Arbeitslosen wird dem Expertengremium um den Essener Wirtschaftsprofessor Christoph Schmidt auf 2,949 Millionen steigen. Das wären rund 50.000 mehr als im abgelaufenen Jahr. Die Zahl der Erwerbstätigen soll dagegen um 0,3 Prozent auf 41,7 Millionen steigen.

Die pessimistische Bewertung des Sachverständigenrats steht im Gegensatz zu den zuletzt wieder besseren Prognosen der Forschungsinstitute. Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) hatte seine Schätzung für 2013 von 0,7 auf 1,3 Prozent nach oben korrigiert. Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) korrigierte seine Wachstumsprognose für 2013 von 0,3 auf 0,6 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Joker1

25.03.2013, 15:47 Uhr

Man muss jetzt wieder Angst und Schrecken verbeiten.
Warum? Ansgtehende Tarifverhandlungen und die Eurokrise!
Dem "Pöbel" muss klar gemacht werden wo der Hammer hängt
und dass nur Unterwürfigkeit und "Demut" weiterhilft.
Vor allem, das richtige Kreuzchen machen im September!
Was sind das für Experten? Meinen alle Anderen sind blöd,
nur sie nicht, gell...
Richtet euch selber!

Professoerchen

25.03.2013, 16:50 Uhr

Nun bekommen wir die Quittung. Die Zyprioten kaufen keinen Mercedes mehr und schon müssen die Wirtschaftsgreisen (sorry, Wirtschaftsweisen) ihre Prognose senken. Wenn jetzt auch noch der Sommer zu warm werden sollte, wird Deutschland in die Rezession abgleiten.
Was die sog. Weisen und die einzelnen Institute so von sich geben ist schon toll. Schwankungen von 0,3 bis 1,3 Prozent. Welches Zahlenmaterial legen die eigentlich zugrunde?, jeder backt sich vermutlich seine eigene Referenz.
Deutschland, das Land der unzähligen Professoren; und jeder fühlt sich berufen sein Ego zu transformieren.
Man kann eine Wirtschaft auch kaputtreden in dem man die Verbraucher, den Mittelstand usw. verunsichert.

GuenterLuska

25.03.2013, 17:11 Uhr

Daß diesem nach Parteienproporz zusammengewürfeltem Gremiun überhaupt noch eine Prognose abnimmt, grenzt an ein Wunder. Seit fünf Jahren sind die Übereinstimmungen mit der Realität reiner Zufall. Nicht ein Ökonometriker ist im Gremium vertreten. Deshalb sollte man die Prognose schnellstens vergessen.

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