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09.03.2006

17:13 Uhr

Wachstumsprognose 2006

Währungsfonds gießt Wasser in den Wein

Gerade hatte das Kieler Institut für Weltwirtschaft seine optimistische Wachstumserwartung für Deutschland verkündet. Das IfW erhöhte heute seine Prognose für 2006 von 1,5 auf 2,1 Prozent. Auch der Internationale Währungsfonds nannte jetzt Zahlen. Er kommt allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis.

Laut Internationalem Währungsfonds verläuft der Aufschwung 2006 nicht ganz so, wie es andere Institute vorhersagen. Grafik: HB

Laut Internationalem Währungsfonds verläuft der Aufschwung 2006 nicht ganz so, wie es andere Institute vorhersagen. Grafik: HB

HB WASHINGTON. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende Jahr geringfügig nach unten revidiert. Im Entwurf des World Economic Outlook, der dem Handelsblatt (Freitagsausgabe) in Teilen vorliegt, rechnet der IWF für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,4 Prozent. Im Januar war der Fonds für 2006 noch von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,5 Prozent ausgegangen.

In dem Bericht, der kurz vor der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank Ende April vorgestellt werden soll, heißt es, der Export in Deutschland sei zwar nach wie vor stark. Allerdings bleibe die Inlandsnachfrage schwach. Erst Ende 2006 rechnet der Fonds in Deutschland mit einem Anstieg des Binnenkonsums. Dieser werde jedoch auf Grund von Vorzieheffekten wegen der geplanten Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent auf Kosten des Wirtschaftswachstums 2007 gehen. Die Mehrwertsteuererhöhung sei ein Unsicherheitsfaktor für die deutsche Konjunktur, heißt es in dem Bericht. Der Fonds, der im Januar noch von einem BIP-Anstieg zwischen 0,75 und 1,25 Prozent für 2007 ausgegangen war, rechnet nun für das kommende Jahr mit einem Wachstum von 1,0 Prozent.

Die Defizitquote in Deutschland werde sich gegenüber der Januar-Schätzung in 2006 auf 3,3 Prozent des BIP von bislang 3,6 Prozent etwas verringern, bleibe aber über der EU-Defizit-Grenze von drei Prozent. In 2007 werde die Neuverschuldung in Deutschland dann auf 2,4 Prozent sinken. In der Januarprognose für Deutschland hatte der IWF ein Defizit von 2,5 bis 3,0 Prozent für 2007 vorausgesagt.

Zuvor hatte bereits das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) seine Wachstumserwartungen für 2006 veröffentlicht. Im Gegensatz zum Währungsfonds kommt das IfW jedoch zu einem wesentlich optimistischeren Schluss. Das zu Deutschlands führenden Forschungsinstituten zählende Institut erhöhte am Donnerstag seine Wachstumserwartung für 2006 auf 2,1 von 1,5 Prozent.

Mit seiner neuen Prognose setzte sich das IfW an die Spitze der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute und sagt als erstes ein Wirtschaftswachstum von über zwei Prozent in diesem Jahr voraus. Die Bundesregierung rechnet nur mit einem Wachstum von 1,4 Prozent, die meisten anderen Fachleute mit einer Rate zwischen 1,5 und zwei Prozent.

Gemeinsam ist den Analysen von IWF und IfW das Lob über die deutsche Exportwirtschaft. Das Exportwachstum sehen auch die IfW-Forscher in diesem Jahr weiterhin stark bei 10,5 Prozent und 2007 bei 5,5 Prozent. Allerdings: Der private Konsum bleibt die Schwachstelle der Konjunktur, erklären beide Institute.

Weltweit zeigt sich das Wirtschaftswachstum nach Einschätzung des IWF ausgeglichener als in der Vergangenheit. Weiterhin bestünden für die Weltwirtschaft aber Risiken. Der Fonds nennt in diesem Zusammenhang globale Ungleichgewichte und die Ölpreise, die hoch und volatil blieben. Aber auch die Vogelgrippe und deren Auswirkungen auf Verbrauchervertrauen und -verhalten stellt nach Einschätzung des Fonds einen Unsicherheitsfaktor dar. Dennoch rechnet der IWF für 2006 mit einem globlen Wirtschaftswachstum von 4,8 Prozent und für 2007 mit einem Zuwachs um 4,7 Prozent. Im letzten World Economic Outlook, den der Fonds im vergangenen Herbst vorgelegt hatte, war für 2006 ein weltweites Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent vorhergesagt worden.

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