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29.01.2010

09:43 Uhr

Wachstum

Rezession macht um Polen einen Bogen

VonMathias Brüggmann

Osteuropa schrumpft - Polen wächst. Die Wirtschaft des Nachbarlands trotzt der Weltrezession und kann als einziges EU-Land Wirtschaftswachstum ausweisen. Vor allem die starke Binnennachfrage und die Abwertung des Zloty stützten die Konjunktur im abgelaufenen Jahr.

Polen Premier Donald Tusk freut sich über das polnische Wirtschaftswachstum. Reuters

Polen Premier Donald Tusk freut sich über das polnische Wirtschaftswachstum.

BERLIN. Polen hat als einziges Land in Europa der Weltrezession widerstanden. Laut Statistikamt GUS wuchs die polnische Wirtschaft 2009 um 1,7 Prozent und damit stärker als von Volkswirten erwartet. Finanzminister Jacek Rostowski betonte, damit werde auch das Defizit geringer ausfallen.

Für das laufende Jahr rechnet Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak nun mit einem Wirtschaftswachstum von „etwa drei Prozent“ – und damit erneut mit deutlich mehr als Experten wie die Osteuropaförderbank EBRD mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,3 Prozent prognostizieren. Polen war für 2009 anfangs sogar das Abrutschen in die Rezession vorausgesagt worden.

Dass die größte osteuropäische Volkswirtschaft der Europäischen Union (EU) als einziges EU-Land Wirtschaftswachstum ausweist, hat viele Gründe: Vor allem ist es die überdurchschnittlich gute, anhaltende Binnennachfrage in dem 38 Millionen Einwohner zählenden Land. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft war zuletzt im Dezember der Binnenkonsum erneut um gut sieben Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Die ausländischen Direktinvestitionen sanken zwar – aber mit minus zehn Prozent deutlich geringer als in der Gesamtregion.

Für Wirtschaftsminister Pawlak spielt vor allem auch die „deutlich geringere Exportabhängigkeit eine wichtige Rolle“. So erwirtschafte Polen lediglich 40 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts durch Ausfuhren, während es beim Nachbarn Slowakei 85 Prozent seien. Experten nennen als weiteren Grund für Polens Verbleib im grünen Bereich, dass Warschau Milliarden in den Ausbau seines Autobahn-, Straßen- und Schienennetzes stecke – vor allem im Vorfeld der Fußball-EM 2012 in Polen und der Ukraine. Damit das Haushaltsdefizit nicht exorbitant wird, hat die Regierung parallel ein massives Privatisierungsprogramm beschlossen.

Zudem habe auch die Ende 2008 eingesetzte Abwertung der Landeswährung Zloty geholfen, sagte Leszek Balcerowicz, Ex-Finanzminister und Vater von Polens marktwirtschaftlichem Umbau, dem Handelsblatt. „Polens Wachstum war in den letzten Jahren nicht so überhitzt wie in anderen Ländern der Region, wir hatten eine konservative Geldpolitik und der flexible Wechselkurs half uns zu Beginn der Krise als Puffer.“ Mit Ausbruch der Finanzkrise hatten Spekulanten massiv gegen den Zloty gewettet. Warschaus Zentralbank intervenierte nicht, der Kurs gab zeitweise um 27 Prozent nach – bis Polen Milliarden vom IWF zur Stärkung der Währungsreserven genehmigt bekam, diese aber letztlich nicht einmal abrief.

Kommentare (1)

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Peter

12.03.2010, 23:36 Uhr

Polen wird zu der Wirtschaftsmacht des 21 Jahrhunderts in Europa.

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